Diskussion bei Twitter Spaces Wie soll die Schule der Zukunft aussehen?

Das Konzept Schule ist reformbedürftig. Digitale Methoden bieten die Chance, etwas zu verändern. Aber was? Wie muss die Schule der Zukunft aussehen, was muss sie leisten, wer soll dort welche Verantwortung tragen? Darüber wollen wir am Dienstag, den 25. Mai 2021 ab 19 Uhr in einer Live-Audio-Diskussion bei Twitter reden. Mit Expertinnen und Experten und mit Ihnen, den Nutzenden von MDR SACHSEN-ANHALT.

Symbolbild: Eine graue Kreidetafel mit dem Twittersymbol und dem Schriftzug: Zukunft Schule
Am 25. Mai wollen wir auf der Plattform Twitter Spaces über die Schule der Zukunft diskutieren. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Warum wir auf Twitter über Schule diskutieren

Angst vor Zensuren, Leistungsdruck, Prüfungsstress: Das Konzept Schule hat sich seit Jahrzehnten nicht wirklich geändert. Nicht erst durch die Corona-Pandemie ist klar geworden, was wirklich wichtig ist: das Zusammenkommen und der Austausch. Digitale Methoden bieten die Chance, dem Lehrermangel zu begegnen, Lehrinhalte selbstständig zu wiederholen.

Und sie zeigen, wofür der Ort Schule besser geeignet ist: Für Nachfragen, für das Erlernen sozialer Kompetenzen, für Meinungsbildung. Wie also muss die Schule der Zukunft aussehen, was muss sie leisten, wer muss dort welche Verantwortung tragen? Darüber wollen wir in einer Live-Audio-Diskussion bei Twitter reden: mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und natürlich mit Schülerinnen und Schülern. Und mit den Nutzern von MDR SACHSEN-ANHALT.

Am Dienstag, dem 25. Mai 2021 eröffnen wir darum um 19 Uhr erstmals einen sogenannten Twitter Space. Eine Plattform, die wir ausprobieren wollen, weil sie für alle, die zuhören und mitreden wollen, ganz einfach zu betreten ist. Sie sind herzlich eingeladen, mit uns diskutieren.

Über den folgenden Link können Sie sich am 25. Mai ab 19 Uhr direkt zu unserer Diskussion hinzuschalten:

Das sind unsere Gäste:

Das sagt Lehrerin Ines Bieler

Ines Bieler, von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ines Bieler Bildrechte: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Ines Bieler ist Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Englisch am Gymnasium. Seit 2018 arbeitet sie am Zentrum für Lehrer:innenbildung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ist seit März 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Initiative: Lehramt@digital. Sie ist Mitbegründerin der @Bildungspunks, einer Plattform, die Lehrende und Lernende im Umgang und beim Einsatz von digitalen Medien im Unterricht unterstützt und vernetzt.

Sie sagt, es gebe noch viel zu tun. Aber keiner müsste Angst haben, dass Schule künftig nur noch digital läuft. Vielmehr müsse der Ort Schule sich ändern, müsse zum sozialen Ort werden. Ein Platz für Austausch und Dialog. Unser Alltag sei, so Bieler, inzwischen in allen Bereichen weitgehen digital. Die Schule ist davon bisher meist ausgeklammert. Bereits die Lehramtsstudierenden sollten in der Ausbildung besser vernetzt sein, fordert Bieler. Wenn es nach ihr ginge, müsste jeder Studierende in seinem Fachbereich auf digitale Möglichkeiten stoßen und sie mit in die Praxis nehmen.

Bieler wünscht sich außerdem, dass an der Schule künftig nicht nur die abrechenbare Leistung zähle. Lernen funktioniere auch ohne Noten, denn Verständnis sei wichtiger als das Pauken von Fakten.

Das sagt Erziehungswissenschaftler Henning Schluß

Ein Mann mit graumelliertem Haar und Brille spricht in ein Mikrophon. Er trägt ein weißes Hemd und eine dunkle Anzugjacke.
Henning Schluß Bildrechte: Henning Schluß

Henning Schluß ist Professor für Empirische Bildungsforschung und Bildungstheorie an der Universität Wien. Der Erziehungswissenschaftler lebt im brandenburgischen Oranienburg und ist in Dessau aufgewachsen.

Er sagt, die Corona-Pandemie habe uns vor Augen geführt, wie sich soziale Ungleichheiten auf Bildung auswirke. Es sei eben ein Unterschied, ob beim Distanzlernen drei Geschwister in einer Zwei-Zimmer-Neubauwohnung aufeinander hockten oder ein Einzelkind in einem Haus mit Garten leben würde.

Auch sei noch deutlicher geworden, wie wichtig Sprachkenntnisse seien. Kinder, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, die nicht gut Deutsch sprechen, hätten kaum eine Chance, zu Hause selbstständig zu lernen. Denn sie verstünden nicht einmal die Aufgaben. Hinzu kämen dann oft fehlende Rückmeldungen. Lehrerinnen und Lehrer müssten dringend lernen, ordentliches Feedback zu geben. Ein Instrument dafür, so Schluß, könnten Lernstandserhebungen sein. Mit den Ergebnissen daraus ließe sich für jede Schülerin und jeden Schüler ein ganz spezieller Förderplan entwickeln. In der Praxis würden die Tests aber eher genutzt, um über Kinder Urteile zu fällen, kritisiert er.

