Tarifkonflikt Lokführerstreik: Auch am Dienstag Zugausfälle der Bahn in Sachsen

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen legen die in der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer organisierten Eisenbahner ihre Arbeit nieder. Während der Streik im Güterverkehr schon am Sonnabend begonnen hatte, ist auch der Personenverkehr seit Montag betroffen. Für Pendler und für Fernreisende gibt es auch am Dienstag noch zahlreiche Einschränkungen.

Streik bei der Deutsche Bahn
Wer auf DB-Züge angewiesen ist, muss sich aktuell auf zahlreiche Ausfälle einstellen. Bildrechte: imago images/Michael Gstettenbauer

Wer auf die Bahn angewiesen ist, muss auch am heutigen Dienstag wieder mit Verspätungen und Ausfällen rechnen. Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ist zunächst bis zum Mittwoch, 25. August, um 2 Uhr angekündigt. In Sachsen sind besonders Pendler in den Ballungsräumen um Dresden und Leipzig betroffen. In den übrigen Regionen sind meist Mitbewerber der DB AG am Zug, die aktuell nicht bestreikt werden.

Fernreisende haben Pech


Wen es mit der Eisenbahn in die Ferne zieht, der hat aktuell Pech: Die meisten Fernverbindungen fallen aus - so auch zwischen Dresden und Berlin, Leipzig und Frankfurt/Main sowie Richtung Köln und Norddeich. Die Auskunft der Bahn verweist beispielsweise Reisende zwischen Leipzig und Frankfurt auf den Umweg via Nürnberg. Auch teilweise kaum praktikable Regionalverbindungen mit mehrfachem Umsteigen und stundenlangen Reisezeiten weist die Online-Auskunft aus. Die Bahn hat angekündigt, sie werde kulant sein: Für bereits gekaufte Zugtickets werde der Preis erstattet. Bei Sparpreisen ist die Zugbindung aufgehoben.

Auf ihrer Homepage hat die Bahn viele Züge aus Sachsen aufgeführt, die nach einem Ersatzfahrplan fahren. Linien, die dort nicht genannt werden, müssen entfallen, teilte das Unternehmen mit.

Wirtschaft kritisiert Unsicherheiten im Gütertransport

Der Güterverkehr ist bereits seit Sonnabend vom Streik betroffen. Am Montag hieß es, die Güterzüge würden sich in den Rangierbahnhöfen stauen. Systemrelevante Fracht aber würden gefahren. Die Wirtschaft beklagt Unsicherheiten. In einer Zeit, in der die weltweiten Lieferketten bereits angespannt sind, sei das tragisch, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer beim DSLV, dem Bundesverband Spedition und Logistik. "Das heißt, wir bekommen keine Waren aus China, es fehlen Container und Schiffe und jetzt zu einer Zeit, wo 80 Prozent aller Industrie- und produzierenden Unternehmen beklagen, dass sie nicht ausreichend mit Gütern und Waren und Rohstoffen versorgt werden, kommt dieser Streik noch hinzu und der verschärft dieses ganze Thema natürlich."

Folgen habe das vor allem für die Chemie-, Stahl- und Automobilindustrie, so der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf & Logistik. Der zweite Warnstreik in kürzester Zeit belaste die Logistikbranche, heißt es auch vom Verband der Automobilindustrie schriftlich. Ab Mittwoch erwartet die Bahn wieder "einen weitgehend regulären Bahnbetrieb".

Arbeitskampf findet "wie angekündigt" statt

Um den angekündigten Streik im Personenverkehr noch abwenden zu können, hatte die Deutsche Bahn eine Corona-Prämie für die Beschäftigten der Lokführergewerkschaft GDL angeboten, aber keine konkrete Zahl genannt. Die GDL hat das Angebot abgelehnt.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat dem Management der Deutschen Bahn unprofessionelles Vorgehen im Tarifkonflikt vorgeworfen. Er sagte dem MDR-Magazin "Umschau": "Die Bahn kündigt gestern zum ersten Mal an, einen Corona-Bonus zahlen zu wollen. Aber sie nennt keine Zahl. Wie soll denn eine Gewerkschaft darauf eingehen?" Ramelow war jahrelang Gewerkschafter und Streitschlichter in Tarifkämpfen.

