Neue Investoren Leinenweberei in Neukirch aus Insolvenz gerettet

Noch im Sommer hatte es nicht gut für die Leinenweberei Hoffmann aus Neukirch ausgesehen, sie musste Insolvenz anmelden. Jetzt gibt es wieder eine Zukunft für den mehr als 100 Jahre alten Traditionsbetrieb. Die neuen beiden Eigentümer haben alle 17 Beschäftigten übernommen und wollen das Oberlausitzer Leinen wieder groß rausbringen.

Zwei junge Männer arbeiten an einer Webmaschine.
Die neuen Eigentümer der Leinenmanufaktur Hoffmann in Neukirch haben alle 17 Beschäftigten übernommen. Bildrechte: Leinenmanufaktur Neukirch

Seit November hat die Leinenweberei Hoffmann in Neukirch zwei neue Eigentümer und einen neuen Namen: Aus der Weberei ist die Leinenmanufaktur Hoffmann geworden. Alle 17 Beschäftigten inklusive Geschäftsführer und Auszubildendem können weiterarbeiten. Man wolle den Traditionsbetrieb jetzt weiterentwickeln, sagt der neue Gesellschafter Wigmar Bressel. Er hat gemeinsam mit einer Oberlausitzer Familie, die in Sachsen und Sachsen-Anhalt Pflegedienste betreibt, die Leinenweberei gekauft. Bressel selbst kennt sich mit Manufakturen aus: Er ist bereits Gesellschafter einer Besteckmanufaktur in Bremen und betreibt einen Internetblog zum Thema.

Insolvenz im Sommer

Das Unternehmen ist eine von nur drei Leinenwebereien in Deutschland. Es produziert vom Halbleinen-Geschirrtuch über hochwertige Bettwäsche bis hin zu technischen Geweben eine Vielzahl von Stoffen. In den vergangenen Jahren war es wegen steigender Materialpreise und Lieferproblemen bei Garnen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Schließlich musste die Leinenweberei diesen Sommer Insolvenz anmelden. Die neuen Investoren haben nun bereits erste Maßnahmen in die Wege geleitet, um den Weiterbetrieb zu sichern.

Regionales Leinen aus einheimischem Flachs

Laut Wigmar Bressel wird derzeit der Unternehmenssitz in Neukirch für den Winter ertüchtigt. Außerdem soll die Homepage und der Internetshop auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden. Im kommenden Jahr wolle man das Unternehmen für Oeko-Tex und Bio zertifizieren. In diesem Zusammenhang ist auch der Versuch geplant, aus dem einheimischen sächsischen Flachs regionales Leinen zu produzieren. Dafür will die Leinenmanufaktur auch Hochschulen und die sächsische Textilinitiative "lokaltextil" einbinden.

Geschichte der Leinenweberei Hoffmann Im Jahr 1905 gründeten der Fabrikant Karl-Gustav Scholze und der Kaufmann Martin Hoffmann die Leinenweberei.

Die Oberlausitzer Leinenwaren wurden in ganz Deutschland vertrieben. Zu den Kunden gehörte auch Luxushotels oder Ozeandampfer, deren Gäste in edler Leinenbettwäsche aus der Oberlausitz schliefen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Leinenweberei zunächst nicht verstaatlicht und produzierte Arbeitskleidung und vor allem Bettwäsche.

1972 blieb die Firma jedoch von der Verstaatlichungswelle nicht verschont und wurde zum VEB, der 1975 in das Kombinat "Wäsche Union" integriert wurde. Bis 1990 wurden täglich 20.000 Geschirrtücher produziert, die nach Westdeutschland exportiert wurden.

1994 erhielten der alte Eigentümer, die Familie Rentsch, die Leinenweberei zurück und startete mit 30 Mitarbeitern wieder die Produktion.

MDR (vis)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 22. November 2022 | 16:30 Uhr

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