Nach Insolvenz Neustart bei Ludwig Leuchten in Bergen gelungen

Nach dem Verkauf an eine Investorin aus China gibt es bei Ludwig Leuchten erste neue Jobs und eine neue Firmenphilosophie. Doch der Leuchtenspezialist im ostsächsischen Bergen hat Probleme bei der Materialbeschaffung.

Der Leuchtenspezialist Ludwig Leuchten in Bergen bei Hoyerswerda
Der Leuchtenspezialist Ludwig Leuchten musste Anfang des Jahres Insolvenz anmelden. Im März hat ihn eine chinesische Investorin gekauft. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Das Firmengebäude von Ludwig Leuchten im Gewerbegebiet von Bergen bei Hoyerswerda zeugt noch von besseren Zeiten: Als es vor mehr als 20 Jahren gebaut wurde, hat der ehemalige Eigentümer, die Familie Ludwig aus dem schwäbischen Mering, glänzenden weißen Marmor im Treppenhaus und in den Fluren des Verwaltungstraktes verlegen lassen. In den Produktionshallen steht eines der größten Hochregallager Sachsens, auch eine große Inhouse-Lackiererei gibt es. Weit mehr als 100 Beschäftigte haben hier damals Leuchten hergestellt.

Nicht fragen, sondern selbst entscheiden

Heute arbeiten nur noch 65 Angestellte bei dem Leuchtenspezialisten. Das sind schon 15 mehr als noch im März, als das Unternehmen an eine chinesische Unternehmerin verkauft wurde. Einer der Neuen ist Frank Munser-Herzog. Er soll das Marketing neu aufbauen. Ihn hat aber nicht nur diese Aufgabe gereizt, sondern auch die neue Unternehmenskultur, die Geschäftsführer Robert Ehlert eingeführt hat. Man habe sehr viele Freiheiten und könne auch wichtige Dinge schnell selbst entscheiden, meint Munser-Herzog. "Das Credo lautet: Nicht fragen, ob ich darf, sondern das Richtige machen und das sofort." Das sei ein echter Zeitgewinn.

Der Leuchtenspezialist Ludwig Leuchten in Bergen bei Hoyerswerda
Ludwig Leuchten fertigt 90 Prozent der Teile für seine Leuchten selbst. Auch die Gehäuse werden selbst produziert und erhalten in dieser Inhouse-Lackiererei ihre Farbe. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Chef setzt auf "Vertrauenskultur"

Für Geschäftsführer Robert Ehlert ist solch eine "Vertrauenskultur", wie er sie nennt, ein wichtiger Baustein für den Unternehmenserfolg. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin ihre Ideen für eine Neuerung sofort umsetzen können – egal, ob es sich um neue Produkte oder um andere Arbeitsabläufe handelt. Jeder könne sich ein Projektteam zusammenstellen und an seiner Idee arbeiten. Das Budget dafür sei da, erklärt Ehlert.

Geschäftsführer Robert Ehlert
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Es geht darum, dass Menschen ihre Lebenszeit, die sie mit Arbeit verbringen, sinnvoll einsetzen und dass sie Spaß bei der Sache haben.

Robert Ehlert Geschäftsführer Ludwig Leuchten

Materialbeschaffung schwierig

Misserfolge sind dabei einkalkuliert, denn auch Robert Ehlert weiß, dass nicht alle neuen Produktideen funktionieren. "Aber eine wird dabei sein, die funktioniert. Und die trägt die anderen mit."  

Über eine zündende Idee zur Materialbeschaffung würde sich der Geschäftsführer jetzt sicher besonders freuen, denn Ludwig Leuchten hat wie viele andere Unternehmen Probleme, an Teile zu kommen. Obwohl die Auftragslage gut sei, sei man wirtschaftlich noch nicht so erfolgreich, wie er sich das wünsche, sagt Ehlert. Man müsse deshalb auch auf Kurzarbeit zurückgreifen.

Wir haben aktuell fast 600.000 Euro in Produktion, können aber nicht fertigproduzieren, weil wir keine Teile bekommen. Lieferanten schicken uns heute Auftragsbestätigungen, aber ohne Liefertermin.

Robert Ehlert Geschäftsführer Ludwig Leuchten

Der Leuchtenspezialist Ludwig Leuchten in Bergen bei Hoyerswerda
Das Hochregallager zählt zu den größten in Sachsen. Zur Zeit fehlen jedoch viele Teile, da sie kaum lieferbar sind. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Bei Produkten gilt: Klasse statt Masse

Die neue chinesische Eigentümerin – die in ihrem Heimatland sehr bekannte Unternehmerin Wenhong Yu – unterstütze jedoch das Unternehmen, wo es geht, sagt Ehlert. Ihr Vorteil: Sie kann direkt in China mit den Lieferanten verhandeln. Ab Oktober wird außerdem ein neuer Einkaufschef kommen, der sich weltweit um die Materialbeschaffung kümmern soll. Ehlert hofft deshalb, dass sich die Lage damit entspannt. Außerdem hat er die Produktpalette stark reduziert. "Wir konzentrieren uns auf die wirklich ertragsstarken Produkte und die Nischenmärkte."

Dazu gehören unter anderem Spezialleuchten mit sonnenähnlichem Licht für Büros oder Reinraum-Leuchten. Auch neue Produkte sollen dafür sorgen, dass Ludwig Leuchten wieder auf stabile wirtschaftliche Füße gestellt wird. So wird es ab Januar unter anderem eine neuartige Oberflächenkontrollleuchte für die Automobil-Industrie geben.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 08. September 2021 | 16:30 Uhr

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen