Geschichte Grabanlagen-Denkmal soll in Bautzen aus Dornröschenschlaf erweckt werden

Die Liste der Kulturdenkmäler in Sachsen ist lang. Eines davon soll jetzt auf dem Bautzener Taucherfriedhof wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Und zwar mithilfe einer Crowdfunding Aktion. Es geht um die Sanierung der Grabanlage einer berühmten Unternehmerfamilie aus dem 19. Jahrhundert.

Eine Frau macht ein Foro auf einem Friedhof
In der Zeit des beginnenden 17. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts entstanden viele der wertvollen Grabdenkmäler, die Besucherinnen und Besucher auch heute noch in den beiden ältesten Teilen des Taucherfriedhofes finden.  Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Von der Bautzener Innenstadt sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Taucherfriedhof. Seinen Namen erhielt er von einer Kapelle, die aus dem Taucherwald bei Uhyst umgesetzt wurde. 1523 wurde der Friedhof geweiht, heute erst recht ein besonderer Ort. Zwischen zahlreichen Bäumen und Sträuchern stehen zahlreiche Grabdenkmäler aus den vergangenen vierhundert Jahren. Hinter Efeu versteckt, liegt hier die Grabanlage der Familie Hermann Bulnheim. Ihr gehörte in der Zeit der Industrialisierung ein Feinstahl-Fensterbau-Unternehmen. Die Familie war einst weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und hatte zahlreiche Patente, sagt Stadtführerin Franziska Henkes. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der VEB Förderanlagen daraus entstanden und heute existiert die Firma immer noch als AFT Förderanlagen.

"Metallerherz" verbindet Generationen

In den Förderanlagen hatte Franziska Henkes Vater einst gearbeitet und sein "Metallerherz", wie er selbst sagt, schlug sofort höher, als er vor zehn Jahren das zugewucherte Grab im Schatten einer alten Linde entdeckte. Als Stadtführer wollte er natürlich wissen, was es mit dem besonderen Kreuz auf sich hat. Als sich die Verbindung zwischen dem Namen auf dem Grabstein und seinem ehemaligen Arbeitsplatz offenbarte, war klar: Das Kreuz soll restauriert werden. Seine Tochter musste er da nicht lange bitten. Als Tuchhändlerin Teda führt Franziska Henke ebenfalls Touristen durch Bautzen und ist immer neugierig auf unbekannte Episoden aus der Stadtgeschichte.

Ich finde es toll, dass sich jemand interessiert für die alten Denkmäler und jemand was auf die Beine stellt.

Robert Eckhard Friedhofsverwalter

Auf den Spuren der Familie Bulnheim

So reifte beim Vater-Tochter-Gespann die Idee, nicht nur mehr über das Grab und die Familie Bulnheim zu erfahren, sondern dieses Wissen anderen auch zugänglich machen. Für die Restaurierung der zwölf Quadratmeter umfassenden Grabanlage haben sie deshalb unter dem Motto "Wir erwecken" auf der Plattform "Viele schaffen mehr" zum Crowdfunding aufgerufen. Sie würde gerne eine kleine Bank mit einem QR-Code versehen aufstellen. Besucher könnten so alle gesammelten Daten über die Familie Bulnheim abrufen.

Ein Kreuz auf einem Friedhof
Ein paar Ornamente an der geschmiedeten Arbeit sind schon abgebrochen. Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Auch Friedhofsverwalter Robert Eckhardt freut sich auf das Projekt. Denn sobald Grab-Erbschaften auslaufen, im Falle Bulnheim war das 1983, fehle es oft an Engagement und Geld für die Pflege der Anlagen. Deshalb seien Crowdfunding und QR-Code genau richtig. Er hoffe, dass es eine Initialzündung für viele weitere Projekte auf dem Friedhof hat.

QR-Code und Crowdfunding für Grabstätte

Und vielleicht sei der QR-Code tatsächlich auch ein neuer Weg, den Friedhof auch als kulturellen Raum wahrzunehmen, der Geschichte vermittelt, so Franziska Henke. Auch andere Grabsteine hätten Geschichten zu erzählen. Erst mal aber geht es um das kunstgeschmiedete Kreuz und die Geschichte der Familie Bulnheim. Für das Projekt sollen bis Ende Juli knapp 8.000 Euro zusammenkommen.

Quelle: MDR/jc

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 21. Juni 2021 | 16:30 Uhr

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