Berufswunsch Kommissarin Ausbildung in "verdächtig guten Jobs" bei der Polizei Sachsen

"Verdächtig gute Jobs" verspricht die Polizei Sachsen Bewerbern. Kommissaranwärterin Melinda gibt Einblicke in ihren Ausbildungsalltag. Praktikumsbetreuer Maximilian Funke erklärt, welche Voraussetzungen man mitbringen muss.

Eine junge Polizistin 20 min
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Melinda studiert an der Hochschule der sächsischen Polizei und absolviert nun ein dreimonatiges Praktikum. "Kripo live" hat die angehende Polizistin zusammen mit ihren Ausbildern bei den ersten Einsätzen begleitet.

MDR+ So 26.06.2022 00:01Uhr 19:34 min

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Praxiserfahrungen aus der Ausbildung aus erster Hand

Mit den Worten "verdächtig gute Jobs" bewirbt die sächsische Polizei ihr Ausbildungs- und Studienprogramm für eine Polizeilaufbahn. Wählen können Bewerber und Bewerberinnen dabei zwischen einer zweieinhalbjährigen Berufsausbildung für den mittleren Dienst oder einem dualen dreijährigen Studium für den gehobenen Dienst. Doch empfinden auch die Polizeischüler und Polizeischülerinnen selbst ihre Ausbildung als "verdächtig gut"? Und welche Hürden müssen sie dabei bewältigen?

Darüber haben wir mit der 20-jährigen Melinda gesprochen. Sie studiert seit Oktober 2021 dual bei der Polizei Sachsen. Nach acht Monaten Theorieunterricht verbringt sie nun ihr erstes dreimonatiges Praktikum auf dem Polizeirevier Bautzen. Dort fuhr sie vor wenigen Tagen gemeinsam mit erfahrenen Polizisten ihre ersten Einsätze und wurde dabei mit Situationen konfrontiert, die sie bisher nur aus der Theorie kannte. Wie war sie durch die Theorie auf den tatsächlichen Berufsalltag bei der Polizei vorbereitet? Welche Herausforderungen gab es bei der Bewerbung und während des Studiums bis jetzt zu meistern?

Polizeikommissar Maximilian Funke gibt Einblicke aus der Sicht des Ausbildungsbetriebs. Er ist der Praxisbetreuer der Praktikanten und Praktikantinnen des Polizeireviers Bautzen. Er erklärt, was den Beruf vor allem für junge Leute attraktiv macht und welche Charakterzüge und Voraussetzungen für die Polizeilaufbahn von Vorteil sind.  

Melinda (20): erste Einsätze als angehende Kommissarin

Heute war der zweite Tag auf dem Polizeirevier für Dich. Was hat Dich vor Ort fasziniert?

Melinda: Ich fand es super spannend. Es war sehr interessant, welche Aufträge tatsächlich reingekommen sind und wie die sich in der Art auch unterschieden haben. Es ging vom Verkehrsunfall, über Verkehrskontrollen, zu einer gefährlichen Körperverletzung, was nochmal zeigt, wie aufregend der Beruf sein kann und wie weit gefächert das ist. Es ist das Gesamtpaket, was mich fasziniert an der Polizei: auf verschiedene Einsätze zu fahren, Leute kennenzulernen, mit den Bürgern in Kontakt zu kommen. Zu verstehen, wie die Polizei funktioniert, zu merken, dass ich mich auf meine Kollegen verlassen kann. Ich freue mich auf das Feedback, was ich von meinen Praktikumsbetreuern bekomme und kann nur Positives erzählen.

Polizeischülerin an Messgerät
Melina hat schon an den ersten zwei Einsatztagen viele Bereiche kennengelernt, darunter auch die Verkehrskontrolle. Bildrechte: Kripo Live

Es gab viele Einsätze, was war die schwierigste Situation dabei?

