Herbergsbetrieb in der Corona-Pandemie Homeoffice in der Ferienwohnung in Schirgiswalde

Nichts geht in der Tourismusbranche. Hotels und Ferienanlagen sind wegen der Corona-Pandemie zu. Einzig für Geschäftsreisende gibt es noch die Möglichkeit der Übernachtung. Um irgendwie über die Runden zu kommen, suchen die Beherbergungsstätten nach Alternativen. So können seit diesem Jahr etwa im Trixipark in Großschönau und auf dem Gutshof in Schirgiswalde während des Lockdowns Feriendomizile als Homeofficebüro angemietet werden.

Die Chefin des Gutshofs in Schirgiswalde zeigt ein Ferienzimmer.
Während des Lockdowns bietet Anja Haschke vom Gutshof in Schirgiswalde die Ferienwohnungen als Homeoffice-Arbeitsplatz an. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Himmelblau leuchtet die Holzfassade des großen Bauernhauses. Auf dem Reitplatz hinter der Scheune trabt ein Mann auf seinem Schecken einige Runden. Tisch und Stühle in rustikaler Optik stehen neben einem Baum. Landidylle in der Oberlausitz. Erst im Mai vergangenen Jahres wurde nach umfangreicher Sanierung der Gutshof in Schirgiswalde als kleine Ferienanlage eröffnet. Ein Start direkt nach dem Ende des ersten Lockdowns. "Wir konnten bis Oktober Gäste empfangen und es lief sehr gut", berichtet Gutshofchefin Anja Haschke. Seit November ist nun erneut die gesamte Tourismusbranche stillgelegt. Ab und an verirren sich ein paar Geschäftsreisende nach Schirgiswalde und nehmen sich eine Ferienwohnung. Die Angestellten des Beherbergungsbetriebes befinden sich in Kurzarbeit.

Landidylle für kreative Pausen

Anja Haschke arbeitet während des Lockdowns viel von zu Hause aus. "Ich finde es sehr schwierig zu Hause zu arbeiten, wenn nebenbei die Waschmaschine läuft, einem die Katze auf den Schoß hopst und man eigentlich nicht wirklich den richtigen Platz hat, um sich auszubreiten", sagt die 32-Jährige. Aus dieser Situation heraus entstand eine neue Vermarktungsidee: Der Gutshof bietet aktuell seine elf Ferienwohnungen auch als Arbeitsplatz an. Homeoffice im Büro auf dem Land mit Internetzugang und herrlicher Umgebung für kreative Pausen, so Haschke.

Wir bieten jetzt Homeoffice in den Ferienwohnungen an und hoffen, damit die schwierige Zeit ein bisschen überbrücken zu können.

Anja Haschke Gutshof Schirgiswalde

Erster Gast aus Löbau

Felix Juhl, der in Löbau eine Werbeagentur führt, hat von der Möglichkeit über Instagram erfahren und es gleich mal ausprobiert. "Es war ein Experiment", berichtet der 39-Jährige. Für einen Tapetenwechsel, um mal rauszukommen, mietete er sich für zwei Tage ein. Es sei sehr nett gewesen, aber auch ein bisschen komisch, weil ja ringsum nichts aufhat. Juhl hat seinen Mitarbeitern, die teils im Homeoffice arbeiten, ebenfalls angeboten es auszuprobieren. "Aber bis jetzt hat sich noch keiner gemeldet", sagt er.

Haschke: Lösung mit Corona finden

Unterdessen hält sich Anja Haschke bereit, um endlich mit der Ferienanlage durchzustarten. "Alles ist vorbereitet und ich freue mich auf die Gäste", sagt sie mit einem Lächeln. Unter anderem gibt es viele Hochzeitsreservierungen. Aber die Dynamik der Corona-Neuinfektionen und die Unsicherheit über kommende Maßnahmen macht gerade solche groß geplanten Ereignisse zur nervlichen Zitterpartie. "Natürlich rufen die Bräute jetzt aufgelöst an und man heult zusammen am Telefon", sagt die Gutshofchefin. "Ich wünsche mir von der Politik, dass man eine Lösung mit Corona findet und nicht abwartet, bis irgendwelche Zahlen niedrig sind." Gerade Ferienwohnungen könne man gut nutzen, ohne mit anderen Gästen in Kontakt zu kommen, findet Haschke.

Im Moment hofft die 32-Jährige, dass der Guthof Mitte Mai für Urlauber wieder öffnen kann. Lohnt es sich da überhaupt, auf den letzten Lockdown-Meter noch Zimmer als Büroalternative anzubieten? "Auf jeden Fall", sagt Haschke. "Alles ist besser als Leerstand."

Das Hauptgebäude des Gutshofs Schirgiswalde von der Adolf-Kolping-Straße aus gesehen.
In Schirgiswalde wurde ein altes Bauerngehöft saniert und im Corona-Jahr 2020 als Ferienwohnanlage eröffent. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 16. April 2021 | 13:30 Uhr

6 Kommentare

Mediator vor 15 Wochen

@Wagner:
Kreativität ist wohl deutlich mehr als "Kunst vor Publikum" im engeren Sinne. Kreativität wird jedoch in jedem Unternehmen gebraucht um damit die Herausforderungen und Probleme der Gegenwart und Zukunft durch neue Ansätze zu lösen.

Warum also nicht sollte jemand der als Coronaschutzmaßnahme nicht in der Firma arbeitet und zu Hause durch den Alltag zu sehr abgelenkt ist, nicht für bestimmte stressige oder wichtige Phasen eines Prozesses in eine hübsche Ferienwohnung ausweichen? Letztendlich hängt es ja vom Preis ab und wer diesen zahlt. Auch Ferienhausbesitzer sind vielleicht kompromissbereit wenn sie in der "verbotenen Saison" trotzdem ein paar Einnahmen generieren können.

PS: Wo herrscht denn bei Behörden ein Vieraugenprinzip, wenn es nicht um sensible Bereiche geht?

Wagner vor 15 Wochen

Zu 1: das Hema war gestern bei Anne Will ,und zwar nicht als Nebenkriegsschauplatz . Passt daher.
Zu 2: es sollte schon klappen ,eine Meinung .ABER : Praxis : Homeoffice bei Behörden klappt nicht . Nicht nur meine Erfahrung.
Liegt vielleicht an den hierarchischen Strukturen ,des Vieraugenprinzips und was nicht alles .
Zu 3 : Kreative Berufe haben jetzt doch eher Berufsverbot , außer EDV zB . aber in welchem Verhältnis sehen Programmierer zu anderen Beschäftigten. Viele werden wohl eher in den 4 Wänden hocken usw.

Mediator vor 15 Wochen

@Wagner:
Wenn sie keine Überheblichkeit gegenüber Spitzenpolitikern, Frauen oder Grünen haben, warum machen sie dann so einen Nebenkriegsschauplatz auf, wenn es um kreative Ideen zum Homeoffice in geschlossenen Hotels geht?

Zum Homeoffice:
Warum sollte Homeoffice nicht auch bei Behörden funktionieren? Viele Vorgänge werden bei Eingang ja eh digitalisiert und stehen dann überall zur Verfügung. Nur weil ihre Antrag, warum auch immer, gefühlt zu lange dauert, ist ja nicht das Homeoffice schuld.

Zu den kreativen Pause:
Das wollen sie anscheinend falsch verstehen:
Da geht es nicht darum, dass man im Homeoffice die Füße hoch legt, sondern darum, dass bei der Verlegung des Homeoffice in eine Ferienwohnung in schöner Umgebung in seiner Pause mal kurz raus in die Natur kann, statt die Waschmaschine neu zu befüllen. Es soll Berufe geben, wo es mehr darauf ankommt kreativ zu sein als am laufenden Meter Akten zu fressen.

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