So etwas Unprofessionelles, wie es im Moment passiert, kann ich mich nicht erinnern, schon mal erlebt zu haben.

Bodo Ramlow Thüringens Ministerpräsident über das Agieren des Bahn-Managements

Streik-Folgen in Sachsen

Am Montagmorgen habe sich auch ein Fahrdienstleiter in Mittweida am Ausstand der GDL beteiligt, bestätigte eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage von MDR SACHSEN. Zuvor hatten die City-Bahn Chemnitz und die Mitteldeutsche Regiobahn Ausfälle auf der Strecke Chemnitz - Mittweida - Döbeln gemeldet. Die Bahnsprecherin sagte, für den Fahrdienstleiter sei inzwischen Ersatz gefunden worden und der Zugverkehr laufe dort wieder an. Es sei bislang der einzige Fahrdienstleiter bei DB Südost (Mitteldeutschland), der sich am Streik beteilige, hieß es.

Regionalverkehr - Linien mit Ersatzverkehr

Grafik Bahnstreik
Auf den rot gekennzeichneten Strecken gibt es in Sachsen aufgrund des Streiks Beeinträchtigungen. Bildrechte: MDR/Marion Waldhauer/Imago/Jürgen Eis

  • Auf den Fernstrecken Dresden - Frankfurt/MainDresden - KölnDresden - Stralsund sowie Leipzig - Norddeich und Leipzig - Jena - Nürnberg/Karlsruhe fallen zahlreiche IC beziehungsweise ICE-Verbindungen aus. Alternative werden Regionalverbindungen mit mehrfachem Umsteigen in der Fahrplanauskunft angeboten.
  • S 2 Mitteldeutschland Leipzig-Stötteritz - Leipzig Hbf (tief) - Bitterfeld - Dessau Hbf/Lutherstadt Wittenberg - Zahna/Jüterbog, Linie soll im 3-Stunden-Takt verkehren
  • S 3 Mitteldeutschland Halle-Trotha - Halle Hbf - Schkeuditz - Leipzig Hbf (tief) - Leipzig-Stötteritz - Wurzen, Linie soll im 30-Minuten-Takt verkehren, Züge fahren ausschließlich zwischen Leipzig Hbf und Halle (Saale) Hbf
  • S 4 Mitteldeutschland (Markkleeberg-Gaschwitz) - Leipzig-Connewitz - Leipzig Hbf (tief) - Torgau - Falkenberg - Hoyerswerda, Linie soll im 2-Stunden-Takt verkehren, Züge verkehren ausschließlich zwischen Leipzig Hbf und Torgau.
  • S 5/S 5X Mitteldeutschland Zwickau Hbf - Altenburg - Leipzig Hbf (tief) - Leipzig/Halle Flughafen - Halle Hbf; Streckenabschnitt Leipzig Hbf - Zwickau Hbf soll im 2-Stunden-Takt bedient werden; Streckenabschnitt Leipzig Hbf - Altenburg soll im 1-Stunden-Takt bedient werden.
  • RE 50 Leipzig Hbf - Oschatz - Riesa - Coswig - Dresden Hbf, Züge dieser Linie sollen im 2- oder 3-Stunden Takt verkehren. Es soll zusätzliche Halte in Machern und Gerichshain geben.
  • RB 113 Leipzig Hbf - Bad Lausick - Geithain, Streckenabschnitt soll im 2-Stunden-Takt mit einen Busnotverkehr bedient werden
  • Der Verkehrsverbund Mittelsachsen meldet für die DB-Regionaltochter Erzgebirgsbahn folgende Situation:
  • RB 95 (Zwickau - Johanngeorgenstadt): 2-Stunden-Takt
  • RB 80 (Chemnitz - Annaberg-Buchholz - Cranzahl): vereinzelt Ausfälle, sonst fahrplanmäßig
  • RB 81 (Chemnitz - Olbernhau): keine Ausfälle bekannt