Melinda: Schwierige Situation würde ich das nicht direkt bezeichnen, aber natürlich die richtigen Worte zu finden vor dem Bürger, da muss man sich erstmal reinfitzen. Man muss schauen, wie man was formuliert, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Aber man lernt dazu, die Routine wird einiges mit sich bringen.

War es so, wie Du es Dir in der Praxis vorgestellt hast?

Melinda: Ich bin ziemlich offen an das jetzige Praktikum rangegangen, dementsprechend auch an die ersten zwei Tage. Auf jeden Fall ist es, wie erwartet, sehr aufregend, super interessant. Und da wir so komplexe Fälle bearbeiten konnten und in den ersten zwei Tagen viele Einblicke gewinnen konnten, viele Erfahrung sammeln durften, sind die Erwartungen auf jeden Fall erfüllt.

Wie gut hat Dich die Theorie, dein Studium, bisher darauf vorbereitet?

Melinda: Dafür, dass wir erst acht Monate studiert haben, empfinde ich das Studium als sehr gute Grundlage fürs erste Grundpraktikum. Wir haben schon eine relativ weitgefächerte Ausbildung genossen, hatten Einsatztraining, Schießtraining, einige rechtliche Fächer, die uns definitiv weiterbringen. Vor allem die Verkehrsaufnahmen haben wir sehr gut und sehr ausführlich geübt. Dementsprechend sind wir gut vorbereitet. Natürlich bin ich gespannt, was ich noch Neues lernen kann, wie es in der Realität sein wird, aber jetzt bezogen auf die ersten zwei Tage, ist es sehr ähnlich.

Welche Voraussetzungen musstest Du erfüllen, um das Studium zu bekommen?

Melinda: Ich bin bei der Laubahngruppe 2.1., studiere also bei der Polizei für den gehobenen Dienst. Voraussetzung ist hier das Abitur. Dann muss ein Einstellungstest absolviert werden, bei dem verschiedene Mindestleistungen zu erreichen sind. Bei mir war es ein Sporttest, der aus einem Ausdauerlauf besteht, einem Koordinationstest und Liegestütze. Danach kommen ein Computertest, ein psychologisches Gespräch, Gruppengespräche und letztlich noch ein Arzttest, den man bestehen muss, um sich dann für das Studium zu bewerben. Das steht aber auch nochmal alles auf der Website der Polizei Sachsen. Sportlich sollte man also schon sein und natürlich weltoffen.

Der Beruf der Polizistin hat natürlich auch seine Schattenseiten, weil man vielleicht auch selbst in Gefahr gerät. Wie gehst Du damit um?

Melinda: Natürlich weiß man nicht, welche Situation auf einen zukommen wird. Man kann nichts absehen, da jeder Einsatz neu ist, da wir nicht wissen, was jetzt passieren wird. Wir können die Lage einfach nicht hundertprozentig einschätzen. Aber da wir schon im Studium im ersten Jahr ziemlich gut darauf vorbereitet wurden, uns gegenseitig zu sichern, unseren Teampartner, gehe ich davon aus, dass wir relativ sicher sind. Natürlich mache ich mir Gedanken, oder habe ich mir Gedanken gemacht, auf welche Situationen ich stoßen könnte. Wann es zum Beispiel zu einem Schusseinsatz kommen könnte, was ja an sich ein ziemlich intensives Thema ist und auch psychologische Effekte noch mit sich führt. Aber ja, wir werden gut darauf vorbereitet.

Denkst Du, dass man emotinal schwierige Geschehnisse mit nach Hause nimmt? Wie geht Ihr damit um?

Melinda: Aus der Position, in der ich jetzt bin, würde ich schon sagen, dass man mit verschiedenen Situation umgehen lernt. Ich schätze, wenn es intensive, fordernde Einsätze sind, die vielleicht auch eskaliert sind, nimmt man es sicherlich mit nach Hause. Aber das wird die Zeit mit sich bringen und man wird immer dazu lernen.

