Oberlausitz Petition gegen Wiederaufbau der Bismarck-Statue auf dem Czorneboh

Der AfD-nahe Gesangsverein Bautzener Liedertafel möchte das vor 70 Jahren zerstörte Bismarck-Denkmal auf dem Czorneboh wieder errichten. Kein Zeichen der Geschichtsaufarbeitung sehen darin einige Oberlausitzer, sondern vielmehr den Ausdruck einer verfehlten, rückwärtsgewandten Erinnerungskultur. Sie starteten jetzt eine Petition.

Eine Postkartenansicht vom Czorneboh mit der Bismarck-Statue
Ein Verein für Liedgut und Heimatpflege will auf dem Czorneboh das Bismarck-Denkmal wieder errichten. Das stößt auf Kritik. Bildrechte: privat

Mit einer Online-Petition sammeln Gegner des geplanten Bismarck-Denkmals auf dem Czorneboh bei Bautzen Unterschriften. Initiatoren sind drei Privatpersonen aus Bautzen und Umgebung. Nichts spreche gegen eine Aufarbeitung dieser historischen Episode und eine Beschäftigung mit der widersprüchlichen Person Bismarcks – in all ihren Facetten. Den Nachbau eines Heldenstandbildes aus der Kaiserzeit hielten die Unterzeichnenden jedoch für keinen angemessenen Umgang mit diesem historischen Erbe, heißt es in der Petition. Auch eine kritische Informationstafel würde die symbolische Wirkung eines fast drei Meter hohen preußischen Feldherrendenkmals nicht relativieren.

AfD-naher Gesangsverein will Statue wieder aufstellen

Der AfD- und Pegida-nahe Gesangsverein "Bautzener Liedertafel - Verein für Liedgut und Heimatpflege" hat bei der Bautzener Stadtverwaltung beantragt, auf eigene Kosten wieder eine Bismarck-Statue am Aussichtsturm auf dem Berge Czorneboh zu errichten. Diese war in den 1950-er Jahren zerstört worden. Die Stadt müsse sich im Anschluss nur um die weitere Denkmalpflege kümmern. Im Hauptausschuss wurde dieser Idee grünes Licht gegeben, im darauffolgenden Stadtrat die Entscheidung zunächst einmal vertagt.

Kritische Stimmen wegen minderheitenfeindlicher Politik

Vor allem von sorbischer Seite gibt es kritische Stimmen. So verurteilen Mitglieder des Sorbischen Instituts in Bautzen und des Sorbischen Dachverbandes Domowina die autoritäre, nationalistische und minderheitenfeindliche Politik des preußischen Ministerpräsidenten und deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck.

Zu den Erstunterzeichnern der Online-Petition gegen die Wiedererrichtung der Bismarck-Statue gehören der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik, der Direktor der Stiftung für das sorbische Volk, Jan Budar, sowie die Intendanten des Sorbischen Nationalensembles und des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters und mehrere sorbische Schriftsteller. Von kirchlicher Seite unterstützen unter anderem Christian Tiede, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Petri und Tilmann Popp, Superintendent im Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz, das Schreiben.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 03. November 2021 | 08:30 Uhr

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