  • S 1 Dresdner Netz: Meißen Triebischtal - Coswig - Dresden Hbf - Pirna - Bad Schandau - Schöna, Linie soll im 1- oder 2-Stunden-Takt verkehren, Züge sind ausschließlich zwischen Pirna und Coswig unterwegs
  • außerdem sind Busnotverkehre auf verschiedenen Streckenabschnitten der S 1 geplant; Streckenabschnitt Meißen Triebischtal - Coswig soll im 1-Stunden-Takt mit einem Busnotverkehr bedient werden; Streckenabschnitt Pirna - Bad Schandau/Stadt Wehlen soll im 1-Stunden-Takt mit einem Busnotverkehr bedient werden.
  • S 2 Dresdner Netz: Züge zwischen Pirna und Dresden-Flughafen fallen aus.
  • S 3 Dresden Netz: Dresden Hbf - Tharandt - Freiberg: Züge fallen aus oder werden wegen Bauarbeiten regulär durch Busse ersetzt.
  • U 28 Decin - Bad Schandau - Sebnitz - Rumburk, Linie verkehrt planmäßig mit tschechischem Personal, keine streikbedingten Ausfälle, aber weiter Behinderungen durch Hochwasserschäden zwischen Bad Schandau und Sebnitz.
  • RE 15/RE 18/RB 31 Dresden - Hoyerswerda/Cottbus/Elsterwerda Ausfall der Züge. Die Busse des Schienenersatzverkehrs zwischen Coswig und Cossebaude für RB 31 fahren.
  • RE 1 Glauchau - Gera Hbf - Jena - Erfurt Hbf - Gotha - Leinefelde - Göttingen, Züge verkehren ausschließlich zwischen Gera Hbf und Erfurt Hbf

Sollte es kurzfristige Änderungen geben, können Sie diese unter www.bahn.de nachlesen. Zusätzlich zur allgemeinen Servicenummer unter 030 297 0 (zum Ortstarif) wird laut Bahn eine weitere kostenlose Servicenummer unter 08000 99 66 33 geschaltet.

Welche Züge sollen fahren?

Deutsche Bahn

  • Die Züge zwischen Prag - Dresden (EC/RJ-Züge Dresden - Prag -Budapest/Graz) fahren laut Ankündigung fahrplanmäßig nur von und ab Dresden, die weitere Fahrt in Richtung Berlin und Hamburg entfällt.
  • Der Railjet Berlin - Graz verkehrt nur im Abschnitt Decin - Graz.
  • Für die ICE-Linie zwischen Leipzig und München sind einzelne Ersatzzüge geplant.
  • Für die Verbindung Leipzig - Frankfurt/Main bietet die DB Umsteigeverbindungen über Erfurt oder Nürnberg, zwischen Erfurt und Frankfurt teilweise mit Ersatzzügen.

Trotz des verlässlichen Grundangebots kann die DB nicht garantieren, dass alle Reisenden wie gewünscht an ihr Ziel kommen. Wer kann, sollte seine Reise auf die Zeit nach dem Streik verschieben. Wem ein Umplanen nicht möglich ist, sollte auf jeden Fall einen Sitzplatz reservieren.