Worauf freust Du Dich in Deinem beruflichen Alltag in der Polizei?

Melinda: Ich möchte einen erfüllenden Job haben, in dem ich mich wohl fühle, in dem ich anderen helfen kann und auf ein kollegiales Umfeld bauen kann.

Maximilian Funke (Praktikumsbetreuer): über attraktive Berufe mit guten Verdienstaussichten

Welche Voraussetzungen sollte man für einen Beruf bei der Polizei mitbringen?

Maximilian Funke: Selbständiges Denken, Flexibilität. In der heutigen Zeit ist es natürlich auch wichtig, sich bewusst zu sein, was das bedeutet, Polizist zu sein. Man verkörpert nicht nur sich selber. Man verkörpert auch den Freistaat Sachsen oder die Polizei in Deutschland. Man muss natürlich die freiheitliche demokratische Grundordnung beschützen wollen, ein Demokratieverständnis haben. Man sollte weltoffen sein und dann klappt das schon.

Wie läuft die Grundausbildung ab? Was gibt es für Unterschiede bei den verschiedenen Polizeiberufen?

Maximilian Funke: Es gibt zum einen den mittleren Dienst oder andersherum die Laufbahn Gruppe 1.2, ehemals mittlerer Dienst. Das sind dann die Polizeimeister, Polizeiobermeister. Das ist eine ganz normale Ausbildung, drei Jahre geht das. Da wird man im Streifendienst oder vermehrt auch in der Bereitschaftspolizei eingesetzt.

Und dann gibt es den gehobenen Dienst, dafür sind Abitur oder Fachabitur die Voraussetzung. Das erste Ausbildungsjahr ist in Bautzen. Da durchläuft man das Grundstudium inklusive des ersten Praktikums. Daraufhin beginnt das zweijährige Hauptstudium in Rothenburg, wo auch noch ein zweites Praktikum folgt. Wenn der Bachelor abgeschlossen ist, ist man dann Polizeikommissar und wird dann auch bei der Hundertschaft oder eben vermehrt im Streifendienst eingesetzt.

Polizeischülerin angeschnallt als Beifahrerin im Auto
Hier geht es für Melina und Maximilian Funke zum nächsten Einsatz. Bildrechte: Kripo Live

Wie attraktiv ist der Beruf Polizist Ihrer Meinung nach heute?

Maximilian Funke: Ganz einfach gesagt, sehr attraktiv. Wir haben einen sehr modernen und guten Arbeitsgeber. Man verdient natürlich auch gutes Geld. Aber vor allem haben wir gute Arbeitsbedingungen. Die Vereinbarung von Familie und Beruf wird groß geschrieben. Wir haben eine gute Ausrüstung, nette Kollegen und spannende Aufträge.

Es gibt Medienberichten zufolge aber nicht genügend Bewerber. Woran könnte das liegen, auch mit Blick auf Sachsen?

Maximilian Funke: Es kann natürlich sein, dass wir in Sachsen jetzt nicht die großen Metropolen haben – außer vielleicht Chemnitz, Leipzig und Dresden. Das ist vielleicht ein Grund. Weil die jüngeren Leute schon nach Berlin möchten, nach Hamburg, nach München. Ansonsten fällt mir persönlich gar keiner ein. Also, ich kann das nicht verstehen. Ich war vorher in Berlin gewesen und bin gerne zurückgekommen nach Sachsen und finde das super.

Wir haben natürlich die Aufgabe zu lösen, dass wir viele Bewerber benötigen und viele Personen einstellen müssen. Wir brauchen gute Leute, wir wollen natürlich nicht in der Qualität Federn lassen. Deswegen ist es aktuell so, dass da ein gutes Gleichgewicht herrscht, zwischen viele Bewerber stemmen und zum anderen aber auch die guten rauspicken. Das machen wir aber ganz gut, mit unserem Auswahlverfahren.

