27.06.2020 | 13:09 Uhr Verwenden statt verschwenden: Wie in Bautzen Lebensmittel gerettet werden

Was in vielen Großstädten erfolgreich praktiziert wird, kommt jetzt auch in die Oberlausitz: Das Foodsharing, also das Teilen von Lebensmitteln. In der Region Bautzen sind die Lebensmittelretter schon aktiv.

Vor ein paar Monaten erst ist Christin Wegner aus dem Raum Köln in ihre Oberlausitzer Heimat zurückgekehrt. Von dort hat sie die Idee des Foodsharing mitgebracht: Lebensmittel, die man selbst nicht mehr braucht, werden nicht in die Tonne geworfen, sondern man gibt sie kostenlos innerhalb eines Netzwerkes an andere ab. Organisiert wird dies innerhalb der Internetplattform Foodsharing, einer Initiative gegen Lebensmittelverschwendung.

Wie funktioniert Foodsharing?

offener Kühlschrank mit Lebensmitteln
Bildrechte: Colourbox.de

In Bautzen und Umgebung tauschen sich die inzwischen mehr als 250 Mitglieder des Netzwerkes über eine Facebook-Gruppe aus, die Christin Wegner ins Leben gerufen hat. Dort können sogenannte Essenkörbe eingestellt werden. "Wenn man zum Beispiel in den Urlaub fährt und noch den ganzen Kühlschrank übrig hat, dann stellt man einfach so einen Essenkorb online ein", erklärt Christin Wegner. Dafür mache man Fotos der Lebensmittel und beschreibe sie so gut wie möglich. Wer sie abnehmen möchte, der meldet sich kurz und holt das Essen ab. Wurst, Käse oder Obst müssen natürlich noch genießbar sein.

Wir verteilen nur Sachen, die wir selber auch noch essen würden.

Christin Wegner Lebensmittelretterin

Zusammenarbeit mit Geschäften und Restaurants

Neben dem privaten Teilen von Lebensmitteln wollen Christin Wegner und ihre Mitstreiter aber auch Reste von Restaurants, Gemüseläden oder Bäckereien vor der Tonne retten. Rechtliche Bedenken müssten die Geschäfte nicht haben, denn die Foodsaver übernehmen die Haftung für die abgeholten Lebensmittel, so die 32-Jährige.

Hendrik Müller vom Restaurant Grünschnabel in Bautzen hat sie mit der Idee schon überzeugt. Auch er will aus wirtschaftlichen und ethischen Gründen keine Lebensmittel wegwerfen. Deshalb hat Müller bereits in der Vergangenheit versucht, übrig gebliebenes Essen weiterzugeben, zum Beispiel an den benachbarten Jugendklub oder andere Bedürftige. Ab sofort gibt er jedoch seine Reste an die Lebensmittelretter. "Für uns ist das besser, weil wir jetzt einen zentralen Ansprechpartner haben, der immer erreichbar ist." Denn vorher sei es mitunter schwierig gewesen, die potentiellen Abnehmer ans Telefon zu bekommen, damit sie das Essen abholen.

Keine Tafel-Konkurrenz

Eines ist den ehrenamtlichen Lebensmittelrettern wichtig: Sie seien keine Konkurrenz zu den Tafeln, sagt Christin Wegner. Für die Tafeln würden sich oftmals kleine Abholmengen nicht lohnen, außerdem hätten sie in der Regel vorgegebene Abholzeiten. Die Lebensmittelretter seien dagegen zeitlich flexibel und auch am Wochenende einsatzbereit.

Wir nehmen die Lebensmittel mit, die sich für die Tafel nicht lohnen.

Christin Wegner Lebensmittelretterin

Nächstes Projekt: Der Fair-Teiler

Da das private Teilen in Bautzen und Umgebung schon gut läuft, arbeitet Christin Wegner schon am nächsten Projekt. Sie will in Bautzen einen sogenannten Fair-Teiler aufbauen, eine Art Umschlagplatz für Lebensmittel. In dem Regal oder dem Kühlschrank kann man seine übrig gebliebenen Lebensmittel deponieren, bis sie von jemand anderem mitgenommen werden.

Das geht natürlich nicht ohne Hygieneregeln. So werde einmal am Tag jemand nach dem Fair-Teiler schauen und kontrollieren, ob alles sauber ist, sagt die Lebensmittelretterin. Außerdem gebe es Regeln, was nicht in den Fair-Teiler gehöre: "Wir nehmen zum Beispiel keinen Alkohol entgegen oder Lebensmittel, die nicht mehr genießbar sind. Denn es soll kein Müllplatz werden, sondern ein Tauschplatz für Lebensmittel."

Einen Ort hat Christin Wegner auch schon gefunden: ein altes Posthäuschen im Bautzener Zentrum. Mit Geld aus dem Sächsischen Mitmachfonds wollen sie und ihre Mitstreiter es in den kommenden Wochen renovieren und darin den Fair-Teiler aufbauen.

Infoveranstaltung zum Foodsharing in Bautzen 11. Juli 2020 | 9 Uhr | Grüne Ecke, Wendische Straße 8

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.06.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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