Jahrestag Hoyerswerda sendet Grüße an frühere Vertragsarbeiter aus Mosambik

Die rassistischen Ausschreitungen gegen mosambikanische Vertragsarbeiter vor 30 Jahren gehören zu den Schandflecken der neueren sächsischen Geschichte. Die Initiative "Zivilcourage Hoyerswerda" nimmt den Jahrestag zum Anlass für eine Aktion, die per Video ein weltweites Publikum finden soll. Sie will damit auf noch immer bestehende Ungerechtigkeiten aufmerksam machen.

Schriftzug auf einem Platz
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Im September jähren sich die Ausschreitungen gegen mosambikanische Vertragsarbeiter in Hoyerswerda zum 30. Mal. Mit einer Kunstaktion auf dem Lausitzer Platz hat die Initiative "Zivilcourage Hoyerswerda" deshalb am Freitag eine "Geste der Freundschaft" nach Mosambik gesendet.

Wir haben mit übergroßen Papierbuchstaben eine Grußbotschaft auf den Platz gelegt: HOYERSWERDA SAÚDA M0ÇAMBIQUE. Das ist Portugiesisch und heißt: Hoyerswerda grüßt Mosambik.

Sabine Proksch Zivilcourage Hoyerswerda

Wie Initiatorin Sabine Proksch erklärte, sollte die Aktion gefilmt und dann auf der Plattform YouTube hochgeladen werden: "Wir stellen das Video dort ein, damit es weltweit zu sehen ist", so Proksch.  Ziel sei es, die ehemaligen mosambikanischen Vertragsarbeiter zu grüßen, die Ende der 1970er Jahre nach Hoyerswerda kamen und dort lebten und arbeiteten.

Arbeiter um Lohn und Rente geprellt

Nach den rassistischen Ausschreitungen vom September 1991 mussten die Vertragsarbeiter nach Mosambik zurückkehren - mitten in den Bürgerkrieg. "Sie leben dort immer noch in Armut. Die Ausbildung hier bei uns hat ihnen gar nichts genützt. Im Gegenteil. Sie werden auch von den eigenen Landsleuten abgelehnt. Obendrein sind sie um den Großteil ihres Lohns und ihre Rentenansprüche geprellt worden", berichtete Sabine Proksch und fügte an: "Das haben wir auch erst jetzt erfahren. Für uns war das ein Schock."

Es sei vorgesehen gewesen, dass sie 60 Prozent ihres Arbeitslohnes in Mosambik ausgezahlt bekommen. Das sei aber nie geschehen. "Deshalb treffen sich die früheren Arbeiter noch immer - seit 30 Jahren einmal die Woche in Maputo und kämpfen für ihre Rechte."

Themen-Wochenende im September

Das eigentliche Gedenken findet in Hoyerswerda vom 17. bis zum 19. September statt. Mit einem Themen-Wochenende will die Stadt an die fremdenfeindlichen Ausschreitungen erinnern. Unter dem Motto "Hoyerswerda 1991: Erinnerungen - Einsichten - Perspektiven" sind unter anderem Podiumsgespräche, ein Mahn-Spaziergang, eine Film-Premiere sowie eine Gedenkveranstaltung geplant, wie die Organisatoren mitteilten. Bei den Veranstaltungen sollen Zeitzeugen von allen Seiten miteinander ins Gespräch kommen - Gastarbeiter, Nachbarn, Polizisten, damalige Entscheider, vielleicht sogar Täter.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 16. Juli 2021 | 14:30 Uhr

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