Deutsche Bahn AG

So fahren Eisenbahnen, die nicht zum DB-Konzern gehören:

  • Die City-Bahn Chemnitz verkehrt überwiegend planmäßig: RB 92 (Stollberg – Glauchau), RB 37 (Glauchau - Gößnitz) sowie C11, C13, C14 und C15.
  • Die Mitteldeutsche Regiobahn ist vom Streik nicht betroffen. Sie verweist aber darauf, dass es Ausfälle geben könnte, wenn die bei der DB Netz AG angestellten Fahrdienstleister im Stellwerk ebenfalls streiken sollten: RE 3, RE 6, RB 30, RB 45 und RB 110, der RE 3 übernimmt zwischen Hof und Dresden zusätzlich den Halt in Freital-Deuben, auf dem RE 6 werden in den Abendstunden zusätzliche Halte in Leipzig-Liebertwolkwitz und Belgershain erfolgen.
  • Die Odeg weist darauf hin, dass zwar ihre Beschäftigten nicht streiken, es aber trotzdem zu Einschränkungen im Betriebsablauf sowie zu einer erhöhten Auslastung der Züge kommen kann. Die Züge der Odeg sind in Sachsen auf den Linien Hoyerswerda - Niesky - Görlitz sowie Görlitz - Zittau unterwegs.
  • Die Länderbahn, die die Strecken Dresden - Görlitz/Zittau als Trilex bedient, rechnet durch den GDL-Streik nicht mit Behinderungen. Allerdings gibt es bis voraussichtlich 12. September weiter Einschränkungen durch hohen Krankenstand und Urlaub.
  • Die Live-Fahrplanauskunft der Vogtlandbahn (Länderbahn-Gruppe) meldet derzeit keine Ausfälle wegen des Streiks. Die Länderbahn gehört zu Netinera, einem Unternehmen der Italienischen Staatsbahn.
  • Die Freiberger Eisenbahn zwischen Freiberg und Holzhau meldet keine Einschränkungen.
  • Abellio (Tochter der Niederländischen Staatsbahn) meldet keine Störungen auf der Strecke Leipzig - Naumburg - Erfurt - Eisenach.
  • Die Erfurter Bahn fährt zwischen Leipzig und Saalfeld/Blankenstein/Hof über Zeitz und Gera nach Plan.
  • Der Flixtrain Leipzig - Berlin - Hamburg fährt am Dienstag laut Fahrplanübersicht des Anbieters.

Wir übernehmen keine Garantie für die Vollständigkeit der Angaben. Der Artikel wird laufend ergänzt.

Keine Einigung über Lohnerhöhung

Hintergrund des Streiks ist die Forderung der Lokführergewerkschaft GDL nach 3,2 Prozent mehr Lohn und einer Corona-Prämie von 600 Euro für die Beschäftigten. Die Bahn will die Erhöhung nach den Corona-Verlusten über eine längere Zeit strecken. Außerdem schwelt in der Belegschaft ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt.

Hintergrund ist das Tarifeinheitsgesetz, das bei der Bahn seit diesem Jahr greift. Das besagt: Konkurrieren zwei Gewerkschaften in einem Betrieb miteinander, ist im Streitfall nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Gewerkschaft gültig.

Quelle: MDR/sth/lam

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 22. August 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

heinz1954 vor 8 Wochen

Soll doch die Bahn den Forderungen der Gewerkschaften einfach nachgeben, schon ist alles wieder gut. Andere setzen ihren Anspruch vor dem Bundesverfassungsgericht durch, z.B. ÖR, bleibt den Gewerkschaften leider versagt. Und nun MDR schnell löschen

pwsksk vor 8 Wochen

Als Lokführer würden sie anders schreiben.
Und 3,2% Lohnerhöhung auf 28 Monate ist lachhaft. Da kommen bei den Meisten wahrscheinlich nicht mal 100 € Brutto raus.
Ich selbst habe in Schichten und an Wochenenden gearbeitet. Bitte machen sie es auch, dann haben sie mehr Verständnis.
Weselsky sagte auch, das Management steckt sich die Taschen voll und die Kleinen reißen sich den... auf.
Ich gebe ihm Recht.

Janes vor 9 Wochen

Das selbe Schmierentheater hat der Weselsky schon beim letzten Mal abgezogen. Für mich ist das nur der miese Versuch, Mitglieder anderer Gewerkschaften abzuwerben.

Wie gesagt-ich würde die alle aussperren, bis die GDL pleite ist.

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