Schifffahrt Elbe soll von Decin bis Hamburg für Güterverkehr ausgebaut werden

Wenn in den vergangenen Jahren in der Elbe Niedrigwasser herrschte, konnten Güterschiffe nicht immer fahren. Um diese Situation zu verbessern, soll die Elbe nun eine tiefere Fahrrinne erhalten. Allerdings regt sich gegen die von Deutschland und Tschechien vereinbarten Ausbaupläne Widerstand. Statt eines engen Korsetts fordern Umweltschützer mehr Raum für den Fluss.

Das Riesentankschiff " Spera " in Pirna auf der Elbe
Schiffe wie dieser Riesentanker sollen in Zukunft an deutlich mehr Tagen auf der Elbe fahren können. Bildrechte: Daniel Förster

Die Elbe soll auf ihrer gesamten Länge von Tschechien bis zur Nordsee für den Güterverkehr ausgebaut werden. Das sieht ein Abkommen vor, das Deutschland und Tschechien unterzeichnet haben. Federführend waren die beiden Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für die Bundesregierung und sein tschechischer Amtskollege Karel Havlicek. Sie hatten das Abkommen in einer gemeinsamen Videokonferenz abgesegnet.

Elbe soll 345 Tage im Jahr schiffbar sein

Die tschechische Seite macht sich seit mehreren Jahren dafür stark, die Bedingungen für den Güterverkehr auf der Elbe zu verbessern. Dabei geht es vor allem darum, verlässlich mehr schiffbare Tage zu gewährleisten. Für die Regulierung des Wasserstandes soll deshalb bei Decin eine neue Staustufe mit einer Fahrrinnentiefe von 2,30 Meter gebaut werden. Das sieht die Vereinbarung für die tschechische Seite vor. In Deutschland wurde eine Tiefe von 1,40 bis 1,60 Meter vereinbart, die das Minimum darstellt, um eine Güterschifffahrt auf der Elbe betreiben zu können. Ziel des Abkommens ist es, dass die Elbe an 345 Tagen von Decin bis Hamburg schiffbar ist. Der Bundestag und das Parlament in Prag müssen allerdings noch zustimmen.

Umweltschützer in großer Sorge

Auf beiden Seiten der Grenze machen Umweltschützer schon jetzt gegen das Vorhaben mobil. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) erklärte, Flüsse bräuchten mehr Raum statt ein enges Korsett. Der Schiffsverkehr dürfe bei den Planungen nicht in den Vordergrund gestellt werden. Der sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Bündnis 90/ Die Grünen) sprach von Realitätsverweigerung. Die Belange der Bundesländer und die Fachmeinung würden missachtet, teilte Günther via Twitter mit. Ähnlich äußerte sich die Bundestagsfraktion seiner Partei. Die tschechische Naturschutzorganisation Arnika bemängelte, das Abkommen führe zu "unwiederbringlichen Schäden an der Natur".

Quelle: MDR/tb/sth/epd/dpa/Radio Prague International

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 23. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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