Nahost-Konflikt Schutz jüdischer Einrichtungen in Sachsen unverändert hoch

Der neu entflammte Nahost-Konflikt lässt auch in Sachsen die Sorge vor Angriffen auf jüdische Einrichtungen wachsen. Zwar sieht das sächsische Innenministerium bisher keinen Anlass, die Sicherheitsmaßnahmen konkret zu verschärfen, allerdings sind beispielsweise in Chemnitz mehr Polizisten zur Bewachung der Synagoge herangezogen worden. Anschläge wie in Bonn oder Münster habe es in Sachsen bisher nicht gegeben, so das Ministerium.

Ein Mann steht am Eingang der Neuen Synagoge in Dresden
Die Bewachung jüdischer Einrichtungen wurde seit dem Anschlag von Halle verstärkt. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Die anhaltende Eskalation im Nahost-Konflikt verstärkt die Befürchtungen, dass auch jüdische Einrichtungen in Sachsen Ziel antisemitischer Straftaten werden könnten. Das sächsische Innenministerium teilte auf Nachfrage von MDR SACHSEN am Freitag mit, dass bereits seit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle die Schutzmaßnahmen angepasst wurden. Diese würden nach aktueller Lagebeurteilung einen ausreichenden Schutz gewährleisten.

Polizei beurteilt Lage

Die Sicherheitslage werde nach Angaben des Ministeriums aber beobachtet und Schutzmaßnahmen gegebenenfalls neu angepasst. Auf Grund der aktuellen Ereignisse habe man die Polizeidirektionen beauftragt, die Lageentwicklung bei der Planung und Durchführung der Objektschutzmaßnahmen zu beachten. So sind in Chemnitz nach MDR-Informationen mehr Polizeikräfte zum Schutz des Gebäudes vor Ort als üblich.

Keine Straftaten wie in Bonn oder Münster

Im Zusammenhang mit dem aktuell neu aufgeflammten Nahost-Konflikt sind laut Innenministerium bislang keine Straftaten in Sachsen bekannt geworden, die mit den Ereignissen im Bundesgebiet, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, vergleichbar sind. In der Nacht zum Mittwoch waren vor Synagogen in Münster und Bonn israelische Flaggen angezündet worden. In Gelsenkirchen stoppte die Polizei am Mittwochabend einen antisemitischen Demonstrationszug auf dem Weg zur Synagoge.

Eskalation in Israel

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich in den vergangenen Tagen neu entzündet. Ausgelöst wurde die jüngste Gewalt durch die drohende Zwangsräumung von rund 30 Palästinensern aus ihren Wohnungen in Ost-Jerusalem. Bei den folgenden Protesten starben zahlreiche Menschen. Militante Palästinenser feuerten nach Angaben der israelischen Armee seit Montag tausende Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel ab. Israels Luftwaffe habe ihrerseits Hunderte Ziele in dem abgeschotteten Küstengebiet attackiert.

Friedensgebet in Dresden

Im Zuge der aktuellen Ereignisse in Israel haben in Dresden geistliche Vertreter der drei abrahamitischen Religionen ein Gebet für den Frieden veranstaltet. Der Dresdner Rabbiner Akiva Weingarten sagte, als Zeichen der Verständigung und des friedlichen Zusammenlebens wolle man im Gebet für demokratische Grundwerte und gelebte Nächstenliebe einstehen.

Friedensgebet zum Nahos-Konflikt
Mehrere Religionsvertreter haben am Freitag in Dresden für Frieden in Jerusalem gebetet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neben dem Dresdner Rabbiner beteiligten sich unter anderem Alex Jacobowitz, Kantor der Jüdischen Gemeinde zu Görlitz, Albrecht Nollau, Superintendent Kirchenbezirk Dresden Nord, Christian Behr, Superintendent Kirchenbezirk Dresden Mitte, Saad Elgazar, Imam des Marwa Elsherbiny Kultur- und Bildungszentrum Dresden und der Dompfarrer der Kathedrale, Norbert Büchner, an dem Gebet.

Quelle: MDR/bj

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | In den Nachrichten | 14. Mai 2021 | 15:00 Uhr

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