Neustart im Sport Sportvereine wollen mit sachsenweiter Aktion wieder trainieren

"Zeit für den Neustart" heißt eine Aktion des Landessportbundes, mit der Sportvereine am Wochenende auf ihre prekäre Lage in der Corona-Pandemie aufmerksam machen wollen. Mit kleinen Wettbewerben, Mitmachangeboten und gemeinsamen Trainingseinheiten wollen sie die eigenen Mitglieder und auch Interessierte für einen Wiedereinstieg in den Vereinssport begeistern.

Das Gemeinschaftsgefühl im Sportverein wieder wecken, wollen Lars Bauer, Geschäftsführer des Kreissportbundes Bautzen (ganz links) und seine Kollegen aus der Führung des Oberlausitzer Kreissportbundes.
Das Gemeinschaftsgefühl im Sportverein wieder wecken, wollen Lars Bauer, Geschäftsführer des Kreissportbundes Bautzen (ganz links) und seine Kollegen aus der Führung des Oberlausitzer Kreissportbundes. Bildrechte: Kreissportbund Bautzen

Sportlerinnen und Sportler aus ganz Sachsen sind am Freitag vielerorts mit Vereins-Trikots an ihre Arbeitsplätze gekommen. Sie gehen auch am Wochenende in Trainingsjacke zum Einkauf in den Supermarkt und schmücken ihre Vereinsheime und Sportstätten. Hintergrund ist die landesweite Aktion "Zeit für den Neustart" des Landessportbundes und der Kreissportbünde.

"Wir wollen erreichen, dass die Sportvereine wieder auf der Matte stehen und bei den Leuten im Kopf sind", sagt Christian Dahms, Generalsekretär des Landesportbundes Sachsen.

Der Sport wird gebraucht. Der Sport ist der soziale Kitt. Wir wollen wieder dorthin, wo wir zu Hause sind: in den Sportstätten.

Christian Dahms Generalsekretär des Landesportbundes Sachsen

Mitmachangebote für Kinder

In dieser Woche gab es in einzelnen Landkreisen bereits Lockerungen für Sportvereine. Ab 31. Mai werden die Corona-Regeln für den Vereinssport auch in der Corona-Schutzverordnung gelockert. Das nutzen viele Vereine an diesem Wochenende zum Wiedereinstieg ins Training. Einige Beispiele:

  • So lädt der Sportclub Hoyerswerda zu einer sportlichen Stadtrallye für Kinder ein.
  • Der Landsportverein Friedersdorf, zu Hause in der Gemeinde Markersdorf bei Görlitz, bietet am Sonnabend ein Fußball-Schnuppertraining für Kinder zwischen vier und sieben Jahren an.
  • Der Eishockeynachwuchs des ESV Chemnitz gestaltet einen Freundetag: Mannschaftsmitglieder der "Young Crashers" können Freunde zum Eishockeytraining mitbringen.

Gemeinschaftsgefühl wecken

Weil die Vereine monatelang keinen Sport in Präsenz anbieten konnten, sind auch weniger junge Menschen beigetreten. Bei den Neueintritten fehlten 2020 allein in den Sportvereinen, die im Kreissportbund Bautzen organisiert sind, rund 800 Kinder und Jugendliche. "Das geht an den Vereinen nicht spurlos vorüber. Das reißt große Lücken", sagt Lars Bauer, Geschäftsführer des Kreissportbundes.

Er wünscht sich von der Aktion am Wochenende deshalb ein positives Signal von den Vereinsmitgliedern, dass die weiter zu ihren Vereinen halten. "Ein Verein bedeutet immer auch Gemeinschaft. Es reicht nicht, wenn der Übungsleiter nur aufruft. Es müssen alle mitmachen", verlangt Bauer. Das Wecken dieses Gemeinschaftsgefühls sei ein großes Ziel, das am Wochenende mit umgesetzt werden solle.

Zahlreiche Mitglieder verloren

Rund 20.000 Mitglieder haben sächsischen Vereinen im vorigen Jahr den Rücken gekehrt – davon 12.000 Kinder und Jugendliche im Alter bis 14 Jahre. "Wir sehen jetzt auch als unsere Aufgabe diese 'verlorenen Kinder' zurück zu holen", betont Christian Dahms vom Landessportbund. Durch die Corona-Einschränkungen und langen Trainingspausen sei die Distanz der Mitglieder zu ihren Vereinen gewachsen, beobachtet Dahms. "Die Leute stellen fest, die Mitgliedschaft im Verein muss nicht immer sein." Dabei biete der Sportverein einen bedeutenden Lernort, nicht nur für die Motorik, auch fürs Miteinander.

Die Folgen der Corona-Einschränkungen für den Kinder- und Jugendsport verdeutlicht Dahms am Beispiel des Schwimmunterrichts. Dass Kinder im Verein oder in der Schule nicht die Chance hatten, Schwimmen zu erlernen, sei ein "akutes Problem". "Wir haben demnächst mehrere tausend Nichtschwimmer-Kinder in Sachsen. Das ist ein Zustand, der ist nicht hinnehmbar", beklagt der Sportfunktionär. Dass in den Sportvereinen monatelang keine Trainings stattfinden durften, sieht Dahms mit Sorgen. "Wenn sich das dann in einer gewissen Lethargie auswirkt, wäre das nicht nur für den Verein, sondern auch für das gesamte Gesunderleben der Menschen sehr schwierig."

"Oberste Priorität: Trainingsbetrieb wieder starten"

Lars Bauer vom Kreissportbund Bautzen kann sich deshalb eine "Bewegungsoffensive" vorstellen, um nachzuholen, was in den vergangenen anderthalb Jahren verloren gegangen ist. Er schränkt aber erstmal ein: "Oberste Priorität hat jetzt der Start des Trainingsbetriebs. Ich glaube, die Vereine haben in den nächsten Wochen da genug zu tun, da eine Normalität einkehren zu lassen." Dafür müssten durch die Träger baldmöglichst Vorkehrungen getroffen werden, dass die Sportstätten wieder genutzt werden können – insbesondere die Innensportanlagen, betont Bauer.

Teilweise tägliche Testpflicht als ungerecht empfunden

Dass Sportangebote wieder öffnen dürfen, sei wichtig. "Nur wenn wir etwas anbieten, können wir auch wieder auf Leute zugehen und verlorene Mitglieder gewinnen", sagt Christian Dahms. Die Vielfalt des Sports und die Sporträume, in denen Vereinssport stattfindet, sieht er in den aktuellen Coronaregeln nicht ausreichend berücksichtigt.

So bremse die geltende Testpflicht etliche Vereine noch beim Wiedereinstieg ins Training aus. "Das ist die große Herausforderung, dass man von einem Ehrenamtlichen verlangt als Anleiter zum Teil einen täglichen Test zu erbringen", sagt Dahms. Dahms sieht hier eine Ungleichbehandlung. Denn: Arbeitnehmer müssten sich in ihren Betrieben nur zweimal in der Woche testen.

Christian Dahms
Christian Dahms vom Landessportbund sagt: Für die Vereine ist die teils tägliche Testpflicht eine "Herkulesaufgabe". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dahms verlangt deshalb Regelungen, die für die Sportlerinnen und Sportler und diejenigen, die sie anleiten, auch nachvollziehbar sind. Sein Fazit lautet: "Da muss noch ein bisschen nachgeholfen werden, auch bei den Verordnungen, damit das Ehrenamt nicht hinschmeißt."

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 28. Mai 2021 | 05:30 Uhr

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen

Ein Tiger in einem Gehege 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK