Gewaltverbrechen Großröhrsdorf trauert um getötetes Mädchen

Die Tat ereignete sich mitten im Wohngebiet und am hellichten Tag. Am Mittwoch ist in der sächsischen Kleinstadt Großröhrsdorf im Landkreis Bautzen ein 16 Jahre altes Mädchen getötet worden. Die Menschen sind bestürzt über diese Gewalttat.

Der Tatort ist ein Garagenkomplex mitten in der Kleinstadt.
Zwischen zwei Garagenreihen in Großröhrsdorf ist am Mittwochnachmittag eine 16-Jährige von einem noch flüchtigen Täter tödlich verletzt worden. Bildrechte: Tino Plunert

Es ist ruhig am Donnerstag in Großröhrsdorf. Nicht, dass es in der Kleinstadt sonst laut und hektisch zugehen würde. Aber an diesem Tag ist die Ruhe bedrückend. Ingrid Karsch schneidet auf dem Balkon am Wohnblock Blumen. Ihr Blick schweift hinüber zu den nur wenige Meter entfernt liegenden Garagen, die zum Tatort eines Gewaltverbrechens wurden. Flatterband der Polizei sperrt eine Ecke ab. Vor einem grauen Garagentor brennt ein Grablicht. "Das Innere ist ein bisschen unruhig, wenn man so eine Situation hier vor sich hat", sagt die Anwohnerin.

Ärzte konnten nichts mehr tun

Am Mittwochnachmittag gegen 15:45 Uhr hatte ein Mann die Polizei nach Großröhrsdorf alarmiert, weil eine schwer verletzte junge Frau an den Garagen liege. Rettungskräfte fanden daraufhin das Mädchen in einem extrem kritischen Zustand. Es musste reanimiert werden. Doch die ihr zugefügten Verletzungen waren so schwer, dass die 16-Jährige wenig später im Krankenhaus starb.

Trauer in der Nachbarschaft

"Es ist traurig. So ein junges Mädchen. Es hat sein Leben noch vor sich gehabt", sagt Michael Roch. Hier seien öfter Jugendliche, die ihre Runden drehen. Sie seien freundlich, nett, hätten keinen Blödsinn im Kopf, berichtet der Garagenmieter. Er hoffe, dass es keiner von ihnen war.

Einige Meter weiter wartet Edelgard Portmann vor ihrem Haus, um zum Arzt gefahren zu werden. Sie könne nicht fassen, dass hier so etwas passiert, sagt die Seniorin. "Gestern Abend, als ich es erfahren hatte, hatte ich schon ein bisschen Angst gehabt. Meine Nachbarin hatte mich angerufen: Die hatte gesagt, mach ja nicht auf, wenn's klingelt." Man sehe die Verbrechen immer im Fernsehen, aber wenn man das in der Nachbarschaft miterlebe, das sei schlimm.

Überall ist Polizei

Während die Großröhrsdorfer fassungslos sind und trauern, fahndet die Polizei nach dem Täter. Er ist noch unbekannt, nach Angaben der Polizei männlich und auf der Flucht. In der ganzen Stadt sind die Einsatzwagen präsent. In der Nähe der Garagen wird akribisch nach Spuren gesucht. Polizisten kippen selbst die Mülltonnen am Straßenrand aus. Vielleicht hat der Täter hier auf die Schnelle ein Beweisstück entsorgt, die Tatwaffe etwa?

Polizisten durchsuchen Mülltonnen in der Nachbarschaft nach Beweisstücken.
Polizisten durchsuchen Mülltonnen in der Nachbarschaft nach Beweisstücken. Bildrechte: xcitepress

Ermittler der Mordkommission befragen die Nachbarn, vernehmen Zeugen und gehen jedem Hinweis nach, wie Polizeisprecher Kai Siebenäuger von der Polizeidirektion Görlitz berichtet. Zum Hintergrund der Tat werde im näheren Umfeld des Opfers ermittelt. Dass es sich bei der Tatwaffe um ein Messer handeln könnte, wollte Siebenäuger noch nicht so bestätigen.

Verbrechen hat alle mitgenommen

"Es ist ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass der Täter noch frei rumläuft", sagt ein 15-Jähriger, der mit seinen Kumpels unterwegs ist. An der Oberschule, auf die das getötete Mädchen ging, ist am Donnerstag ein planmäßiger Unterricht nicht möglich. Das Verbrechen hat alle mitgenommen. Vor dem Schulhaus wartet Margit Grafe, um ihre Enkelin abzuholen. "Es ist erschütternd, dass so etwas am hellerlichten Tag passiert", sagt sie.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport | 16. September 2021 | 16:30 Uhr

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