Montagsproteste Tausende Oberlausitzer unterzeichnen Petitionen gegen Corona-Proteste

In mehreren Oberlausitzer Städten wollen Bürgerinnen und Bürger die Corona-Proteste in ihren Orten nicht länger unwidersprochen lassen. Sie bilden Bündnisse, um den montäglichen Demonstrationen etwas entgegenzusetzen. Mit offenen Briefen werben sie für mehr Solidarität. Tausende haben sich dem Aufruf bereits angeschlossen.

Zwei Einsatzfahrzeuge der Polizei versperren den Zugang zu einer Fußgängerzone
Bis hierher und nicht weiter: Bürgerinnen und Bürger aus der Oberlausitz sehen bei den Corona-Protesten Grenzen des Anstands und Respekts verletzt und wehren sich nun dagegen. Bildrechte: Lausitznews

Die Polizei stellt sich auf eine wachsende Zahl von Kritikern der Corona-Maßnahmen ein, die am Montagabend in der Oberlausitz auf die Straßen gehen. "Wir lassen alles zu, was erlaubt ist - unterbinden aber das, was nicht zulässig ist", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. Er rät den Protestteilnehmern, sich von Extremisten und Gewalt zu distanzieren: "Machen Sie keine gemeinsame Sache mit Personen, die Ihre Versammlung möglicherweise für sich und andere Ziele missbrauchen wollen."

Allein in Bautzen sind für den Abend des 13. Dezember neben der üblichen Protest-Kundgebung am Kornmarkt sechs weitere Versammlungen an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet angemeldet, teilt eine Sprecherin des Landratsamtes auf Nachfrage mit. In den vergangenen Wochen war Bautzen immer wieder Schwerpunkt der Proteste in der Oberlausitz.

Am vergangenen Montag zählte die Polizei hier gut 500 Teilnehmer, in Zittau knapp 400 und in Görlitz etwa 160. Aber auch in kleineren Orten wie Neugersdorf kamen rund 20 Menschen zusammen, um gegen die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie zu protestieren.

Bürgermeisterin von Ebersbach-Neugersdorf will wachrütteln

Nach diesen Versammlungen wurden Protestzettel und Plakate der Corona-Maßnahmen-Kritiker vor dem Rathaus in Ebersbach-Neugersdorf abgelegt. Darauf seien zum Beispiel durchgestrichene Impfspritzen abgebildet gewesen, berichtet Bürgermeisterin Verena Hergenröder. Auch Kerzen wurden dort abgestellt und zwar so, dass befürchtet werden musste, dass sie einen Brand verursachen könnten. Ein Feuerwehrmann, der am Abend vorbeikam, habe die Kerzen deshalb gelöscht und die Sache der Stadtverwaltung gemeldet, erinnert sich Hergenröder.

Ein Schild gegen die Vereinnahmung öffentlicher Plätze

Dieses Schild ließ Bürgermeisterin Verena Hergenröder am Rathaus der Oberlausitzer Kleinstadt anbringen, nachdem dort immer wieder Corona-Maßnahmen-Kritiker Kerzen und Plakate abgelegt hatten.
Dieses Schild ließ Bürgermeisterin Verena Hergenröder am Rathaus der Oberlausitzer Kleinstadt anbringen, nachdem dort immer wieder Corona-Maßnahmen-Kritiker Kerzen und Plakate abgelegt hatten. Bildrechte: Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf

Die Bürgermeisterin von Ebersbach-Neugersdorf will solche Protestzeichen nicht länger hinnehmen. Sie empfinde diese Form des Protests als "anmaßend". Sie betont: "Das ist unser Raum." Den will sie nicht zweckentfremdet sehen. Deshalb hat sie am Freitag ein Schild an der Rathaustür anbringen lassen. "Hier zünden wir die Kerzen an", steht in großen grünen Buchstaben darauf. Das Schild wirbt um Wertschätzung für alle, die im Gesundheitswesen arbeiten und erinnert an die Menschen, die im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind. Hergenröder sagt, sie will die Leute damit wachrütteln und eine "unsägliche Entwicklung aufhalten". Es gehe ihr darum, die Menschen zu erreichen, die still die Corona-Schutzmaßnahmen mittragen. Sie müssten lauter werden und dürften den Protest der Corona-Maßnahmen-Kritiker nicht unwidersprochen lassen.

Online-Petitionen als Ausdrucksmöglichkeit für die Stillen

Verena Hergenröder hat ihren Aushang anderen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in der Region zugesandt. "Als Anregung" was sich gegen die Vereinnahmung von Straßen und öffentlichen Plätzen durch Corona-Leugner tun lässt, sagt Hergenröder. Erste Bürgermeister hätten ihr bereits angekündigt, ihrem Beispiel zu folgen. Am Rathaus in Ebersbach-Neugersdorf soll das Schild mindestens bis zum Jahreswechsel hängen, erklärt Bürgermeisterin Hergenröder.

Auch in Bautzen und Zittau formiert sich Widerspruch gegen den Corona-Protest. In beiden Städten haben sich in den vergangenen Tagen Bürgerbündnisse gebildet. Am Sonntag veröffentlichten sie auf Petitionsplattformen im Internet einen offenen Brief und eine "Bautzener Erklärung". Darin heißt es: "Wir wollen es nicht weiter hinnehmen, dass die Protestler die Krise durch Egoismus befeuern." Der einzige Weg schnell aus der Pandemie herauszukommen, sei ein solidarisches Miteinander. Zuvor hatte es auch schon in Freiberg einen solchen offenen Brief gegeben.

Menschen stehen in einer Fußgängerzone am Abend und blicken feinlich in Richtung Kamera. Es sind Leute, die in Bautzen auf dwem kpornmakrt gegen Coronamaßnahmen am 13.12.2021 protestieren
Auch an diesem Montag fanden sich wieder hunderte Gegner der Corona-Maßnahmen in der Bautzener Innenstadt ein. Bildrechte: MDR

Ziel des Bautzener Bündnisses: Andere Bilder aus Bautzen liefern

Die Bautzenerin Katja Gerhardi gehört zu den Initiatorinnen. Bei der Vorstellung der Erklärung am Montagnachmittag vor Journalisten sagt sie, es mache sie fassungslos, dass bei den Montagsprotesten Regeln gebrochen würden, die dazu dienen sollen, die Pandemie schnell hinter uns zu bringen.

Es ist für uns nicht mehr hinnehmbar, dass Montag für Montag Begriffe wie Liebe, Wahrheit, Gemeinschaft und Friede in Anspruch genommen werden, um unter deren Deckmantel nichts Anderes zu tun als Hass und Hetze, Lügen, Beleidigungen und Unwahrheiten in Mikrofone und Megafone zu plärren.

Katja Gerhardi – Mitinitiatorin des Bündnisses "Bautzen gemeinsam"

Bautzen sei kein Zentrum für Corona-Leugner und Rechtsextreme. Das wolle das Bündnis "Bautzen gemeinsam" deutlich machen. Dazu seien auch Aktionen in der Innenstadt in Vorbereitung. Der Bautzener Unternehmer Heinrich Schleppers kündigt an, man werde den Kornmarkt wiedergewinnen.

Band Silbermond unter den Erstunterzeichnern der Bautzener Erklärung

Die Bilder, die in den vergangenen Wochen montags von Bautzen in die Welt gingen, sollen nicht die Bilder sein, die ihre Stadt präsentieren, erklären die Initiatoren. "Es kann nicht sein, dass die normale Stadtbevölkerung montags ab 17 Uhr die Bürgersteige hochklappt, dass Menschen Umwege in Kauf nehmen um nach Hause zu kommen, weil sie sich nicht mehr trauen, durchs Stadtzentrum zu laufen", betont Katja Gerhardi. "So wollen wir in dieser Stadt nicht miteinander leben." Es seien Grenzen verletzt worden, Grenzen des Anstands und Respekts, so Gerhardi weiter.

Die Initiatoren des Bündnisses "Bautzen gemeinsam" hätten dabei nicht länger tatenlos zusehen können. Für Lutz Hillmann, den Intendanten des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters sei dieser Punkt erreicht gewesen, als vor seinem Theater gegen die 2G-Regel protestiert wurde. "Das geht einem schon nahe und man denkt darüber nach", sagt Hillmann. Er habe sich deshalb "vorbehaltlos" der Bautzener Erklärung angeschlossen. Neben ihm gehören 80 Bautzener Bürgerinnen und Bürger zu den Erstunterzeichnern - darunter Ärzte, Unternehmer, Pfarrer, Vereins- und Verbandsvorsitzende und die Bautzener Band Silbermond. Im Internet haben die Erklärung bis zum Montagabend rund 2.000 Menschen unterschrieben.

Licht aus für Corona-Protest in Zittau

Ein ähnlich lautender Brief aus Zittau hat bereits mehr als 1.300 Unterstützerinnen und Unterstützer. Sven Rössel, der Leiter der Kreismusikschule Dreiländereck, hat ihn veröffentlicht. Formuliert hat ihn eine Initiative von rund 40 Zittauer Bürgerinnen und Bürgern. "Wir wollen damit den ruhigeren Menschen eine Ausdrucksmöglichkeit geben", sagt Rössel. Denn sich neben die Protestversammlungen stellen und widersprechen, gehe wegen der aktuellen Corona-Einschränkungen nicht.

Um den Protestlern keine Bühne zu geben, ruft die Initiative außerdem dazu auf, montags von 17 bis 20 Uhr die Lichter in der Innenstadt auszuschalten. Ihnen gehe es da vor allem um die Weihnachtsbeleuchtung, erklärt Sven Rössel. Christliche Symbolik und Versammlungen, auf denen lauthals "Widerstand" skandiert werde, das geht für Rössel nicht zusammen.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 13. Dezember 2021 | 15:00 Uhr

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