Impfkampagne Keine Priorisierung mehr beim Impfportal Sachsen - Termine in wenigen Minuten vergeben

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Sachsen stagniert auf niedrigem Niveau. Das RKI gibt die 7-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner für Sachsen am Montag mit 26 an. Vom Wegfall der Impfreihenfolge verspricht sich die Landesregierung einen weiteren Rückgang. Dabei brauchen die Sachsen bei der Terminbuchung weiter Geduld. Der Impfstoff bleibt knapp, Sachsen bekommt im Juni sogar weniger Impfdosen als im Vormonat. Zwar erklärte sich das DRK für technisch gut vorbereitet, trotzdem waren Registrierung und Terminvereinbarung an lange Wartezeiten geknüpft.

Am Universitätsklinikum Leipzig bereiten Pharmaziestudentinnen in einer extra eingerichteten Impfambulanz aus einer Ampulle Impfstoff gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 von Biontech/Pfizer Spritzen für die Impfung von besonders gefährdetem medizinischen Personal vor
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Nach der Aufhebung der festen Impfreihenfolge in den sächsischen Impfzentren sind am Montag 6.237 neue Termine freigeschaltet worden. "Innerhalb weniger Minuten war bereits ein Großteil der Termine für die Erstimpfungen vergeben", sagte der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Sachsen, Kai Kranich. Es sei zwar nun leichter, sich zu registrieren, weil niemand mehr nachweisen müsse, welcher Prioritätengruppe er angehöre, es brauche wegen der begrenzten Impfstoffe jedoch auch Geduld.

In Sachsen können sich ab Montag alle Bürgerinnen und Bürger um einen Termin für eine Corona-Schutzimpfung bemühen. Der Freistaat hebt die Impfreihenfolge auf. Auch wer mindestens 14 Jahre alt ist, kann dann über das Buchungsportal einen Impftermin erhalten.

Dazu wird das Menü des Impfportals angepasst. "Am Montag um 8 Uhr wird das Portal so freigeschaltet, dass keine weitere Überprüfung der Priorisierung mehr erfolgt", sagte Kai Kranich, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Sachsen. Eine vorherige Registrierung am Wochenende sei aufgrund des festgelegten Termins nicht möglich, so Kranich.

Serverkapazitäten verdoppelt

Vor dieser Impffreigabe hat das DRK die Serverkapazitäten für das sächsische Impfportal verdoppelt. "Ab Mitte nächster Woche können bis zu 8.000 Menschen gleichzeitig auf dem Buchungsportal unterwegs sein", sagte Kranich.

Laut DRK werden die Termine dann wie gewohnt montags, mittwochs und freitags vergeben. Allerdings stünden im Juni nur 490.000 Impfdosen zur Verfügung, während es im Mai noch 600.000 Impfdosen gewesen seien, bedauert Kranich. "Die Kraft, die wir im Mai aufgebaut haben, um die Prozesse zu optimieren, können wir im Juni nicht auf die Straße bringen, weil wir nicht genügend Impfstoff bekommen."

DRK-Sprecher Kai Kranich im Interview

Bekommt Sachsen ausreichend Impfstoff?

De facto ist es so, dass wir im Mai 600.000 Impfdosen in den Impfzentren und mit den mobilen Teams verimpfen konnten. Aktueller Planungsstand ist der, dass wir für Juni nur 490.000 Impfdosen erwarten. Wir haben die Impfzentren weiter optimiert, die Kapazitäten ausgeweitet. Wir schaffen es, täglich über 20.000 Impfungen durchzuführen. In den Impfzentren waren wir mal angetreten mit 13.000 pro Tag. Also, wir haben sehr viel mehr Kapazität geschaffen durch Optimierung. Aber wir werden jetzt diese Kraft, die wir aufgebaut haben, im Juni wahrscheinlich nicht auf die Straße bringen, weil wir einfach nicht so viel Impfstoff bekommen, wie wir eigentlich verimpfen könnten.

Wie ist die Akzeptanz der verschiedenen Impfstoffe?

Die Akzeptanz des Impfstoffes des Herstellers von Astrazeneca ist nicht sehr hoch. Das merken wir. Die Termine, die wir mit dem Impfstoff reinstellen, gehen langsamer weg als die Termine mit dem mRNA-Impfstoffen. Das kann aber auch sehr verschiedene Gründe haben, denn wir dürfen zum Beispiel diesen Impfstoff von Astrazeneca nur dann verimpfen, wenn der Impfwillige tatsächlich ausdrücklich zustimmt während des Buchungsprozesses. Und er muss mindestens 40 Jahre alt sein. Das sind Regelungen, die wir bei den anderen Impfstoffen nicht haben. Insofern bin ich immer sehr vorsichtig, was die Akzeptanz betrifft.