Die Schule der Zukunft ist eine Schule, in die Kinder gerne gehen. In der sie keine Angst haben müssen.

Henning Schluß

Das sagt Schüler Felix Schopf

Ein junger Mann mit dunklen kurzen Haaren und Brille im hellblauem Hemd und Anzug.
Felix Schopf Bildrechte: Felix Schopf

Felix Schopf ist Vorsitzender des Landes-Schülerrates in Sachsen-Anhalt. Er ist nach seinem erweiterten Realschulabschluß auf die Berufsbildende Schule "Otto von Guericke" in Magdeburg gewechselt, um Abitur zu machen. Dort geht er jetzt in die 12. Klasse.

Wenn Felix an die Schule der Zukunft denkt, steht für ihn Bildungsgerechtigkeit ganz oben. Dass nicht jeder die gleichen Chancen in unserem Bildungssystem hat, das sei schon vor Corona klar gewesen. Die Pandemie habe die Unterschiede aber noch verstärkt. Wichtig sei nicht nur Geld und technische Ausstattung, sondern auch die mentale Unterstützung der Eltern, die Bereitschaft, schulische Probleme zu diskutieren und helfen zu können. Da seien Kinder aus Akademikerhaushalten oft im Vorteil.

Die Schule, so wie sie heute ist, empfindet Felix als total veraltet. Da habe sich offenbar in den vergangen 30 Jahre nicht viel getan. Er könnte sich eine Schule ganz ohne Zensuren vorstellen. Das würde den Druck nehmen. Nicht zuletzt wünscht sich Felix, dass gesellschaftliches Engagement von der Schule gefördert werden würde. Seine Arbeit für den Landesschülerrat etwa stoße bei vielen Lehrerinnen und Lehrern auf Unverständnis.

Das sagt Kindheitsforscherin Ilona Weißenfels

Ilona Weißenfels, ist Kindheitsforscherin an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Davor bildete sie in Rostock Grundschulehrerinnen und -lehrer aus.

EIne lächelnde blonde Frau. Im Hintergrund ein Stadtpanorama.
Ilona Weißenfels Bildrechte: Ilona Weißenfels

Weißenfels ist der Überzeugung, dass sich Schule dem gesellschaftlichen Wandel anpassen muss. Wir befänden uns gerade im Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft. Die Bildung werde aber nicht mitgenommen. Für die Zukunft wünscht sich Weißenfels Schullandschaften, bei denen Architektur, Infrastruktur und Personal aufeinander abgestimmt sind. Das könne man sich vorstellen wie kleine Dörfer, in denen Kinder alles lernen, was sie zum Leben brauchen. In diesen Schullandschaften wären dann alle Altersgruppen vertreten, eine Art große Gemeinschaftsschule. Schule müsse helfen, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

Ob das Abschaffen von Noten helfen würde, Schülerinnen und Schülern den Druck zu nehmen, da ist sie sich nicht sicher. Das sei von Kind zu Kind unterschiedlich und hängt stark von der zeitlichen Organisation der Leistungstests ab.

Wochenlang keine Notenbewertung und dann innerhalb von drei Wochen zwei bis drei Klausuren pro Woche ist nicht leistungsfördernd.

Ilona Weißenfels

Das sagt Bildungswissenschaftlerin Nele Hirsch

Das Porträt einer Frau mit langen, mittelblonden Haaren. Sie lacht in die Kamera.
Nele Hirsch Bildrechte: Nele Hirsch

Nele Hirsch aus Gräfenhainichen ist Bildungswissenschaftlerin und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Prozess des Lernens. Mit dem von ihr gegründeten eBildungslabor macht sie Lehrer:innen fit für das digitale Zeitalter.

In einem Interview mit dem GEO-Magazin sagte sie, allein mit Digitalisierung sei es nicht getan. Schule müsse neu gestaltet werden. "Mehr Lehrer für weniger Schüler, mehr Zeit für freies Lernen, mehr Raum dafür, Kinder individuell zu unterstützen", fordert sie. Darum müsse, so Nele Hirsch, auch der Lehrberuf neu gedacht werden. In einer Kultur der Digitalität würden Lehrer deutlich wichtiger. Sie müssten viel mehr Konzepte entwickeln, sie müssten Lernumgebungen gestalten und Material bereitstellen. Sie müssten Schüler einzeln begleiten. Das sei aufwendig.

Wir kommen nicht darum herum: Zeitgemäße Bildung wird mehr Geld kosten.

Nele Hirsch

Nele Hirsch will Kinder fit machen für die Zukunft und zwar mit den 4K-Kompetenzen – also in Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritischem Denken. Dabei bedeute Kreativität nicht: Ich male künstlerisch wertvolle Bilder. Sondern: Dinge neu denken. Wie könnte das, was ist, anders sein? Und kritisches Denken, so Nele Hirsch, bedeute nicht: Ich bin dagegen und gehe demonstrieren. "Es heißt, dass ich nicht einfach schlucke, was jemand anders gesagt hat", erklärt sie. Die Corona-Krise habe gezeigt, dass viele Menschen mit Veränderungen und dem Einordnen von Informationen überfordert zu sein scheinen.

Quelle: MDR/Katja Luniak

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | Frühprogramm | 25. Mai 2021 | 07:10 Uhr

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