Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Nossen war einst wichtiger Eisenbahnknoten. Inzwischen sorgen nur noch private Bahnunternehmen und die Traditionseisenbahner für gelegentliche Güter-und Sonderzüge. Bildrechte: IG Dampflok Nossen

SaisonstartNostalgie-Eisenbahner in Sachsen wollen wieder Volldampf geben

von Lars Müller, MDR SACHSEN

Stand: 19. März 2022, 07:00 Uhr

Fauchende Dampfrösser und historische Waggons, in denen sich die Fenster noch öffnen lassen - in den kommenden Wochen starten viele sächsische Traditionsbahn-Vereine in Sachsen wieder in die Saison und entführen Klein und Groß in eine Zeit, in der die Eisenbahn noch zuverlässig bei jedem Wetter fuhr. Nach zwei Jahren Corona-Pause hoffen die Vereine, dass das Interesse der Bahnfans ungebrochen ist. Gerade am Osterwochenende gibt es bei vielen Ausflügen Überraschungen für Kinder.

Seit zwei Jahren sind die Sonderzüge mit Dampflokomotiven von den Gleisen in Sachsen nahezu verschwunden. Immer neue Corona-Regelungen haben den Traditionsbahnvereinen zu schaffen gemacht. Am Anfang der Pandemie mussten Fahrten abgesagt und Fahrkarten erstattet oder in Gutscheine umgewandelt werden. Für später geplante Fahrten, etwa in der Adventszeit 2020 oder 2021, wurden gar keine Fahrkarten erst verkauft. Nun soll es aber losgehen. "Wir hoffen, dass nichts mehr dazwischen kommt", sagt Andreas Rost von der Interessengemeinschaft Dampflok Nossen - wohlwissend der aktuellen Corona-Inzidenzen.

Karfreitag und Karsamstag sollen wieder Dampfzüge vor der Kulisse von Meißen über die Elbe rollen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Gute Nachfrage nach Osterrundfahrt-Tickets

Die Nachfrage nach der angekündigten Oster-Rundfahrt am Karfreitag sei groß, sagt Rost. Die Leute sehnten sich nach Ausflügen. Und Dampfloks seien für viele Menschen jeden Alters noch immer faszinierend. Jeder kenne wohl die Bilder, wie de Enkel auf den Schultern des Opas sitze und mit offenem Mund und großen Augen ein schnaufendes Dampfross am Bahnsteig bestaune.

Ferkeltaxi aus Löbau auf vorläufiger Abschlussfahrt

Alfred Simm von den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden in Löbau sagt, es sei nach Corona schwierig, das Vereinsleben wieder in Fahrt zu bekommen. Dennoch wollen die Oberlausitzer starten und schon vor Ostern mit ihrem Nahverkehrstriebwagen - auch als Ferkeltaxi bekannt - durch die Oberlausitz rollen.

Das Löbauer Ferkeltaxi geht auf seine vorläufige Abschiedsfahrt. Im Foto (re.) ist es auf einer Bergwerksbahn in der Lausitz zu Gast. Bildrechte: Osef

Diese Nostalgiezug-Fahrten sind im April geplant

  • seit 13. März: Der Förderverein Obervogtländische Eisenbahn fährt an jedem zweiten Sonntag im Monat mit einem Ferkeltaxi zwischen Adorf und Zwotental. Am 17. April gibt es ein Osterfest am Bahnhof Gunzen.
  • ab 2. April: Die Wisentatalbahn bietet ab Anfang April an ausgewählten Wochenendtagen wieder Sonderfahrten in historischen Schienenbussen zwischen Schönberg im Vogtland und Schleiz an.
  • 2. April: Ein "Brauerei-Express" der Interessengemeinschaft Traditionslokomotive 58 3047 startet mit Dampflok 35 1097 von Glauchau über Zwickau, Reichenbach, Plauen und Hof nach Kulmbach, in die Hauptstadt des fränkischen Biers. Es besteht auch die Möglichkeit des Besuchs des bekannten Deutschen Dampflokmuseums in Neuenmarkt-Wirsberg mit Fahrt über die legendäre Schiefe Ebene.

Im Jahr 2011 war der Schwarzenberger Nostalgiezug mit Osterschmuck unterwegs und durchfährt auf der Heimreise den Haltepunkt Wiesenburg im Landkreis Zwickau. Bildrechte: MDR/L. Müller


  • 9. April: Rundfahrt durch die Oberlausitz mit einem Schienenbus der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde Löbau: Das Ferkeltaxi des Vereins hat Fristablauf und darf ab Mitte April vorerst nicht mehr auf DB-Gleisen fahren. Eine Revison kann sich der Verein derzeit nicht leisten. Zum vorläufigen Abschied geht es auf ein 450-Kilometer-Tour von Löbau über Ebersbach, Neukirch West und Bischofswerda zunächst nach Görlitz. Weiter geht die Ausfahrt nach Niesky, Knappenrode, Graustein und Weißwasser zurück nach Görlitz und Löbau. Motto: "Der Weg ist das Ziel", unterwegs sind Fotostopps geplant.
  • 9. April:  Große Erzgebirgsrunde in die böhmische Königsstadt Zatec (Saaz) der Pressnitztal GmbH (Press) mit Schnellzugdampflok 01 0509: Dieser Zug ist ausverkauft, kann aber noch für Fotografen auf seiner Fahrt von Reichenbach/Vogtland über Zwickau, Glauchau, Chemnitz, Freiberg, Dresden und Bad Schandau interessant sein. Die Rückfahrt führt über Bad Brambach, damit geht es einmal komplett ums Erzgebirge.

