Schienenverkehr Entscheidung über Reaktivierung sächsischer Bahnstrecken naht

Weil immer weniger Menschen die Bahn benutzten, sind in den 1990er-Jahren zahlreiche Bahnstrecken in Sachsen stillgelegt worden. Mittlerweile herrscht in einigen Orten Bedauern darüber, vom Schienenverkehr abgehängt zu sein. Verschiedene Initiativen kämpfen für eine Reaktivierung der Zugverbindungen. Und während die Chancen dafür lange Zeit schlecht standen, hat sich der Wind inzwischen gedreht. In Kürze will Verkehrsminister Martin Dulig bekanntgeben, wer sich Hoffnung machen darf.

Gleise einer stillgelegten Bahnstrecke
In wenigen Wochen wird sich zeigen, auf welchen stillgelegten Strecken in Sachsen wieder Züge fahren werden. Bildrechte: imago/Jürgen Eis

Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) erwartet in Kürze eine Entscheidung darüber, welche stillgelegten Bahnstrecken im Freistaat für eine Reaktivierung infrage kommen. Dulig sagte MDR SACHSEN, man habe 20 Strecken im Auge. Die Abstimmungen mit der Bahn würden in den kommenden zwei bis drei Wochen soweit vorangetrieben, dass man dann konkrete Strecken benennen könne.

Wirtschaftlichkeit im Vordergrund

Die Deutsche Bahn hatte in dieser Woche angekündigt, bundesweit stillgelegte Strecken wieder in Betrieb zu nehmen. Nach Konzernangaben geht es um rund 1.300 Kilometer, bei denen sich dies lohne. Auch Martin Dulig betonte, dass die Entscheidung nur nach objektiven Kriterien getroffen werden könne und nicht nach regionalen oder politischen Interessen.

Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, steht während eines Pressestatements vor dem Sächsischen Landtag.
Bildrechte: dpa

Die Reaktivierung hängt davon ab, ob sich eine Bahnstreck wirtschaftlich trägt, ob es genügend Fahrgäste und einen Betreiber gibt.

Martin Dulig Sächsischer Verkehrsminister

Ziel bleibe, 80 Prozent der Bevölkerung in Sachsen ein Nahverkehrsangebot zu machen, so Dulig.

Minister will auch Plusbus-System ausbauen

Allerdings betonte der Verkehrsminister auch, dass er nicht ausschließlich auf den Schienenverkehr schaue, sondern einen umfassenden Ansatz im Blick habe. "Wir wollen sicherlich mehr Bahnstrecken aktivieren, aber es geht auch generell darum, wie wir den Nahverkehr stärken können." Man habe bewusst das Plusbus-System aufgebaut und möchte dies in den nächsten Jahren komplett ausrollen, erläuterte Dulig seine Zielstellung.

Verbände wollen Strecke Meißen - Döbeln reaktivieren

Die Diskussion um die Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken läuft in Sachsen schon seit einigen Jahren. In der Vergangenheit hatten unter anderem der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz Pro Schiene gefordert, bestimmte stillgelegte Eisenbahnstrecken in Sachsen zu reaktivieren. In einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie waren die 39 Kilometer lange Verbindung zwischen Meißen-Triebischtal und Döbeln sowie der zwei Kilometer lange Abschnitt zwischen Seifhennersorf und dem tschechischen Varnsdorf aufgeführt worden.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 26. Juni 2021 | 12:00 Uhr

5 Kommentare

Ritter Runkel vor 22 Wochen

Ob das überall auf Gegenliebe stößt, ist die andere Sache, zum Beispiel in Sachsen-Anhalt in Sandersdorf gab es Proteste, dass eine alte Bahnstrecke von Bitterfeld (Anschluss ans Fernverkehrsnetz) über Sandersdorf in eine neue Papierfabrik in Betrieb genommen wird es sollte lieber eine reine Industrieanbindung sein ohne Ortsanschluss, obwohl es eine Zusage gibt, auch wieder Personenverkehr da hinzubringen, es haben halt welche an der alten Bahnstrecke gebaut, die sich jetzt vom neuen Zugverkehr belästigt fühlen.

Ritter Runkel vor 22 Wochen

Der mühevolle Aktivismus für die Reaktivierung von Bahnstrecken zeigt mal wieder, dass Deutschland nicht im Ansatz so grün ist, wie es manche Deutsche (Politiker*innen) gerne darstellen. 20 Jahre sind ein Armutszeugnis angesichts angeblich befürworteter Verkehrswende. Da gibt es sicher viele weitere Beispiele.

Ritter Runkel vor 22 Wochen

Es sollte dem Letzten klar werden, dass der Privatisierungswahn für wichtige öffentliche Bereiche ein Irrweg ist, der uns aber immer als alternativlos verkauft wurde.
Es sind letztendlich gezielte Steuergeldverschleuderungen an einen bestimmten (kleinen) Personenkreis mit gleichzeitiger Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Gehälter für die Angestellten oder Scheinselbstständigne z. B. Post.
Meistens wird der Service auch noch schlechter als zuvor.
Privatisierte Infrastruktur (Bahn, Straße, Wasser), Rente und ja, auch der Dualismus GKV/PKV sind Mist.

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