Sind die Impfzentren und auch das Buchungsportal auf die Aufhebung der Priorisierung vorbereitet?

Ich glaube also, was wir aus logistischer Sicht machen können, das haben wir versucht umzusetzen. Wir haben jetzt die Serverkapazitäten erhöht, weil wir doch sehr viel Traffic auf der Seite hatten. Das dazu geführt, dass auch mal ein Server in die Knie gegangen ist. Das konnte zwar von anderen Servern aufgefangen werden, aber die Personen, die im Buchungsprozess waren, die flogen raus und mussten sich neu einwählen. Das ist nervig, das ist frustrierend. Also haben wir jetzt auch mit Unterstützung des Freistaates Sachsen die Serverkapazität verdoppelt, sodass ab Mitte nächster Woche auch viel, viel mehr Menschen - bis zu 8.000 - gleichzeitig auf dem Buchungsportal unterwegs sein können.

Was ändert sich bei der Terminvergabe?

Es ändert sich erst mal nicht sehr viel. Für die Menschen wird sich ändern, dass es einfacher ist, sich zu registrieren, weil eine Berechtigungsprüfung wegfällt. Das Gleiche fällt dann eben auch im Impfzentrum weg. Das heißt also, wir können die Prozesse weiter beschleunigen im Impfzentrum. Nichtsdestotrotz werden die Impfzentren deswegen ab Montag nicht überfüllt sein, denn wir haben einfach zu wenig Impfstoff, um die Kapazität wirklich auszureizen. Es wird also eher ein sehr ruhiger Start werden. Und wir bereiten uns sozusagen eher darauf vor, dass der Traffic und die Frustration an der Hotline und im Buchungsportal stattfinden.

Ab wann kann man sich registrieren lassen?

Wichtig ist, wenn die Priorisierung aufgehoben wird am Montag, dass dann auch erst die Registrierungen ermöglicht werden können. Am Montag um 8 Uhr wird das Impfportal freigeschaltet und so freigeschaltet, dass keine weitere Überprüfung der Priorisierung mehr erfolgt. Und um 12 Uhr werden wir neue Termine einstellen, Erst-Impftermine einstellen. Wie auch am Mittwoch um 8 Uhr und am Freitag um 18 Uhr.

Weniger Impfdosen – Enttäuschungen vorprogrammiert

"Es wird bei vielen zu Enttäuschung führen, wenn sie sich vergeblich um einen Impftermin bemühen", befürchtet Sachsens Sozialministerin Petra Köpping. Sie bat um Geduld. Auf die Lieferung des Impfstoffes habe Sachsen keinen Einfluss. Das DRK verimpfte in den vergangenen Wochen vor allem mRNA-Impfstoffe. Fast 80 Prozent der verabreichten Dosen kamen von BioNTech/Pfizer und Moderna, sagt DRK-Sprecher Kai Kranich.

2ter Covid-19 Eintrag in einem Impfpass bei medizienischem Personal mit Serumflasche.
In Sachsen wurden bislang vor allem Impfstoffe der Vakzin-Hersteller Biontech und Moderna verimpft. Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Mehr als 2,5 Millionen Impfdosen verabreicht

Vom Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson seien bislang nur wenige Dosen nach Sachsen geliefert worden. Die wurden für die Einsätze der mobilen Impfteams genutzt, berichtet Kranich. Unter anderem sind sie bei Sonderkampagnen im Erzgebirge und Mittelsachsen verimpft worden.

Im Freistaat wurden bisher mehr als 2,5 Millionen Impfdosen verabreicht. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind mehr als 908.000 Menschen bereits vollständig geimpft. Sachsen liegt damit mit einer Impfquote von 23,5 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 20,7 Prozent. Am Montag steigen auch die Betriebsärzte in die Impfkampagne ein. Damit gebe es nun einheitliche Regeln bei Haus- und Betriebsärzten sowie in den Impfzentren, betonte Köpping. Aus Sicht der Gesundheitsministerin wäre es mit Blick auf den knappen Impfstoff jedoch ratsamer gewesen, wenn der Bund noch zwei Wochen mit der Aufhebung der Priorisierung gewartet hätte.

Mit Aufhebung der Impfreihenfolge können sich Menschen unabhängig von Vorerkrankungen oder Beruf impfen lassen. In den Arztpraxen ist die Priorisierung in Sachsen bereits seit dem 24. Mai aufgehoben.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 07. Juni 2021 | 05:00 Uhr

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