Die Schnellzuglok der Press ist immer ein Hingucker, wenn sie mit Sonderzügen unterwegs ist. Oft kommen viele Fotografen an die Strecke. Bildrechte: MDR/L. Müller

  • 15. April: Rundfahrt der Interessengemeinschaft Dampflok Nossen von Nossen über Meißen und Cossebaude (ohne Planhalt) bis Dresden-Neustadt, dann zurück über Radebeul (ohne Planhalt) bis Meißen und Miltitz-Roitzschen. Dort überrascht der Osthase die kleinen Fahrgäste, bevor es zurück mit viel Dampf hinauf nach Deutschenbora und Nossen geht. Gezogen wird der Sonderzug von der Dampflok 50 3610.
  • 15. April: Die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde Löbau planen eine Rundfahrt von Löbau über Bautzen und Bischofswerda mit ihrer vereinseigenen Dampflok 52 8141. Diese weilte zuletzt im Dampflokwerk Meiningen zur Aufarbeitung und soll nach mehreren Nacharbeiten am 14. April abends wieder nach Löbau zurückkehren. Deshalb bleibt diese Fahrt unter dem Vorbehalt der rechtzeitigen Rückkehr der Lok.
  • 16. April: Der Verein Nostalgiezugreisen Lipsia hat die Karsamstag mit derselben Lok geplante Fahrt von Nossen über Meißen, Radebeul-Ost, Dresden und Tharandt in das Sächsische Eisenbahn Museum Chemnitz-Hilbersdorf abgesagt. Der Verein plant nun seine nächste Fahrt im August von Dresden zur Hansesail nach Warnemünde.
  • 16. April: Der Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde aus Schwarzenberg fährt über Aue, Hartenstein und Zwickau nach Lichtenstein zur Miniwelt. Während die Fahrgäste den Miniaturpark mit bekannten Bauwerken aus der ganzen Welt erkunden, will der Verein mit seinem Nostalgiezug für interessierte Bahnfans eine Zwischentour hinauf nach Stollberg und zurück einlegen.
  • 16. April: Der Verein Sächsisches Eisenbahnmuseum Chemnitz plant Ostern gleich zwei Ausflugsfahrten. Die Tour am Sonnabend von Chemnitz nach Scharfenstein und Wolkenstein ist bereits ausverkauft, aber mit dem vereinseigenen Dampfross 50 3648 für Fotografen noch interessant.
  • 17. April: Für Ostersonntag hat der Chemnitzer Verein einen Tagesausflug für die ganze Familie geplant. Eine "50er" zieht den Zug unter dem Motto "Mit Teddybär und Osterhase nach Radebeul". Die Route ist als Rundfahrt angelegt: Chemnitz - Döbeln - Nossen - Radebeul - Dresden-Neustadt - Freiberg - Chemnitz mit dem für Dampfloks herausfordernden Aufstieg über die Tharandter Rampe. In Radebeul sind Ausflüge mit dem Lößnitzdackel nach Moritzburg oder eine Weinverkostung auf Schloss Wackerbarth buchbar.

Am Osterwochenende gibt es wieder viele Gelegenheiten, große Dampfloks aus nächster Nähe zu bestaunen. Bildrechte: MDR/L. Müller

  • 17. April: Der Hobbyeisenbahner Jürgen Lohs, der Förderverein Obervogtländische Eisenbahn und die Interessengemeinschaft Traditionslokomotive 58 3047 aus Glauchau organisieren zwei Vogtland-Rundfahrten ab Falkenstein, die eigentlich immer im Advent als Lichterfahrten stattfanden. Wegen Corona in den vergangenen beiden Jahren soll nun zu Ostern mit der 35 1097 Dampf gemacht werden.

  • 23. April: Die Geraer Eisenbahnwelten und das Eisenbahnmuseum Bayerischer Bahnhof zu Leipzig fahren mit einer Diesellok sowjetischer Bauart einen "Frühlings-Express" von Leipzig-Plagwitz über Zeitz, Gera, Gößnitz, Freital-Hainsberg, Dresden-Neustadt und Radebeul Ost bis Coswig und wieder zurück.
  • 30. April: Der Lausitzer Dampflok-Club aus Cottbus dampft nach Česká Lípa (Böhmisch Leipa). In Sachsen kann in Bischofswerda und Dresden-Neustadt zugestiegen werden. Ab Dresden soll die Dampflok 50 3648 den Zug ziehen, in Tschechien die 464.202 ("Rosnicka"). Vor Ort sind verschiedene Ausflüge und Besichtigungen buchbar.

