Experte warnt Astrazeneca in Sachsen: Doch kein Impfstoff mehr für alle?

Alle Erwachsenen sollen sich nun beim Hausarzt mit Astrazeneca impfen lassen können, hieß es noch gestern. Damit sieht es kommende Woche aber schlecht aus, sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

AstraZeneca Corona Impfstoff. Der Impfstoff kann in normalen Kuehlschränken gelagert werden
Mit der Belieferung der Hausarztpraxen mit Astrazeneca sieht es nächste Woche düster aus. Bildrechte: imago/Pacific Press Agency

In Sachsen haben Hausarztpraxen diese Woche ca. 45.000 Dosen Vakzine des Impfstoffherstellers Astrazeneca erhalten. Während die Impfstoffdosen des Herstellers Biontech weiter nur nach den bekannten Prioritäts-Regeln geimpft werden dürfen, besteht diese Einschränkung für den Astrazeneca-Impfstoff nicht: Das Sozialministerium Sachsen hatte gestern die Aufhebung der Impfpriorisierung für dieses Vakzin verfügt.

Doch mit dem "Impfstoff für alle" könnte es schnell wieder vorbei sein. "Nächste Woche erhalten die Hausärzte in Sachsen Stand heute nur Biontech geliefert, kein Astrazeneca", erklärt Dr. Klaus Heckemann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

Hausärzte in Sachsen impfen seit dieser Woche mit Astrazeneca

Zwei Millionen Impfstoffdosen wurden diese Woche deutschlandweit verteilt, fünf Prozent davon (ca. 100.000) in Sachsen. Erstmals ging auch der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca an die Praxen. Nach Rücksprache mit ihren Patienten dürfen Hausärzte in Sachsen diesen Impfstoff jedem Impfwilligen spritzen – unabhängig von Alter und Risikogruppe.

Friedemann Schmidt
Friedemann Schmidt ist Apotheker und Vorsitzender der Sächsischen Landesapothekerkammer. Bildrechte: ABDA

Friedemann Schmidt, Präsident der sächsischen Landesapothekerkammer dazu: "Vorrausetzung ist, dass die Impfwilligen über die Risiken und Nebenwirkungen von ihrem Hausarzt aufgeklärt werden".

Theoretisch kann also jeder einen Termin bei seinem Hausarzt machen und nach der Aufklärung den Impfstoff erhalten. Der Impfstoff ist von der Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ab 18 Jahren zugelassen.

Impfstoff von Astrazeneca: Viele Dosen sind es nicht

Allerdings haben die Hausärzte nur in dieser Woche und nicht viel Astrazeneca-Impfstoff erhalten, maximal 50 Dosen im Schnitt, erläutert Friedemann Schmidt. In Sachsen hatte man sich zur Aufhebung der Impfpriorisierung bei diesem Vakzin entschlossen, erklärt er: "Astrazeneca wird nicht überall in erhofftem Maße von allen Impfberechtigten angenommen. Ziel ist es aber, den gelieferten Impfstoff so schnell wie möglich zu verabreichen. Dies wollen wir mit diesem Schritt sicherstellen. Dieser ist mit den Ärzteverbänden abgesprochen", teilte das Sozialministerium Sachsen auf Anfrage des MDR Gesundheitsmagazins "Hauptsache Gesund" mit.

Nach Informationen der Kassenärztlichen Vereinigung werden in den nächsten Wochen wieder nur Biontech-Impfdosen an die Hausärzte geliefert – wie auch schon in den vergangenen beiden Wochen. Also vermutlich bald kein Pieks mehr für jedermann in den sächsischen Arztpraxen, sondern wieder eine klare Priorisierung: "Für Biontech gilt nach wie vor: Nur Ü60-Jährige und andere Angehörige der Prioritäts-Gruppe 3 oder höher dürfen von Hausärzten dieses Vakzin gespritzt bekommen", betont Dr. Heckemann. Für alle anderen bleibt es also vorerst bei den 45.000 Impfdosen von Astrazeneca – und die dürften schnell vergriffen bzw. verimpft sein.

Umfassendes Aufklärungsgespräch hat nichts mit Haftungsfragen zu tun

Das umfassende Aufklärungsgespräch, das die Hausärzte mit jedem Impfwilligen führen, hat übrigens nichts damit zu tun, dass die Hausärzte im Fall von Astrazeneca für eventuelle Nebenwirkungen in der Haftung stehen – und sich deswegen absichern müssten. Friedemann Schmidt betont, "das ist ein ganz normaler Vorgang, wie bei 1.000 anderen medizinischen Behandlungen auch. Der Patient wird über das Risiko aufgeklärt und entscheidet dann selbst. Da die EMA den Impfstoff ab 18 Jahren zugelassen hat, haftet für jede Impfung eines Erwachsenen, wie bei allen anderen zugelassenen Impfungen übrigens auch, der Hersteller."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | HAUPTSACHE GESUND | 22. April 2021 | 21:00 Uhr