Ausländerfeindliche Übergriffe Hoyerswerda 1991: Nach drei Jahrzehnten aufeinander zugehen

30 Jahre liegen die weitreichenden Ausschreitungen und gewalttätigen Übergriffe auf Asylsuchende und Ausländer in Hoyerswerda zurück. Die Stadt möchte mit einem Themen-Wochenende an die Vorfälle erinnern. Geplant sind eine Filmpremiere und Zeitzeugengespräche - möglicherweise auch mit Tätern.

Ausländer fordern Verlegung in Hoyerswerda
Verängstigte Bewohner fordern 1991 nach Ausschreitungen in Hoyerswerda von der Landesregierung Sachsen ihre Verlegung nach Westdeutschland. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Ein erster Schritt in Richtung Versöhnung: Hoyerswerda will mit einem Themen-Wochenende im Spätsommer an die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in der ostsächsischen Stadt vor 30 Jahren erinnern. Unter dem Motto "Hoyerswerda 1991: Erinnerungen - Einsichten - Perspektiven" sind vom 17. bis zum 19. September unter anderem Podiumsgespräche, ein Mahn-Spaziergang, eine Film-Premiere sowie eine Gedenkveranstaltung geplant, wie die Organisatoren am Freitag mitteilten. Bei den Veranstaltungen sollen Zeitzeugen von allen Seiten miteinander ins Gespräch kommen - Gastarbeiter, Nachbarn, Polizisten, damalige Entscheider, vielleicht sogar Täter.

"Wir sind noch nicht auf die damals Betroffenen zugegangen. Ich denke, wir können mit den Veranstaltungen zeigen, dass wir uns inhaltlich mit den Ereignissen auseinandersetzen und bereit sind, etwas auszuhalten und - das Thema in der Stadtgesellschaft zu diskutieren", sagte Pfarrer Jörg Michel vom Vorbereitungsteam am Freitag.

Betroffener Zeitzeuge: "Aufeinander zugehen"

Unter anderem hat schon David Macau sein Kommen zugesagt. Der Mosambikaner habe - nach eigenem Empfinden - von 1979 bis 1991 die "schönste Zeit seines Lebens" in Hoyerswerda verbracht, sagte Sabine Proksch vom Orga-Team. "Wir haben ein Gefühl für 1991, aber wir haben kein Gefühl für die Betroffenen von 1991, das wollen wir wecken". Macau wird auch als Zeitzeuge Schulen in der Region besuchen. "Das Entscheidende ist - und das scheint noch nicht passiert zu sein -, dass beide Seiten aufeinander zugehen", betonte Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD).

Gewalt gegen Ausländer in Hoyerswerda 3 min
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Vertreter auch Rostock, Solingen und Mölln

Zu Wort kommen sollen auch kommunale Vertreter aus Rostock, Solingen und Mölln, wo es Anfang der 1990er-Jahre ebenso wie in Hoyerswerda Übergriffe auf Ausländer gab. Neben Ruban-Zeh werden mit dem Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen zwei ostdeutsche Perspektiven und mit dem Bürgermeister aus Mölln und einem Vertreter aus Solingen zwei westdeutsche Perspektiven auf dem Podium Platz nehmen. "Dieser Austausch soll zeigen, welche Ursachen die Ereignisse hatten und wie in diesen Städten mit Ausländerfeindlichkeit, Intoleranz und Rechtsextremismus umgegangen wird, welche Erfolge erzielt wurden und welche aktuellen Probleme es derzeit gibt", sagte Stadtsprecher Olaf Dominick.

Fotoausstellung über Arbeitsalltag in Mosambik

Neben Gesprächs- und Begegnungsformaten ist eine Ausstellung mit aktuellen Fotografien vom Leben der Vertragsarbeiter in Mosambik geplant. Für das Projekt wird ein Fotograf im Sommer in das ostafrikanische Land reisen. Im Jahr 1989 waren laut Bundeszentrale für politische Bildung rund 190.000 ausländische Arbeitskräfte in DDR-Betrieben tätig, davon 12.000 Mosambikaner.

Migrantin (Kind) in Bus 3 min
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"Versöhnung kann vielleicht beginnen und etwas Neues entstehen"

Außerdem wird es in Hoyerswerda im Rahmen der Erinnerung im Herbst eine Film- und Buchpremiere, einen Mahngang und eine Gedenkveranstaltung geben. Das Themen-Wochenende ist zudem der Auftakt der Interkulturellen Wochen im Landkreis Bautzen. "Wir müssen Geschichte aufarbeiten. Nach 30 Jahren ist es wichtig aufeinander zuzugehen. Die Versöhnung kann so vielleicht beginnen und etwas Neues entstehen", sagte Pfarrer Michel.

Seit dem Herbst 1991 ist Hoyerswerda für viele ein Synonym für Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz. Zwischen dem 17. und 23. September griffen junge Neo-Nazis ehemalige DDR-Vertragsarbeiter und Asylsuchende an. Schaulustige riefen ausländerfeindliche Parolen.

Quelle: MDR SACHSEN/ls, dpa

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