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Zur Eröffnung des dritten Ausstellungsteils wurden die Gäste von Mädchen in sorbischer Tracht mit Brot und Salz begrüßt. Bildrechte: MDR/Klaudia Kandzia

Gedenken an FluchtopferHoyerswerdaer Bildungsstätte erzählt von Fluchtschicksalen

20. Juni 2024, 16:47 Uhr

Im Ortsteil Knappenrode ist die Ausstellung im "Transferraum Heimat" vervollständigt. Fluchtgeschichten aus der Vergangenheit sind dort nun den Schicksalen heutiger Flüchtlinge gegenübergestellt.

Auf dem Gelände der Energiefabrik Knappenrode bei Hoyerswerda gibt es seit 2021 eine Bildungs- und Begegnungsstätte zur Geschichte von Vertriebenen und Spätaussiedlern in Sachsen. "Transferraum Heimat" heißt der Ort. "Heimat ist wichtig. Das ist etwas, was jeder braucht. Und Heimat wechselt eben", sagt Jens Baumann. Er ist Beauftragter für Vertriebene und Aussiedlerfragen in Sachsen. Vertriebene sagten ihm, Heimat sei für sie, wo sie geboren wurden. "Aber sie haben auch eine neue Heimat", erklärt Baumann.

Zeitzeugenberichte machen Fluchtgeschichte greifbar

Was das für die Vertriebenen bedeutet, wird in der Ausstellung in Knappenrode mit Texten und anhand historischer Gegenstände erzählt. Ein erster Teil der Ausstellung befasst sich mit der Vertreibung Deutscher nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Artefakte, Dokumente, Filme oder Zeugeninterviews erzählen von der Weimarer Zeit, der Machtübernahme, dem Untergang des Nationalsozialismus und vom Leben der Deutschen in den ost-mitteleuropäischen Siedlungsgebieten.

Der Landesbeauftragte für Vertriebene Jens Baumann führt durch die Ausstellung, darunter Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Bildrechte: MDR/Klaudia Kandzia

In einem zweiten Teil geht es um das Leben der Vertriebenen und Aussiedler in Ost- und Westdeutschland. Geschildert wird die Ankunft, das Einleben in der neuen Heimat und auch wie die Vertriebenen am Wiederaufbau in Deutschland mitwirkten. Rosa Wegelin kam 1992 mit ihrem Ehemann als Spätaussiedlerin aus Baschkortostan – westlich des Urals nach Deutschland.

Russlanddeutsche und Ukrainer singen gemeinsam

Die Russlanddeutsche absolvierte das Konservatorium, spielte in der Philharmonie in der russischen Republik-Hauptstadt Ufa. In Deutschland musste sie ihr Leben neu aufbauen: "Die Kirche war unsere Rettung." In einer Kirchgemeinde habe sie mit Kindern Klavier spielen geübt. Das habe ihr gutgetan. Heute leitet Wegelin einen Chor in Leipzig. "Viele Frauen, die mitsingen, sind aus der Ukraine. Wir sprechen Russisch miteinander", erzählt Rosa Wegelin. Die deutschen Lieder würden den Geflüchteten helfen, die Sprache zu lernen. "Das freut mich so sehr, da bin ich wieder nützlich", sagt Wegelin.

Wegelins Chor sang in Knappenrode zur Eröffnung des dritten Ausstellungsteils. Er beschäftigt sich mit der Situation von Geflüchteten heute. Wie im Chor treffen dort nun Vergangenheit und Gegenwart aufeinander.

Rosa Wegelin singt mit ihrem Leipziger Chor in der Bildungs- und Begegnungsstätte "Transferraum Heimat" in Knappenrode. Bildrechte: MDR/Klaudia Kandzia

Flucht gestern und heute verstehen

"Es weitet den Blick, wenn man das hier so zusammen sieht", sagt Margit Kempgen aus Görlitz. Ihre Familie kommt mütterlicherseits aus Breslau, väterlicherseits aus Ostpreußen. "Ich bin Kind gewesen zu der Zeit. Ich kann mich nicht erinnern und sehe jetzt hier, was es mal gegeben hat", so Kempgen.

Die in der Ausstellung beschriebenen Einzelschicksale berührten sie. "Flüchtling", "Vertriebener" sei für sie ein Sammelbegriff. Erst durch die Beispiele werde Fluchtgeschichte konkret – im "Transferraum Heimat" in Knappenrode auch durch Videointerviews mit Geflüchteten, die sich erst in den vergangenen Jahren auf den Weg nach Deutschland gemacht haben.

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung können sich unter anderem Videos anschauen, in denen Geflüchtete berichten, wie sie nach Deutschland gekommen sind. Bildrechte: MDR/Klaudia Kandzia

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MDR (kka/mak)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 20. Juni 2024 | 14:30 Uhr