Corona-Impfung Lieferschwierigkeiten bei Biontech-Impfstoff in Sachsen

Lieferschwierigkeiten beim Biontech-Impfstoff erschwert in Sachsen den Alltag von Apotheken und Hausarztpraxen. Die Wartelisten sind lang und ab Montag hebt der Freistaat die Impriorisierung in den Praxen auf. Wer jetzt auf einen schnellen Impftermin hofft, könnte enttäuscht werden.

Covid-19 Eintrag in einem Impfpass nach Impfung mit Pfizer-Biontech Impfstoff
Sachsen hat im vergangenen Monat 28.000 Impfdosen der Firma Biontech zu wenig bekommen. Bildrechte: imago images/Martin Wagner

In Sachsen ist der Impfstoff von Biontech derzeit knapp. Rund 37.000 Impfdosen, die dem Freistaat zustünden, sind nicht geliefert worden, erklärte Gesundheitsministerin Petra Köpping MDR SACHSEN. Es habe Fehler beim Großhandel gegeben. Die fehlenden Impfdosen sollen jetzt nachgefordert werden, versicherte Köpping.

Angesichts der Aufhebung der Impfpriorisierung in Hausarztpraxen am 24. Mai bat die Ministerin die Bevölkerung zusätzlich um Geduld. Dass alle Impfwilligen auch schnell einen Termin bekommen, könne nicht sofort gewährleistet werden.

Lange Wartelisten

Dass nicht alle Menschen schnell geimpft werden können, liegt auch an den langen Wartelisten in den Praxen. "Sie sind lang, weil der Impfstoff nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht", meinte Erik Bodendieck von der Landesärztekammer Sachsen. Aber das sei nicht der einzige Grund für den Ansturm. Auf der anderen Seite müsse auch die grundsätzliche Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleistet werden. Das Impfen mit dem Tagesgeschäft in Einklang zu bringen, sei nicht immer einfach, so Bodendieck.

Zu wenig Biontech-Impfstoff - Freistaat will nachfordern

Noch mehr als die rund 2.000 Hausarztpraxen an den Impfungen zu beteiligen, löse das Problem aber auch nicht. "Dann gibt es noch weniger Impfstoff. Das, was bestellt wurde, ist nicht geliefert worden und musste quotiert werden", erklärte Bodendieck.

Apotheker: Frustrierende Situation

Dass die Liefersituation des Biontech-Impfstoffs schwierig ist, bestätigte auch Apotheker Uwe Räth aus Bockau bei Aue. "Wenn die Landesregierung die Priorisierung aufhebt, gehe ich doch davon aus, dass die Versorgung mit Impfdosen abgesichert ist. Es ist frustrierend wenn ich nach der Lieferung erkennen muss, dass nur Impfdosen für die Zweitimpfung geliefert wurden", sagte er MDR SACHSEN. Die Maßnahmen hätten besser koordiniert werden müssen, meint Räth. Einziger Lichtblick: Diese Woche sei zum ersten Mal eine vollständige Lieferung eingetroffen.

Trotz des derzeitigen Engpasses bei den Impfdosen sei es die richtige Entscheidung gewesen, die Priorisierung aufzuheben, sagte Bodendieck. Die Hausarztpraxen erhofften sich dadurch eine Verminderung der Bürokratie, wie das Schreiben von Attesten oder die Dokumentation von Bescheinigungen. "Das blockiert den Praxisablauf unnötig", so Bodendieck weiter.

Ab Juni doppelte Menge Impfstoff erwartet

Für Klaus Heckemann von Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen kommt die Aufhebung der Priorisierung etwas zu früh. "Eine Woche später wäre besser gewesen", so der Vorstandsvorsitzende. Aber durch die Entscheidungen von Bayern und Baden-Württemberg sei ein Zugzwang entstanden.

Heckemann rechnet damit, dass für die nächsten fünf bis sechs Wochen noch mit einer "deutlichen Diskrepanz zwischen Impfwunsch und Impfmöglichkeit" zu rechnen sein. Erst ab Juni soll dann die doppelte Impfstoffmenge zur Verfügung stehen, meint Heckemann.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 19. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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