Tourismusgutachten Zusätzliche Spreebrücke: Mehr Gäste für Bautzen?

Visualisierung der geplanten Spreebrücke in Bautzen
Bildrechte: Hentschke Bau & Ehrlich Architekten

Bautzen könnte jährlich bis zu 300.000 Touristen mehr in die Stadt holen. Eine zusätzliche Fußgängerbrücke über das Spreetal könnte dazu beitragen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das eine Düsseldorfer Beratungsgesellschaft im Auftrag der Stadtverwaltung erstellt hat. Das 49-seitige Dokument ist jetzt auf der Internetseite der Stadt Bautzen abrufbar.

Das Gutachten sollte ermitteln, welchen touristischen Mehrwert eine Brücke für Fußgänger vom Protschenberg zur Ortenburg schafft. Grundlage der Auswertung war unter anderem eine Befragung von Gastronomen und Händlern der Bautzner Altstadt. Rund zwei Drittel von ihnen rechnen damit, dass die Altstadt durch die Brücke belebt und der eigene Betrieb davon profitieren würde.

Mehr Aufmerksamtkeit für Bautzen?

Die Gewerbetreibenden sehen vor allem im direkten Zugang zum Parkplatz an der Schliebenstraße einen Vorteil für ihre Kunden. Wie das Gutachten aufzeigt, würde sich die Wegstrecke vom Touristenparkplatz nahe der Autobahn bis zur Ortenburg um rund zwei Drittel verkürzen. Dass Gäste damit entspannter in die Altstadt gelangen, könnte sich positiv auf deren Einkaufslaune auswirken, heißt es im Gutachten.

Das Neubauvorhaben sei außerdem dazu geeignet, die "Aufmerksamkeit von außen auf die Stadt zu erhöhen", stellen die Gutachter fest. Im März präsentierten sie ihre Ergebnisse im Beirat für Stadtentwicklung. Dazu waren auch die Stadträte eingeladen. Auch Roland Fleischer, Fraktionsvorsitzender der SPD, hörte dort zu. Die Ergebnisse des Gutachtens hätten ihn in seiner Haltung zu dem Projekt bestärkt.

Fleischer befürwortet den Bau der Brücke als einen bedeutenden Pfeiler für die Weiterentwicklung der Stadt. "Die Brücke brächte mit Sicherheit mehr Touristen in die Stadt", gibt sich Fleischer überzeugt. Entscheidend sei aber, dass die Finanzierung für das Projekt gesichert werden kann. Da stünden die Signale gut, sagt Fleischer. Das Land habe eine hohe Förderung des Bauvorhabens in Aussicht gestellt. Wenn es das Fördergeld gibt, dann sollte die Stadt die Brücke bauen, bekräftigt der SPD-Stadtrat.

Visualisierung der geplanten Spreebrücke in Bautzen
Die neue Fußgängerbrücke würde eine direkte Verbindung zwischen dem Parkplatz Schliebenstraße und der Ortenburg schaffen und Fußgänger schneller in die Innenstadt bringen. Bildrechte: Hentschke Bau & Ehrlich Architekten

CDU-Stadträtin: Einfluss der Brücke auf Gästezahlen unklar

Katja Gerhardi von der CDU ist da skeptischer. Das Gutachten habe sie enttäuscht. Es erkläre nur unzureichend, in welchem Maße die Brücke die Entwicklung der Gästezahlen beeinflussen könnte. Auch auf ihre Nachfrage hin, hätten die Gutachter darauf keine zufriedenstellende Antwort gefunden, sagt Gerhardi. Das Fazit der CDU-Fraktionsvorsitzenden: Auch unabhängig von der Brücke könnten sich die Gästezahlen weiter gut entwickeln. Welchen Anteil die Brücke daran hat, das lässt sich gar nicht auflösen.

Gerhardi stört außerdem, dass das Gutachten die Brücke bereits als "ein architektonisch herausragendes Element der städtebaulichen Gestaltung Bautzens" sieht. "Wir wissen doch aber noch gar nicht, wie die Brücke einmal aussehen soll", sagt Katja Gerhardi. Bislang existierten von dem Projekt nur Computeranimationen. Die Entwurfsplanung hat die Stadt gerade erst ausgeschrieben. Gerhardi ist durch das Gutachten außerdem klar geworden, dass von der Brücke ein sehr kleiner Teil Bautzens rings um die Ortenburg profitieren würde. Dieser Landsporn ist derzeit nur von einer Seite gut zu erreichen. Die Brücke würde einen neuen Zugang schaffen.

Bürgerentscheid zum Vorhaben erst zum Jahresende

Ob die Brücke tatsächlich kommt, das sollten nach Ansicht beider Stadträte aber sowieso die Bürgerinnen und Bürger entscheiden. Im Spätherbst könnte der Stadtrat einen Entscheid dazu anstoßen. Dann könnten laut Stadtverwaltung die Ergebnisse der Vor- und Entwurfsplanung vorliegen. Dabei sollen auch unterschiedliche Brückenvarianten geprüft werden. "Für einen Bürgerentscheid braucht man Fakten", sagt SPD-Stadtrat Roland Fleischer. Mit dem nun vorliegenden Gutachten zur touristischen Wertschöpfung habe die Stadtverwaltung eine erste Entscheidungsgrundlage geliefert.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.04.2021 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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