Museumsbahnen auf schmaler Spur heizen ihre Dampfloks an

Auf den sächsischen Schmalspurbahnen sind inzwischen wieder erste Sonderzüge im Einsatz. Zudem gibt es auch in einigen planmäßigen Zügen auf der Lößnitzgrundbahn, der Weißeritztalbahn und der Zittauer Schmalspurbahn Osterüberraschungen für Kinder.

  • So plant die Verein Traditionsbahn Radebeul, an drei Tagen von 16. bis 18. April zweimal täglich einen "Osterhasenexpress" von Radebeul Ost nach Bärnsdorf zur Ostereierwiese anzubieten. Der Osterhase und das Maskottchen Lößnitzdackel begleiten die Fahrgäste und zeigen den Kindern, wo Ostereier zu finden sind. Zum Einsatz kommen voraussichtlich die beiden grünen Loks des Typs IV K Nr. 132 und Nr. 176 der ehemaligen Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen vor einem gemischten Zug mit Wagen aus verschiedenen Epochen sächsischer Schmalspurbahn-Geschichte.

Der Traditionszug Radebeul soll mit zwei historischen Loks unterwegs sein. Bildrechte: Traditionsbahn Radebeul

"Maxi Möhre" geht mit Kids auf Ostereiersuche

  • Vom 15. bis 18. April sind auf der Weißeritztalbahn nach Angaben des dortigen Traditionsbahnvereins Sonderzüge zwischen Freital-Hainsberg und Kurort Kipsdorf unterwegs, am 18. April geht Maxi Möhre mit den Kids auf Ostereiersuche.
  • Am 25. und 26. März fahren auf dem "Wilder Robert" zwischen Oschatz-Süd und Mügeln/Glossen/Kemmlitz Dampfsonderzüge auf der Strecke.

Die "Tradibahner" vom "Wilden Robert" heizen ihre Dampflok schon am letzten März-Wochenende an. Bildrechte: MDR/L. Müller

  • Am 9., 10., 15., 16., 17. und 18. April sind auf der Zittauer Schmalspurbahn zusätzliche Züge unterwegs, darunter eine historische Reichsbahn-Garnitur.
  • Die Muskauer Waldeisenbahn startet vom 15. bis 18. April mit Dampfzügen in die Saison 2022.
  • Am 19. und 20. März wird auf der Pressnitztalbahn zwischen Jöhstadt und Steinbach das Jubiläum 95 Jahre Dampflok VI K 99 715 mit Sonderzügen gefeiert. Und vom 15. bis 18. April steht Ostdampf im Stundentakt im Fahrplan der Museumseisenbahner.
  • Auf der Museumsbahn Schönheide - Stützengrün an der Grenze zwischen Erzgebirge und Vogtland wird die Dampflok am 19. und 20. März für "Teddybärfahrten" und am 17. und 18. April für die Osterfahrten angeheizt. Die knapp vier Kilometer lange Strecke war einst Bestandteil von Sachsens erster, längster und steilster Schmalspurbahn, die auf 42 Kilometern von Wilkau-Haßlau nach Carlsfeld führte.
  • In der Sächsischen Schweiz wird das 125. Jubiläum der ehemaligen Strecke Kohlmühle - Hohnstein gefeiert. Am 30. April und 1. Mai sind Dampfzugfahrten zwischen Lohsdorf und der Haltestelle "Böhmische Glasstraße" mit der Lok 99 608 geplant.

Parkbahnen stellen Signale auf Grün

Wer es auf ganz schmaler Spur seine Runden drehen will, ist bei den Parkeisenbahnen - den früheren Pioniereisenbahnen - gut aufgehoben.

In Chemnitz startet die Parkeisenbahn offiziell am 31. März in die Saison.
Bei der Parkeisenbahn Plauen soll ab 2. April der Fahrbetrieb wieder beginnen.
Die Parkeisenbahn im Großen Garten in Dresden dreht voraussichtlich ab dem zweiten April-Wochenende ihre Runden. Vorerst ist nur eingeschränkter Betrieb möglich. Es gebe Personalprobleme, teilte Schlösserland Sachsen mit.
In Leipzig wird der Startbeginn der Parkeisenbahn Auensee noch nicht bekannt, teilten die Betreiber unter Verweis auf Corona auf ihrer Internetseite mit.

Fahrten finden nur bei Kostendeckung statt

Die Vereine können Sonderfahrten immer nur anbieten, wenn im Vorfeld ausreichend Fahrkarten verkauft werden. Mit dem Geld werden Trassen - also die DB-Gleise - gebucht und gegebenenfalls Fahrzeuge angemietet. Die Betreuung der Fahrgäste erfolgt üblicherweise ehrenamtlich.

Hinweis: Die Überblick erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Kurzfristige Änderungen durch die Vereine sind jederzeit möglich.

MDR (lam)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus Dresden | 16. März 2022 | 09:30 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen