Impfstart bei Hausärzten Ralbitzer Hausarzt beginnt mit zwei Dutzend Corona-Impfungen pro Woche

Der Ralbitzer Internist Gerd Jahny setzt die Impfspritze bei einer Patientin an
Der Ralbitzer Internist Gerd Jahny setzt die Impfspritze bei einer Patientin an Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Nach den Osterfeiertagen ist das Wartezimmer in der Arztpraxis von Gerd Jahny in Ralbitz voll. Mehr als ein Dutzend Patientinnen und Patienten wartet darauf, zu dem Arzt vorgelassen zu werden. Das Telefon steht kaum noch still.  "Ich habe damit gerechnet, dass ein Interesse an den Impfungen besteht. Ich hab aber nicht damit gerechnet, dass jetzt so eine überwältigende Welle auf uns zukommt", sagt der Arzt. Seit Dienstag kümmert sich eine Arzthelferin nur um die Anrufe zur Vergabe von Impfterminen. Für andere Aufgaben in der Praxis fällt sie aus.

Die Corona-Schutzimpfungen bescheren dem Praxisteam einen deutlichen Mehraufwand. Denn die Impfungen könnten nicht einfach so in den Praxisalltag eingeschoben werden, erklärt Gerd Jahny. Der Impfstoff von Biontech muss in Blöcken verabreicht werden. Aus einer Ampulle werden sechs Spritzen aufgezogen und die müssen innerhalb weniger Stunden verimpft sein. Dafür hat er heute sechs Patientinnen und Patienten in die Praxis bestellt. Doch auch Patienten mit anderen Anliegen stehen Schlange. Die Krankenschwester an der Rezeption muss die immer wieder um Geduld bitten. Erst in anderthalb Stunden könnten die drankommen. Von Hektik dennoch keine Spur.

Es ist eigentlich mal wieder typisch gelaufen. Die Politik hat gesagt: Dann geht's los. Und dann hat man uns gestern Abend den Impfstoff hingestellt: ‚Macht mal! Ihr werdet das schon irgendwie hinkriegen.‘ Kriegen wir auch. Aber es muss sich einspielen.

Gerd Jahny Internist in Ralbitz

Die Spritze von Biontech - nichts für den Hausbesuch

Viel Zeit in die Aufklärung zu den Corona-Impfstoffen muss Gerd Jahny nicht investieren. Die Patienten kommen meist gut informiert.
Viel Zeit in die Aufklärung zu den Corona-Impfstoffen muss Gerd Jahny nicht investieren. Die Patienten kommen meist gut informiert. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

24 Impfdosen hat seine Arztpraxis für diese Woche geliefert bekommen. Jahny hat sie in der Apotheke bestellt. Eine Spritze wird die Dame im lila Strickpullover abbekommen, die gerade ein ausgefülltes Formular über den Rezeptionstresen reicht. "Ich habe früh beizeiten angerufen und das hat geklappt. Man muss auch bisschen Glück haben", sagt die 80-Jährige lachend. Auch im Impfzentrum in Kamenz habe sie sich um einen Termin bemüht. Jetzt freut sie sich, dass es bei ihrem Hausarzt um die Ecke geklappt hat. "Das ist für mich viel bequemer", sagt die Frau. Sie versichert aber, dass sie sich auch von einem fremden Arzt impfen lassen würde. Jetzt wartet sie gelassen auf den Piks von Doktor Jahny. "Ich nehme an, dass das gut gehen wird. Ich habe ja bei anderen Impfungen auch keine Schwierigkeiten."

Die Patienten, die heute in der Ralbitzer Arztpraxis geimpft werden, sind noch gut zu Fuß. Weniger mobile Patienten müssen sich noch gedulden bis Gerd Jahny auch andere Impfstoffe geliefert bekommt. "Ich denke mit Biontech werde ich die Hausbesuchsinjektionen zunächst nicht durchführen. Weil dieser Impfstoff darf nur wenige Stunden aufgezogen in der Spritze sein. Das Aufziehen an sich ist ein etwas komplizierterer Prozess als bei anderen Impfungen. Wenn der in der Spritze aufgezogen ist, darf er auch nicht mehr erschüttert werden." Eine Fahrt mit dem Impfstoff über holprige Straßen könnte zum Problem werden, verdeutlicht der Arzt.

"Immenser" Dokumenationsaufwand

Froh ist Jahny aber darüber, dass er die Impfungen in seiner Praxis weniger bürokratisch verabreichen kann. "Im Impfzentrum musste ich für jede Injektion fünf Unterschriften leisten. Hier brauche ich nur drei." Der Dokumentationsaufwand sei dennoch "immens" und "viel zu viel". "Es ist doch einiges an Papieren zu bewältigen, nicht zu vergleichen mit den üblichen Impfungen, die wir auch noch nebenbei machen oder z.B. bei der Grippeimpfung." Jahny erklärt sich das auch mit der vergleichsweise kurzen Zeit, in der die Impfstoffe auf den Markt gebracht wurden. "Da will man natürlich besonders gründlich sein mit der Beobachtung von Nebenwirkungen", vermutet der Internist.

Trotz des hohen Aufwands schätzt Jahny, dass er pro Woche bis zu 50 Patientinnen und Patienten die Corona-Schutzimpfung spritzen könnte. Er beobachtet, dass die meisten Patienten gut informiert zum Impftermin kommen. Dabei seien diese Informationen nicht immer korrekt. Er müsse immer mal wieder was "geraderücken", sagt Jahny. Im Vergleich zur Arbeit im Impfzentrum hat er in seiner Praxis aber den Vorteil, dass er die Patienten besser kennt und sie ihn. "Ich will niemanden von der Impfung überzeugen", betont der Hausarzt. Er lege den Patienten die Fakten aus seiner Sicht dar. Viele Patienten, würden sich dann auch deshalb für die Impfung entscheiden, weil sie Jahny vertrauen.

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Quelle: MDR/mk

1 Kommentar

lk2001 vor 3 Tagen

Juhu, 24 Impfungen pro Woche. Da wird die Pandemie sicher irgendwann im Jahr 2545 vorbei sein.

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