Kinderbetreuung Kitas zu: 1.400 Erzieherinnen und Erzieher folgen Streikaufruf in Sachsen

Erzieherinnen und Erzieher sind am Donnerstag in Sachsen erneut auf die Straße gegangen. Laut Gewerkschaft GEW folgten 1.400 dem Streikaufruf. Für Eltern bedeutet das Stress, wenn sie wegen geschlossener Kitas nach Betreuungsalternativen suchen müssen. Die Erzieher sehen die Arbeitgeber in der Verantwortung für dieses Dilemma.

Demonstrationsteilnehmerinnen
Am Donnerstag haben Gewerkschaften die kommunalen Kita-Beschäftigten zum Streik aufgerufen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Zu einem landesweiten Streik im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst haben die Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Verdi für den heutigen Donnerstag aufgerufen. Mehr als 1.400 Erzieherinnen und Erzieher beteiligten sich, teilte die GEW am Vormittag mit. Sich über die erneuten Arbeitsniederlegungen beschwerende Eltern verweist die GEW an die Arbeitgeber. "Seit Februar läuft die derzeitige Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsdienst, in der die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt haben, so Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft. Es liege "ganz klar bei ihnen, sich in der am kommenden Montag beginnenden dritten Verhandlungsrunde nun auf die Gewerkschaften zuzubewegen und annehmbare Angebote vorzulegen."

Erzieher wollen nicht der Buh-Mann sein

Die pädagogischen Fachkräfte hätten beim Streik sehr deutlich gemacht, dass es ihnen reiche, als "unsozial" oder "verantwortungslos" bezeichnet zu werden, weil sie ihr Streikrecht wahrnehmen. "Wir sind hier, weil wir uns Sorgen um die frühkindliche Bildung machen. Schließlich geht es um die kommende Generation. Die wird momentan im besten Fall betreut, von Bildung kann flächendeckend keine Rede sein. Dazu braucht man ausreichend und motivierte pädagogische Fachkräfte", so eine Erzieherin aus Görlitz auf der Streikversammlung in Dresden.

Mit dem Streik wollen Gewerkschaften kurz vor der dritten Tarifverhandlungsrunde Anfang nächster Woche den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Man verlange ein annehmbares Angebot, so die GEW.

Streik für mehr Wertschätzung und bessere Löhne

Die Streikbereitschaft unter den pädagogischen Fachkräften ist laut der GEW-Landesvorsitzenden Uschi Kruse sehr hoch. "Weder der pädagogische Anspruch an ihre Arbeit noch der vorgegebene pädagogische Auftrag kann bei den derzeitigen Arbeitsbedingungen vollständig erfüllt werden. Dies führt bei den Kolleginnen und Kollegen zunehmend zu Frustration und Wut", so Kruse. Hinzu komme die fehlende Wertschätzung der Arbeit.

Die Streikbereitschaft unter den pädagogischen Fachkräften ist angesichts des vorherrschenden Drucks in ihrem beruflichen Alltag nach wie vor sehr hoch.

Uschi Kruse GEW-Landesvorsitzende

Die GEW-Landesvorsitzende Ursula-Marlen Kruse
Laut GEW-Landesvorsitzender Uschi Kruse könne der pädagogische Anspruch bei den derzeitigen Arbeitsbedingungen in den Kitas nicht erfüllt werden. Bildrechte: dpa

Arbeitgeber gegen pauschale Höhergruppierung

Bereits in der vergangenen Woche waren am 4. Mai etliche Beschäftigte dem Streikaufruf gefolgt, so in Leipzig, Chemnitz, Dresden, Döbeln und Markkleeberg. Die Beschäftigten verlangen bessere Arbeitsbedingungen wie zum Beispiel für Erzieherinnen und Erzieher mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung, um mehr Zeit für die Kinder zu haben. Außerdem sollen Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsdienste im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst höher eingruppiert werden.

Der Verband der kommunalen Arbeitgeberverbände ist gegen eine pauschale höhere Eingruppierung. Man wolle sie nur dort vornehmen, wo sich die Anforderungen tatsächlich erhöht haben.

Eltern sollen Betreuungsalternativen suchen

Die Stadt Dresden weist darauf hin, dass verbindliche Aussagen über die Öffnung einzelner Kitas und Horte erst am Streiktag getroffen werden können. Man wolle auf der städtischen Internetseite ab 6 Uhr eine Übersicht betroffener Kindertageseinrichtungen veröffentlichen. Zusätzlich soll eine telefonische Service-Hotline unter der Nummer 0351-4 88 51 11 erreichbar sein. Eine Notbetreuung stehe nicht zur Verfügung.

Bautzen bittet Eltern, alternative Betreuungsmöglichkeiten zu suchen. Aufgrund der Tarifverhandlungen am 16. und 17. Mai, könnte es in den kommenden Woche ebenfalls zu Warnstreiks kommen, schließt die Stadt nicht aus.

MDR (ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 12. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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