30.11.2019 | 17:10 Uhr | Update Kohle-Gegner dringen in Tagebaue ein - Leag und Mibrag drosseln Produktion

Tausende Kohle-Gegner sind am Sonnabend in Tagebaue in der Lausitz und im Leipziger Revier eingedrungen. Die Protestierer rannten auf die Gelände der Brandenburger Tagebaue Jänschwalde, Welzow-Süd und Vereinigtes Schleenhain in Sachsen, wie das Bündnis "Ende Gelände" und das Energieunternehmen Leag übereinstimmend mitteilten. Den Versuch, auch in das Kraftwerk Jänschwalde einzudringen, wehrte die Polizei mit einem Großaufgebot ab.

Inzwischen sind die Proteste beendet. Die Aktionsgruppe "Ende Gelände" sprach von insgesamt 4.000 Teilnehmern.

Wir sind zufrieden mit der erfolgreichen Aktion und glücklich, dass wir heute ein so starkes Zeichen für Klimagerechtigkeit setzen konnten. 4.000 Klimaaktivisten und Aktivistinnen haben heute gemeinsam Kohleinfrastruktur blockiert. Wenn politisch Verantwortliche dabei versagen, das Klima und unsere Lebensgrundlagen zu schützen, dann setzen wir den Kohleausstieg selbst um.

Nike Mahlhaus Bündnissprecherin

Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei

In Jänschwalde kam es zu Rangeleien zwischen Polizei und Aktivisten. Dabei seien drei Beamte leicht verletzt worden, sagte Brandenburgs Polizeisprecher Torsten Herbst. Im Südraum Leipzig hätten die Protestierer gewaltsam und mit Schlägen und Tritten Polizeiketten durchbrochen. "Die Friedlichkeit können wir nicht bestätigen", sagte Polizeisprecher Andreas Loepki zu Äußerungen von "Ende Gelände" vorab, dass es keine Aktionen gegen Menschen geben werde. Die Polizei werde sich selbst nicht in Gefahr bringen, so Loepki. Deswegen seien die Beamten den Aktivisten auch nicht hinterher gerannt, als sie auf das Tagebaugelände Vereinigtes Schleenhain stürmten.

Bündnis-Sprecherin Sina Reisch sagte dagegen, dass die Polizei durchaus grob gegen die Demonstranten vorgehe. "Es sind zum Beispiel Leute aus einer Blockade rausgezogen worden, die einfach nur da saßen." Zu eventuellen Schlägen und Tritten könne sie nichts sagen.

Leag und Mibrag erstatten Anzeige

Die Proteste richteten sich gegen die Klimapolitik der Bundesregierung. Die Aktivisten fordern einen sofortigen Kohleausstieg. Ziel der Bundesregierung ist ein Kohleausstieg bis 2038. In Sachsen hatten mehrere Landkreise vorab das Versammlungsrecht beschränkt. Die Verwaltungsgerichte in Leipzig und Dresden bestätigten die Allgemeinverfügungen. Das hielt die Protestierer allerdings nicht zurück. "Ende Gelände" sprach von etwa 1.000 Menschen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain südlich von Leipzig. Je 500 drangen zudem in die Brandenburger Tagebaue Jänschwalde und Welzow-Süd ein. Die Polizei sprach jeweils von mehreren Hundert Menschen.

Auch die Kohle-Bahn zum Kraftwerk Jänschwalde wurde blockiert. Das Kraftwerk sicherte die Polizei mit einem Großaufgebot ab. Der Betreiber Leag erstattete deswegen Anzeige. "Wir werden rechtliche Mittel konsequent gegen jeden anwenden, der die Grenzen unseres Betriebsgeländes missachtet", teilte das Unternehmen mit. Auch die Mibrag teilte mit, wegen der Protestaktion in Neukieritzsch Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zu erstatten. Laut Mibrag wurde die Braunkohleförderung aus Sicherheitsgründen eingestellt, weil ein Kohlebagger blockiert wurde.

Kohle-Kumpel halten Mahnwache ab

Das Energieunternehmen Leag fuhr das Kraftwerk Jänschwalde wegen der Blockaden auf ein Minimum herunter. Durch die Besetzung der Gleise werde der Kohle-Nachschub unterbrochen, erläuterte Leag-Sprecher Thoralf Schirmer. Es gehe darum, mit der Kohle, die im Kraftwerk lagert, zu haushalten. Davon hänge die Fernwärmeversorgung der Städte Cottbus und Peitz ab.

In Jänschwalde hielten am Morgen Kohle-Kumpel eine Mahnwache ab, um für den Erhalt der Tagebaue zu werben. "Wir lassen die Lausitz nicht ausradieren", stand auf einem Transparent der Bergleute.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 30.11.2019 | 19:00 Uhr

477 Kommentare

Ekkehard Kohfeld am 02.12.2019

Wissen sie ein E-Ingenieur das zu unterstellen der genau in dieser Branche tätig ist schon Anmaßung vom feinste lieber Beo.
😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣😣

DER Beobachter am 02.12.2019

Der Heizwert der deutschen Braunkohle insgesamt und in jedem einzelnen Revier liegt deutlich unter dem von 2006. Auch hat sich das Verhältnis Abraum zu Kohle tw. verschlechtert. Die Eckwerte sind im Lausitzer Revier noch deutlich schlechter als in anderen Revieren, zudem ist hier das Grundwasserproblem stärker und der Schwefel- und Wassergehalt deutlich schwieriger. Vattenfall hat das aus gutem Grund abgestoßen und auch die neuen Betreiber wollten Jänschwalde und die zugehörigen Tagebaue nicht länger als bis Mitte der 20er betreiben. Und es gibt Reviere, freilich nicht bei uns "dummen Ossies", die sind trotz deutlich besserer Eckwerte geschlossen worden, weil nicht weiter durchsetzbar...

Micky Maus am 02.12.2019

"Es war schwerer hausfriedensbruch, nicht landfriedensbruch!"

das ist ja schon mal schön, das sie zu der Einsicht kommen das es schwerer Hausfriedensbruch war! LOL :-)

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen