Strukturwandel Hoyerswerda soll Modellstadt für Bildung werden

Mehrere Schulen, zahlreiche Kindergärten, hinzu kommt eine Bibliothek, eine Volkshochschule und vielzählige Bildungsangebote. Hoyerswerda ist im Bereich der Bildung gut aufgestellt. Deswegen will die Stadt nun Modellprojekte umsetzen, auch um den Strukturwandel voranzutreiben. Die Pläne und Ideen wurden am Montag auf einer Bildungskonferenz in der Stadt besprochen.

Strukturwandel Bildungskonfernez Hoyerswerda
Für Hoyerswerdaers Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (CDU) ist Bildung die Schlüsselkompetenz für den Strukturwandel. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

"Die Erwartungshaltung [an diese Veranstaltung] ist vermutlich hoch", fasst Bürgermeister Mirko Pink die Anspannung im Saal zusammen. Hoyerswerda, macht Pink klar, verstehe sich als bildungsaktive Stadt und genau deswegen sollen durch die Bildungskonferenz Impulse gesetzt werden, um den Strukturwandel voranzutreiben. Denn "mit der Bildung fängt alles an", so Pink. "Mit den jungen Leuten beginnt die Zukunft."

Bildungsstadt Hoyerswerda

Strukturwandel Bildungskonfernez Hoyerswerda
Vertreter aus Politik und Stadtgesellschaft berichteten auf der Bildungskonferenz von ihren Ideen und Vorstellungen zum Strukturwandel und schilderten, welche Rolle Bildung dabei spielen kann. Bildrechte: Corinna Stumpf/Stadtverwaltung Hoyerswerda

15 Schulen, 20 Kitas, eine Musikschule, eine Bibliothek und eine Volkshochschule. Das Einzige, was in Hoyerswerda fehlt, sei eine Universität, scherzt Pink. Ansonsten zählen die städtischen Bildungseinrichtungen zu den Vorreitern in Sachen Digitalisierung. In den Klassenzimmern werden längst Notebooks und Tablets eingesetzt sowie auf digitalen Lernplattformen kommuniziert. Zahlreiche Ganztagsangebote erweitern das Bildungsgeschehen. Die Ausgangsbedingungen seien ideal, so Pink und "werden dabei helfen, den Strukturwandel zu meistern".

Bildung ist Schlüsselkompetenz

Stichpunktzettel an Pinnwand
Zahlreiche Vorschläge konnten die Teilnehmer der Bildungskonferenz einbringen. Die Ideen sollen nun in der Praxis erprobt werden. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Aber wie kann der Strukturwandel konkret gelingen? Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) hat darauf eine klare Antwort: "Wir brauchen Perspektiven in der Arbeit, in den weichen Standortfaktoren, dass man hier gut und gerne leben kann und wir brauchen gute Adern in die großen Städte". Doch für die Umsetzung dieser Visionen brauche es Menschen, die mit anpacken. Und dabei spiele Bildung eine besondere Rolle. Denn Bildung heißt nicht nur Schule und Unterricht, mit dem Ziel eines möglichst hohen Abschlusses, so Ruban-Zeh. Vielmehr ginge es darum, dass die Heranwachsenden lernen, mit dem Wandel umzugehen. Teilhabe und Zusammenhalt stehen im Mittelpunkt.

Evelyn Scholz von der städtischen Koordinierungsstelle ergänzt: "Die Jugendlichen müssen lernen, wie sie mit Veränderungen umgehen und sich aktiv einbringen können". Dafür sei es wichtig, "dass die jungen Menschen wissen, was es alles in der Stadt gibt und erst dann werden sie sagen, dass es hier schön ist und sie hier bleiben wollen". Dafür müsse mehr auf Ganztagsangebote und Praktika in Unternehmen gesetzt werden, so Scholz.

Bildung ist wichtig, damit die Jugendlichen den Wandel aktiv gestalten können.

Evelyn Scholz Koordinierungsstelle Bildung Stadt Hoyerswerda

Modellprojekt: Bildungsstadt

Bildung, oder im weitesten Sinne gesellschaftliche Teilhabe, soll der Motor des Strukturwandels werden, macht Scholz ihre Ambitionen klar. Nach ein paar einführenden Worten und Impulsvorträgen zum Thema Strukturwandel wird deswegen hart diskutiert. Überall in der Lausitzhalle in Hoyerswerda sitzen kleine Gruppen mit den unterschiedlichsten Akteuren aus Verwaltung, von Vereinen oder der Unternehmerschaft. Gemeinsam reden die Teilnehmer über konkrete Ideen, wie beispielsweise kulturelle Angebote künftig verbreitet werden können, um mehr Menschen zu erreichen. Oder wie die Stadtverwaltung kommunale Projekte kommunizieren und Bürger einbinden soll. Und, so der Wunsch vieler Akteure, der Strukturwandel soll stärker im Mittelpunkt stehen. Außerdem sollen vermehrt Diskussionsrunden vor allem für jüngere Schülerinnen und Schüler entstehen.

Bilanz nach sechs Monaten

Diese Ideen sollen sich nun in der Praxis bewähren, so Scholz. Eine Gruppe will beispielsweise einen Instagram-Kanal aufbauen, um jungen Menschen Stellenausschreibungen von lokalen Unternehmen zu präsentieren. Andere wollen die Sichtbarkeit von Veranstaltungen und Bildungsangeboten erhöhen und dafür eine eigene Website erstellen. Und eine dritte Gruppe plant beispielsweise, Jugendliche zu fragen, was sie bewegen würde, in der Stadt zu bleiben und nicht wegzuziehen. Die Koordinierungsstelle Bildung unterstützt die Teilnehmer der Konferenz bei der Umsetzung dieser Ideen und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Nach sechs Monaten wollen die Initiatoren ein Resümee ziehen.

"Zumindest kann man den Prozess gut auf andere Städte übertragen", ist sich Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sicher. Es sei ein gutes Beispiel, "dass die Akteure in Hoyerswerda zueinander gefunden haben und nun gemeinsam Dinge auf die Beine stellen". Der CDU-Politiker ist sich sicher, dass durch diese Ideen Wissen, Kompetenzen und Werte der jungen Menschen gestärkt werden könnten und hofft, dass sich die Jugendlichen dadurch stärker mit der Region identifizieren. Die Bildungskonferenz solle auf jeden Fall auch im kommenden Jahr stattfinden und verschiedenste Akteure an einen Tisch holen.

MDR (fg)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 02. Mai 2022 | 09:30 Uhr

1 Kommentar

Tacitus vor 2 Wochen

Die Menschen brauchen Arbeitsplätze, Industrieansiedlungen, wenn ein Strukturwandel gelingen soll. Mit ein paar Allgemeinplätzen zur Rolle von Bildung und Kultur wird es keinen Strukturwandel geben. Der Artikel ist zwar land, aber er enthält keine einzige (!) Idee dazu.

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