Schicksal Zeitzeugin berichtet online über ihre Haft in Bautzen II

Die Gedenkstätte Bautzen bietet an den Pfingstfeiertagen Online-Führungen durch den ehemaligen "Stasi-Knast" an. Am Sonntag und Montag berichtet eine ehemalige West-Berlinerin über ihr Leben hinter den Gefängnismauern. Sigrid Grünewald wurde an die Stasi verraten und verbrachte mehrere Monate hinter Gittern.

Blick auf die Freiganghöfe für Einzelhäftlinge des einstigen Stasi-Gefängnisses Bautzen II
Der Gebäudekomplex hinter dem Amtsgericht diente bereits seit 1906 als Gefängnis. Bildrechte: dpa

1979 verliebte sich die West-Berlinerin Sigrid Grünewald. Bei einem Besuch in Thüringen lernte die ausgebildete Sekretärin ihren späteren Mann kennen. Das West-Ost-Paar verlobte sich bald, doch zusammen sein konnten sie nur bei ihren Besuchen. Sigrids Verlobter stellte immer wieder Ausreiseanträge - allerdings vergeblich.

Flucht als einziger Ausweg

1981 wandte sich die West-Berlinerin hilfesuchend an einen Fluchthelfer. Was sie nicht wusste: Die Stasi überwachte seine Gruppe längst. Stundenlang wartete Grünewald am Telefon auf den ersehnten Anruf über die gelungene Flucht. Dann erreichte sie die Nachricht, die "Aktion" hätte nicht stattfinden können. Es habe eine Autopanne gegeben. Was Sigrid Grünewald damals nicht wusste: Das Vorhaben war von der Staatssicherheit inszeniert.

Als Grünewald wieder einmal Ost-Berlin besucht, wird sie verhaftet. Vom Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen kommt sie in die Haftanstalt Gera. Von dort aus geht es für sie nach Bautzen II. Fünfeinhalb Jahre Haft soll sie absitzen, wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels". Grünewald wurde nach ihrer Inhaftierung in Bautzen von den Insassen aus der DDR getrennt. Sie musste in der Küche arbeiten und erhielt eine Einzelzelle.

Der Weg zurück in die Freiheit

Im September 1982 kaufte die Bundesregierung Sigrid Grünewald und ihren Verlobten schließlich frei. Beide wurden entlassen und konnten ausreisen. Im Westen angekommen, heirateten die beiden. Über ihre Erlebnisse erzählt Grünewald während der 45-minütigen Online-Führung durch das ehemalige Gefängnis. Zwischendurch beantworteten die Referenten Fragen aus dem Live-Chat. Beginn ist am Sonntag und Montag jeweils 16 Uhr.

Blick in eine der Zellen in der heutigen Gedenkstätte Bautzen.
Im Jahr 1956 richtete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in Bautzen II eine Sonderhaftanstalt ein. Bildrechte: MDR/Thomas Schneider

Zum Auftakt am 7. März nahmen 160 Interessierte teil - unter anderem aus Sachsen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein. Eine Anmeldung zur Teilnahme am Rundgang ist nicht notwendig, ein Klick auf den Youtube-Kanal der Gedenkstättenstiftung genüge, hieß es. Wie andere Kultureinrichtungen ist das Haus gemäß der geltenden Sächsischen Corona-Schutzverordnung seit Anfang Dezember geschlossen.

Quelle: MDR/jc

1 Kommentar

Pattel vor 17 Wochen

Wichtig ist, zu informieren wie ein Staat mit seinen Bürger umgeht die nicht für ihn waren.
Der lange Arm der SED ist überall.
Menschen welche in der nicht mehr in der DDR leben wollten bekamen die ganze Härte der SED mit ihren Gerichten zu spüren. Die Stasi mit ihren IM's war überall. Nicht einmal berechtigte Kritik wurde geduldet ,wer seine Rechte einforderte war ein Nörgler usw. Jedes Wort zu überlegen mit wem und über was zureden wargrausam. Die Angst war immer da.
Ich selber war lange Zeit in Dresden StasiUhaftanstalt später in Bautzen inhaftiert

Nie wieder so einen Staat

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen