Stadtgeschichte Warum in Bischofswerda ein alter Schlüssel im Pflasterstein steckt

Viele Städte in der Oberlausitz blicken auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Spannendes zu erzählen gibt es da genug. So auch aus Bischofswerda. Nach langer Corona-Pause werden dort wieder Stadtführungen angeboten. Dabei erfahren die Besucher, was es mit den Kanonenkugeln in Hauswänden auf sich hat und warum ein alter Schlüssel im Pflasterstein steckt.

Stadtführung in Bischofswerda
Unter Einheimischen und Umwohnenden ist auch der inoffizielle Name Schiebock für Bischofswerda gebräuchlich. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Elf mal schlägt die Rathausuhr auf dem Altmarkt in Bischofswerda, dann beginnt die Stadtführung. Gudrun Büchler macht das ehrenamtlich und freut sich, dass sie nach neun Monaten endlich wieder mit Gästen unterwegs sein darf. Fünf Teilnehmer haben sich am Mediaturm eingefunden und lauschen ihr gespannt. Der Turm aus Metall sei genau 12,27 Meter hoch und verweise auf das Gründungsjahr von Bischofswerda, so Büchler.

Diesen Luxus hatten nur wenige Städte

Die Teilnehmer der Stadtführung hören genau hin, als sie erfahren, dass im Jahr 1549 ein zweites Rathaus gebaut worden ist. Mehr als 200 Jahre lang hatte Schiebock somit zwei dieser Verwaltungssitze. Büchler führt die Gruppe vorbei am Paradiesbrunnen - der im Volksmund Eva-Brunnen genannt wird. Es folgt ein kleiner Rundumschlag über den großen Stadtbrand und die mögliche Mitschuld napoleonischer Truppen daran.

Stadtführung in Bischofswerda
Rund um den Altmarkt in Bischofswerda gibt es viele dieser kleinen, engen Gassen. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Weiter geht es durch eine kleine enge Gasse. Sofort fällt dem aufmerksamen Betrachter eine kleine schwarze Kanonenkugel an der bunten Hausfassade ins Auge. Davon gibt es in der Straße gleich mehrere. Die Kugeln sollen an die Kämpfe der napoleonischen Truppen gegen die Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts erinnern. Der Rundgang durch die Altstadt wird nicht langweilig. Die meisten der alten Häuser sind mit viel Liebe zum Details vor Jahren saniert worden.

Stadtführung in Bischofswerda
Die heutige Form der Bedachung der Fronfeste stammt aus dem Jahr 1814. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Nächster Stopp ist vor einem hohen Gebäude, das sofort auffällt: Die Fronfeste oder auch Dresdner Tor genannt. Es ist das älteste noch erhaltene Bauwerk der Stadt Bischofswerda. 1286 wurde es errichtet und diente bis 1859 als Gefängnis. Heute befindet es sich in Privatbesitz. Kurz vor dem Ende der Tour richtet sich der Blick der Teilnehmer plötzlich nach unten. Ein alter Schlüssel mitten auf der Straße, eingearbeitet in einen Pflasterstein, erweckt die Aufmerksamkeit bei den Teilnehmern.

Es ist eine frühe Form der Werbung gewesen.

Gudrun Büchler Stadtführerin
Schlüssel in Bischofswerda
Der im Kopfsteinpflaster fest verankerte Schlüssel stammt aus dem Jahr 1925. Bildrechte: Jens Czerwinka/MDR

Ein Schlossermeister hatte ihn 1847 vor seinem Haus am Eingang der Schadegasse eingelassen. Immer wieder hätten Leute versucht, diesen Schlüssel aufzuheben. Dabei wären sie auf das Geschäft des Schlossers aufmerksam geworden. Allerdings handelt es sich nicht um den Originalschlüssel. Dieser wurde beim Umbau der Straße 1925 zerstört.

Langeweile kommt nicht auf

Zum Schluss noch ein Abstecher in die Christuskirche. Zweimal war das Gebäude abgebrannt. Der Dresdner Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer hatte die Kirche im klassizistischen Still 1818 fertiggestellt. Stadtführerin Büchler führt die Gruppe in einen kleinen Raum im hinteren Teil des Gotteshauses. Zu sehen ist an der Wand das letzte und unvollendete Werk von Osmar Schindler. Er habe verfügt, dass niemand diese Malerei zu Ende bringen sollte. Schindler war bis 1924 Professor an der Dresdner Kunstakademie und Mitglied im Deutschen Künstlerbund.

Zufriedene Gesichter

Nach mehr als einer Stunde ist die Führung zu Ende. Ein Blick in die Gesichter der Teilnehmer zeigt: Alle sind zufrieden. Gudrun Büchler verweist auf die lebendige Stadtführung am 18.Juli. Dann wird sie, verkleidet als Marktfrau, die Besucher durch die engen Gassen der Bischofswerdaer Altstadt führen.

Quelle: MDR/jc

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