Polizeischülerin auf Streife mit Kollegen
Praktikumsbetreuer Maximilian Funke ist von Melinas Engagement begeistert. Bildrechte: Kripo Live

Haben sich das Auswahlverfahren und die Eignungstest in den letzten Jahren verändert? Kann man sich vorbereiten?

Maximilian Funke: Es hat sich angepasst. Wir brauchen zum einen die Vielzahl an Bewerbern und zum anderen wurde ein hochprofessionelles Assessment-Center gegründet oder beziehungsweise kreiert. Das ist ein PC-Test, der sehr komplex ist. Aber man versucht natürlich, alle gesellschaftlich-politischen Themen da auch aufzugreifen – also nicht nur Allgemeinwissen wie Mathe und Deutsch, sondern auch politische Fragen und das logische Denken. Auch die sportlichen Voraussetzungen wurden angepasst, damit man den Herausforderungen später im Beruf Herr wird.

Mit Vorbereitung kann man alles schaffen. Es gibt für alle Bereiche Einstellungstest-Bücher zu kaufen. Dort gibt es auch Einblicke in die verschiedenen PC-Tests. Den Abschluss bildet dann ein Gespräch in Leipzig, wo man seine sozialen Kompetenzen zeigt oder zeigen sollte. Ich weiß aus Erfahrung, das führen erfahrene Polizisten durch, die sehr entspannt sind und das auch super machen. Und auch auf den Sporttest kann man sich vorbereiten.

Wie dringend wird Nachwuchs gebraucht. Und warum ist das so?

Maximilian Funke: Ich kann aus Erfahrungen berichten, dass in allen Bereichen Nachwuchs gebraucht wird, ob es der Streifendienst ist, der Kriminaldienst, die Wasserschutzpolizei, die Hundertschaften, in allen Bereichen. Wir brauchen junge, motivierte Kollegen und die Polizei und auch die Beamten und Kollegen freuen sich auf euch. Und warum ist das so? Es ist so, dass viele jetzt in den nächsten Jahren in Pension gehen und das von der Altersstruktur her natürlich dann auch viele Stellen frei sind. Viele Stellen sind noch gar nicht besetzt in allen Laufbahnen, im mittleren und gehobenen Dienst, auch im höheren Dienst. Demzufolge werden in allen Bereichen auch Personen gebraucht.

Welche Maßnahmen wurden in den letzten Jahren ergriffen, um den Beruf als Polizistin und Polizist attraktiver zu gestalten?

Maximilian Funke: Wir haben uns technisch und von der Ausrüstung her angepasst. Wir haben sehr gute Fahrzeuge und gute Einsatzmittel – eine wichtige Einsatzgrundlage. Das Gehalt wurde angepasst. Sie wissen, wie die wirtschaftliche Lage ist. Die sächsische Polizei ist da sehr gut aufgestellt. Wir hatten schon immer die freie Heilfürsorge. Man ist da abgesichert und muss sich im finanziellen Bereich keine Gedanken machen. Und die Behörde hat sich eingestellt, moderner zu sein, moderner zu agieren. Es gibt mehr Möglichkeiten. Das Studium, der Aufbau, wurde optimiert und auch die Ausbildungen. Wir haben alle Ausbildungsstätten modernisiert, auch das Studium und die Kantinen. Es wurde alles so modern gestaltet, dass die jungen Leute perfekte Bedingungen haben, zum Studium und zur Ausbildung.

Warum würden Sie persönlich eine berufliche Laufbahn bei der Polizei empfehlen?

Maximilian Funke: Zum einen, weil man jeden Tag was Neues erleben kann, junge und gute Kollegen hat, Sicherheit nicht nur finanziell haben möchte, sondern auch für die spätere Zukunft. Das heißt, eine Pension und so auch einen gewissen Lebensstandard aufrecht erhalten – dann ist der Polizeiberuf das Beste.

Die Interviews führte Anne-Sophie Golle.

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