Saisonvorbereitung Durch die Pandemie: Größeres Interesse am Lausitzer Seenland

Die Inlineskates mal wieder hervorgeholt, auf dem Fahrrad eine Runde um die Seen gedreht und am Strand in der Sonne geaalt - das sonnige Wetter zu Ostern zog viele Menschen an die Lausitzer Seen. Dort bereiten die Touristiker trotz ungewisser Aussichten die Saison vor. Anlass für MDR SACHSEN, nach den Lehren des Pandemiejahres 2020 zu fragen und danach, wie sich die Branche auf eine voraussichtlich ähnliche Saison in diesem Jahr einstellt.

Die Marina im Geierswalder See bei Sonnenuntergang
Die Marina im Geierswalder See bei Sonnenuntergang. Bildrechte: Tourismusverband Lausitzer Seenland/Kathrin Winkler

Kathrin Winkler ist Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. Frau Winkler, wie fällt Ihre Bilanz des vergangenen Jahres aus? Konnte das Seenland von zusätzlichen inländischen Touristen profitieren?

In der Vor- und Nachsaison konnten wir leider keine Gäste begrüßen. Aber in der Hauptsaison ging richtig die Post ab. Das heißt, es wurde kräftig gebucht und wir hatten extrem viele Tagestouristen da gehabt. Man kann da wirklich feststellen, dass wir so viele Gäste wie noch nie in der Region hatten - seien es Tages- oder Übernachtungsgäste. Wir haben im Vergleich zum Jahr 2019 aber insgesamt 8,2 Prozent Gäste weniger im Lausitzer Seenland begrüßen können.

Woher kamen die neuen Gäste und was war bei denen denn besonders gefragt?

Auf einem 16 Kilometer langen Rundweg lässt sich der Geierswalder See mit dem Fahrrad oder auf Inlineskates umrunden. Das Hotel und Restaurant "Der Leuchtturm" lädt zur Rast.
Hauptbeschäftigung der Urlauber im vergangenen Jahr war Radfahren. Bei der Tourenplanung will der Tourismusverband die Gäste in diesem Jahr mit einer neuen Radfahrbroschüre unterstützen. Bildrechte: Tourismusverband Lausitzer Seenland/Nada Quenzel

Der tschechische Markt ist ja mehr oder weniger ausgefallen. Aber ganz neu kamen der Bereich Bayern, das Frankenland und auch der Thüringer Bereich dazu - Gäste aus anderen Quellgebieten, die wir sonst eigentlich nicht dabei hatten. Ganz intensiv nachgefragt war das Thema Campen und das schon relativ zeitig in der Saison und auch relativ spät noch, weil das ja noch ging. Da waren Campingplätze sehr gut gebucht. Wir gehen davon aus, dass es 20 Prozent mehr Campinggäste waren als in den letzten Jahren. Als Ergebnis dessen haben wir jetzt auch eine neue Campingkarte herausgebracht.

Wie sind die neuen Zielgruppen denn auf das Seenland aufmerksam geworden? Haben Sie dazu Erkenntnisse?

Das Gute war: Deutschlandurlaub war angesagt. Das heißt, die Gäste haben selber gesucht. Wir sind sehr intensiv im Onlinebereich unterwegs gewesen. Und das Gute war, bei uns haben sich die ganzen großen Printprodukte die Klinke in die Hand gegeben. In den Zeitungen wurde sehr intensiv über das Lausitzer Seenland als eine neue Region berichtet. Das hat uns in die Hände gespielt. Wir haben im letzten Jahr auch eine Studie durchgeführt, um zu sehen: Hat sich die Bekanntheit des Lausitzer Seenlands erhöht? Und da können wir sagen: Es gab eine Steigerung um zehn Prozent im Vergleich zwischen 2018 und 2020. Also zehn Prozent mehr Gäste kennen jetzt das Lausitzer Seenland. Da denken wir, dass das nachhaltige Effekte hat.

Touristische Schwerpunkte an den Lausitzer Seen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Da ist zu vermuten, dass es in diesem Sommer wieder voll wird im Lausitzer Seenland. Ist da genug Platz für Scharen zusätzlicher Gäste?

Wir waren im letzten Sommer an den Kapazitätsgrenzen. Übernachtungstechnisch ging dann gar nichts mehr. Da mussten wir sehr vielen Gästen absagen. Im Kernbereich wird’s im Sommer immer eng. Aber ich glaube in der großen Fläche kann das Lausitzer Seenland noch was vertragen, zumal jetzt im letzten Jahr einige Investitionen dazugekommen sind - in Ferienwohnungen, Ferienhäuser, Pensionen. Das wächst stetig das Lausitzer Seenland. Perspektivisch wollen wir ja 1,5 Millionen Übernachtungen haben, aktuell sind wir bei 800.000. Da ist noch Luft nach oben - aber verteilt über das gesamte Jahr und nicht nur in der Hochsaison.

Welche Erfahrungen nehmen Sie denn aus dem vergangenen Jahr mit? Wie stellen Sie sich auf die neue Saison ein? Die dürfte ja ähnlich werden.

Floßfahrt über Lausitzer Seen
Freizeitangebote, wie z.B. Floßfahrten, lassen sich seit diesem Jahr über ein zentrales Online-Buchungssystem reservieren. Bildrechte: Tourismusverband Lausitzer Seenland/Nada Quenzel

Der Gast hat dazugelernt, dass er seine Freizeitaktivitäten nicht kriegt, wenn er sie nicht vorher bucht. Deshalb haben wir als Tourismusverband jetzt ein zentrales Buchungssystem für Freizeitaktivitäten eingeführt. Das heißt, ich kann jetzt schon digital mein Boot mieten und sichergehen, das dann nutzen zu können. Also ganz klare Lehre: der Gast ist digital unterwegs, möchte möglichst alles vorher buchen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Das zweite Thema: Besucherlenkung, wo wir sehr stark gucken über die sozialen Medien, aber auch über unsere Printprodukte Angebote zu vermitteln, damit wir möglichst in die breite Fläche gehen und nicht die sogenannten Hotspots haben. Speziell dafür bringen wir eine extra Radbroschüre raus, in der wir auf über 60 Seiten Radtourentipps geben, damit der Gast dann das gesamte Lausitzer Seenland kennenlernen kann.

Und das Dritte: Ständig mit dem Gast im Gespräch zu sein, hauptsächlich wirklich über die sozialen Medien, um immer aktuelle Informationen vermitteln zu können. Wir haben gemerkt, dass es einen sehr großen Informationsbedarf im letzten Jahr gab. Einfach durch die Verunsicherung der ständig veränderten Verordnungen.

Das Seenland ist eine Urlaubsregion im Wachsen. Was werden denn Gäste hier in diesem Jahr Neues erleben können?

Was dieses Jahr dazukommt, ist ein Radweg um den Großräschener See, der von den Gästen seit Jahren schon erwartet wird. Damit haben wir den Rundweg Großräschener See dann geschlossen. Meiner Meinung nach wird es einer der schönsten Radwege werden mit einem sehr interessanten Höhenprofil, was wir ansonsten im Lausitzer Seenland nicht haben. Das ist ja sonst sehr flach. Hier haben wir auch mal Hügel dabei und Ausblicke, die sehr gut funktionieren. Am Geierswalder See wird es neue Wassersportangebote geben. Im Koschener Bereich gibt es neue Gastronomie und einen neuen E-Bike-Verleih mit Rädern in allen Größenordnungen. Es sind also in diesem Jahr Angebote aus dem privaten Bereich, die zusätzliche Angebote ins Lausitzer Seenland bringen. Einen neuen See oder einen neuen Überleiter gibt es in diesem Jahr nicht.

So schön ist Görlitz 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

An der Grenze zu Polen sind blaue Farbtuper in der Landschaft zu sehen: das Lausitzer Seenland! Hier entsteht nach und nach die größe zusammenhängende Seenlandschaft Europas.

Mo 29.04.2019 14:01Uhr 03:28 min

https://www.mdr.de/meine-heimat/video-lausitz-seenland-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.04.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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