Offener Brief Afrikanische Schweinepest: Landrat Harig fordert Hilfen für Mäster

Den Schweinemästern in der Oberlausitz steht das Wasser bis zum Hals. Die Afrikanische Schweinepest macht die Vermarktung schlachtreifer Tiere schwierig. Landrat Harig sieht Land und Bund in der Pflicht. Ohne Hilfe drohten Existenzen vernichtet zu werden. Die Schweinemast ist in der Agrarindustrie durchgetaktet. Sind Schlachthöfe überlastet, blockieren Masttiere die Ställe. Zudem werden die Schweine zu schwer, was ihren Wert mindert.

Hausschweine gehalten in einem koventionellen Schweinemastbetrieb.
Schweinemäster haben wegen der ASP Probleme, ihre Tiere zu vermarkten. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Bautzens Landrat Michael Harig hat wegen der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in der Oberlausitz einen Hilferuf an Landes- und Bundesregierung gesandt. Der CDU-Politiker sieht wegen der Restriktionen zur Eindämmung der Seuche die Schweinemastbetriebe in der Region in Existenznot.

Umweltminister sollen helfen

Er fordert deshalb die Umweltminister von Land und Bund - beide bei den Grünen - in einem offenen Brief dazu auf, Finanzhilfen für die betroffenen Betriebe bereitzustellen und damit Übergangslösungen zu ermöglichen. Der Bautzner Landrat rechnet damit, dass einige Betriebe die Schweinezucht zeitweise aufgeben müssen. Ziel müsse sein, dass die Betriebe nach einem Abklingen der Schweinepest wieder Schweine züchten können, schreibt Harig.

Schweinepest
Die Afrikanische Schweinepest erschwert die Vermarktung des Schweinefleischs aus der Oberlausitz. Bildrechte: Heute im Osten, MDR

"Nicht vermarktbare Schweine blockieren Stallflächen"

Den Schweinemästern macht die durchgetaktete Industrialisierung ihrer Produktion zu schaffen. So bekommen die Mäster ihre Schweine oft nicht zum lange voraus geplanten Zeitpunkt los - in der Agrarindustrie spricht man vom Zielgewicht der Tiere, bei dem der höchste Ertrag erzielt werden kann.

Wegen der beschränkten Schlachtkapazitäten ist ein erforderlicher Absatz nach Erreichung der Zielgewichte nicht gegeben. Die Folge davon sind höhere Schlachtgewichte mit entsprechendem Futteraufwand. Nicht vermarktbare, weil zu schwere Tiere blockieren Stallflächen und verhindern planmäßige Neuaufstallungen.

Durch die ASP-Restriktionen für die Landkreise Bautzen und Görlitz dürfen Tiere aus diesen Regionen nur noch in wenigen Schlachthöfen verarbeitet werden. Die meisten Mastschweine werden aktuell nach Schleswig-Holstein gekarrt. Die langen Schlachtwege seien aber mit dem Anspruch auf Tierwohl nicht vereinbar, so der Landrat.

Landesregierung berät über Hilfsmöglichkeiten

Das angeschriebene sächsische Landwirtschaftsministerium teilte auf Anfrage mit, man sei zusammen mit dem für Seuchenbekämpfung zuständigen Sozialministerium seit einiger Zeit in Abstimmung, wie den betroffenen Landwirten geholfen werden könne. In Kürze sei mit einem Ergebnis zu rechnen, so ein Sprecher. Auch er verwies auf das Problem der fehlenden Schlachtkapazitäten und den weiten Wegen zu Schlachthöfen, die für Tiere aus ASP-Gebieten zertifiziert seien.

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: Problem hausgemacht

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die traditionelle Familienbetriebe der konventionellen und biologischen Landwirtschaft vertritt, hatte kürzlich im Zusammenhang mit dem ASP-Problem darauf verwiesen, dass die Verluste teilweise hausgemacht seien. Der Schweinesektor sei aus Sicht der Familienbetriebe über Jahre hinweg ökologisch und ökonomisch falsch aufgestellt worden, hatte Sebastian Kucka, AbL-Landessprecher Sachsen, gesagt. Die Mehrzahl der schweinehaltenden Aufzucht- und Mastbetriebe habe auf Masse produziert und über diese Menge an Tieren niedrige Gewinnspannen in Kauf genommen.

Fielen Exporte - beispielsweise nach China - durch die Afrikanische Schweinpest weg und setze der Handel zugleich auf mehr Tierwohl, gerate das fragile System aus den Fugen, so der AbL-Vertreter.

MDR (lam)

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