Stadtarchiv Post von Papst und Kaiser: Urkunden-Schatz in Bautzen gesichert

Historische Schriftstücke sind wichtige Zeugnisse der Vergangenheit. Um sie der Nachwelt zu erhalten, müssen sie sachgerecht verstaut werden. Doch das kostet Geld.

Ursula Hartwieg von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts in Berlin (v.l.), Grit Richter-Laugwitz vom Archivverbund Bautzen und Michael Vogel von der sächsischen Landesbibliothek Slub in Dresden halten eine Urkunde von Kaiser Rudolf II. aus dem Jahr 1585.
Ursula Hartwieg von KEK (v.l.), Grit Richter-Laugwitz vom Archivverbund Bautzen und Michael Vogel von der Slub Dresden halten eine Urkunde von Kaiser Rudolf II. aus dem Jahr 1585. Bildrechte: Stadtverwaltung Bautzen

Das Stadtarchiv Bautzen kann einen mehrere hundert Jahre alten, wertvollen Schatz Oberlausitzer Landesgeschichte erwerben. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, steht Geld zur Verfügung, um 724 Pergamenturkunden sowie 3.820 Papierurkunden eine archivgerechte Verpackung und Lagerung zu ermöglichen. Die teils mit beeindruckend großen Siegeln versehenen Schriftstücke stammen aus der Zeit von 1256 bis 1902.

Kunde von Kurfürst, König, Kaiser und Papst

Viele Urkunden zeugen von der Zeit des historischen Markgraftums Oberlausitz mit seiner Hauptstadt Bautzen, heißt es in einer Information der Verwaltung. Die Oberlausitz sei über viele Jahrhunderte ein selbständiges Territorium mit eigenen Machtorganen und eigener Verfassung gewesen. Der Vertreter des Landesherrn, der Landvogt, saß in der Bautzener Ortenburg.

"Diese besondere historische Situation spiegelt sich bis heute im Bestand des Stadtarchivs wider, hier finden sich neben zwei Papsturkunden auch 100 Kaiserurkunden, 374 Königsurkunden sowie 83 Urkunden der Kurfürsten", heißt es weiter. Eine frühere unsachgemäße Lagerung habe jedoch zu Schäden an den Urkunden geführt - wie Risse, Schriftverlust oder zerbrochene Siegel.

Erst waren sie im Rathaus, dann gab es verschiedene Zwischenlager, dann kamen die Urkunden auf die Ortenburg, die ab 1986 baupolizeilich gesperrt war. Der Putz rieselte auf die Archivalien.

Grit Richer-Laugwitz Archivverbund Bautzen

Restaurierung alter Einwohnerlisten

200 der ältesten Dokumente wurden laut der Stadt Bautzen gerettet. Für mehr fehlte das Geld. Nun können mit Bund- und Landesmitteln in Höhe von 40.000 Euro sowie Eigenmitteln in Höhe von 10.300 Euro alle Urkunden gesichert werden.

Außerdem wurden im vergangenen Jahr mit Fördergeldern von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) in Berlin 16 besonders schwer geschädigte historische Ratsprotokolle restauriert. In diesem Jahr wird des Weiteren die Restaurierung der ältesten Einwohnerlisten der Stadt Bautzen, der sogenannten Geschosssteuerlisten gefördert.

Urkunden, unter anderem vom Markgrafen Otto und Konrad von Brandenburg aus dem Jahr 1284, liegen auf einem Tisch.
Urkunden, unter anderem vom Markgrafen Otto und Konrad von Brandenburg aus dem Jahr 1284, liegen auf einem Tisch. Bildrechte: Stadtverwaltung Bautzen

Quelle: MDR/ma/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 15. Oktober 2021 | 05:30 Uhr

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