Bergbausanierung Weitere Rutschungen am Knappensee nicht ausgeschlossen

Das Ufer am Knappensee kommt offenbar nicht zur Ruhe. Laut Oberbergamt ist das Erdreich weiter in Bewegung. Deshalb hat der Bergbausanierer LMBV begonnen, Uferbereiche bei Groß Särchen mithilfe von Sandsäcken zu sichern.

Sandsäcke im Uferbereich mit Schwimmponton
Bildrechte: Thomas Schneider

Den 11. März werden Anwohner und Bungalowbesitzer so schnell nicht vergessen. Eine etwa 1.50 Meter hohe Flutwelle überrollte am Vormittag die Bungalowsiedlung bei Groß Särchen, ausgelöst durch eine gewaltige Rutschung am Ostufer zwischen Koblenz und der Siedlung Knappenhütte. Die Fachleute sprachen von einem sogenannten Setzungsfließereignis. Der gesamte Uferbereich auf einer Breite von 500 Metern mit einer Tiefe von 200 Metern verschwand im Knappensee. Teile des Waldes auf der angrenzenden Halde rutschten ebenfalls ab. Dabei standen die Sanierungsarbeiten am Knappensee vor dem Ende, denn in einem Jahr sollte der See wieder für die touristische Nutzung frei gegeben werden.

Ostufer ist weiter in Bewegung

Offenbar sind die Setzungsprozesse am Ostufer des Knappensees noch nicht zu Ende, denn es kommt nach Angaben des Oberbergamtes immer wieder zu Nachrutschen. Zudem sei durch den Abbruch des Uferbereiches ein gewaltiger Rutschungskessel entstanden.

An den steilen Flanken des Kessels können jederzeit wieder Erdmassen abbrechen. "Wind und Wellen können die Verursacher sein", erklärte ein Sprecher des Bergbausanierers LMBV. Unterdessen seien erste Lotungen zur Beurteilungen der Standsicherheit der Uferbereiche abgeschlossen worden. Die Messergebnisse werden derzeit ausgewertet. Weitere Lotungen sind vorgesehen.

Sandsäcke sollen für Sicherheit sorgen

Der Bergbausanierer LMBV hat nun begonnen, am Westufer bei Groß Särchen einen Wall aus Sandsäcke zu errichten. Mithilfe von Baggern auf schwimmenden Arbeitsplattformen werden sogenannte Sixpacks von der Seeseite aus auf das Ufer gehoben. Wie ein Sprecher des Bergbausanierers sagte, sei das eine Vorsichtsmaßnahme, um Freizeitanlagen und Bungalows sowie Gebäude zu schützen.

Blick von ehemaligen Kiosk auf den Strandbereich mit Sandsäcken und Rutschung
Ein Wall aus Sandsäcken soll die Gebäude am Westufer, wie hier den einstigen Kiosk, vor einer möglichen Flutwelle schützen. Bildrechte: Thomas Schneider

Möglicherweise war die Rutschung am Ostufer durch Sanierungsarbeiten ausgelöst worden. Der Bergbausanierer hat inzwischen die Arbeiten wieder aufgenommen und setzt die Uferverdichtungen fort. Nach der Rutschung Mitte März waren zunächst alle Arbeiten eingestellt worden.

Touristische Nutzung auf unbestimmte Zeit verschoben

Die geplante Freigabe des sanierten Knappensees für die touristische Nutzung am 1. April 2022 sei nicht mehr zu halten. Da ist sich der Bürgermeister von Lohsa, Thomas Leberecht, sicher. Deshalb überlege die Gemeinde zumindest Teilfreigaben für Uferbereiche zu beantragen, um einheimischen Unternehmen aus der Tourismusbranche oder Gastronomen zumindest eine Perspektive zu geben.

LMBV-Schild vor Bauzaun dahinter Sandsäcke
Der Abschluss der Sanierung des Knappensees verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Deshalb bleibt die Tafel auch nach dem ersten April im nächsten Jahr stehen und wird nicht abgebaut. Bildrechte: Thomas Schneider

Die sogenannte Knappensee-Rebellen, eine Gruppe von Anwohnern, hatten in den vergangenen Jahren die Sanierung und die Sicherung der Uferbereiche immer wieder als unnötig bezeichnet. Seit der gewaltigen Rutschung am Ostufer, einem geplanten Badebereich, haben sich die Sanierungskritiker nicht mehr zu Wort gemeldet.
Vielleicht auch deshalb: Die Gefahr am Knappensee ist offenbar noch nicht gebannt, denn im Oberbergamt rechnet man mit weiteren Rutschungen.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 20. April 2021 | 08:30 Uhr

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