Gesellschaftliches Engagement Bürger von Hoyerswerda nehmen Strukturwandel selbst in die Hand

Strukturwandel in der Lausitz. Dahinter verbirgt sich mehr als Fördermilliarden des Bundes und politisch gesteuerte Wirtschaftsansiedlungen. Die Menschen in der Region sollen sich aktiv einbringen und mitgestalten. Und so kamen unter dem Titel "Mitmachen im Strukturwandel - wie meine Idee Wirklichkeit werden kann" am Sonnabend Engagierte in Hoyerswerda zusammen, um ihre Wünsche für die Lausitz zu formulieren.

Bilder von einem Workshop
Mehr als 20 Ideen für einen nachhaltigen Strukturwandel in Hoyerswerda wurden am Samstag zusammengetragen. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Ein kleines Café am Markt, wo jeder Bürger unter Anleitung sein Fahrrad oder Haushaltsgeräte reparieren kann. Ein Kurs von Jugendlichen für Senioren, in denen Handy, Laptop und Co. erklärt werden - aber auch soziale Netzwerke wie Facebook oder TikTok auf dem Stundenplan stehen. Oder vielleicht ein großes Gemüsebeet, wo jeder ein bisschen mitmacht und erntet? Mehr als 20 solcher Ideen haben die Teilnehmer des ersten Strukturwandel-Workshops am Samstag in Hoyerswerda zusammengetragen. Eingeladen hatte die Initiative "MitMachStadt Hoyerswerda", eine Bürgerstiftung, welche im Herbst 2020 gegründet wurde, um engagierten Hoyerswerdaern bei der Umsetzung ihrer Projekte zu helfen.

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Stiftungs-Sprecherin Dagmar Steuer diskutiert mit Engagierten beim ersten Bürger-Workshop in Hoyerswerda. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

"Wir stehen noch ganz am Anfang, aber wir wollen Bürgerbeteiligung leben", sagt Stiftungssprecherin Dagmar Steuer. "Wir haben bereits im letzten Jahr versucht, ein Bürgerbeteiligungsprojekt zu starten." Doch durch die Corona-Pandemie musste das Projekt erst mal auf Eis gelegt werden. Mitstreiter haben sich aus den Augen verloren, Ideen wurden nicht weiter verfolgt. Am Samstag wagte die Bürgerstiftung den Neustart - und zwar mit einem digitalen Tool, das die Arbeit der Engagierten erleichtern soll. "Wir haben in der Zwangspause geguckt, wie wir auf Digitalisierung setzen, um uns nun viel besser vernetzen zu können", so Steuer.

Strukturentwicklung kann nur gemeinsam mit den Menschen gelingen [...]. Dafür notwendige Schritte sollten aus den Regionen heraus organisiert bzw. fortgeführt werden, um die Menschen in die Veränderungsprozesse aktiv einzubeziehen.

Abschlussbericht der Kohlekommission 2019

Neue Plattform soll Beteiligung vereinfachen

Entwickelt wurde die Plattform vom Wirtschaftsinformatiker Norbert Rost. Seit einigen Jahren fokussiert der gebürtige Hoyerswerdaer sein Handeln auf Stadt- und Regionalentwicklung. Die Idee zur Software kam dabei bei einem Bürgerbeteiligungsverfahren in Dresden. "Wir haben festgestellt, dass es ohne digitale Unterstützung Grenzen für solche Bürgerprojekte gibt", macht Rost klar und fügt hinzu: "In Dresden wohnen über eine halbe Million Menschen, die kriegt man zum Beispiel gar nicht in einen Raum." Aus den Erfahrungen der Veranstaltung habe man die Plattform entwickelt, welche sich nun in Hoyerswerda bewähren musste.

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Wirtschaftsinformatiker Norbert Rost stellt die Plattform zur Bürgerbeteiligung vor. Das Tool soll helfen, Mitstreiter für Projekte und die nötige Finanzierung zu finden. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Die Frage, woher kriegt man Ressourcen für Projekte, ist immer eine zentrale Frage.

Norbert Rost Wirtschaftsinformatiker
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In Gruppen versuchten die Teilnehmenden, ihre Ideen genauer zu beschreiben und Mitstreiter zu finden. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Ziel sei es, so Rost, den Teamgedanken in den Mittelpunkt zu stellen. Normalerweise stünden finanzielle Fragen im Fokus. Laut dem Experten ist die deutsche Förderlandschaft "schlecht" konzipiert. So müssten sich Menschen zuerst Ideen ausdenken, dann ihr Team zusammenstellen und Projekte entwickeln und zum Schluss einen Förderantrag stellen. "Diese Prozesse sind normalerweise losgelöst voneinander", kritisiert Rost. "Wir versuchen das zu verbinden und wollen die Umsetzung beschleunigen."

Wie werden die Ideen nun Wirklichkeit?

Aus den 20 mehr oder weniger konkreten Ideen wurden zunächst vier präzise Vorschläge in kleineren Gruppen diskutiert. "Ich bin froh, dass wir an meiner Idee gearbeitet haben", freut sich Teilnehmerin Maja Lehmann. "Ich hatte mir gewünscht, dass wir konkret werden und weit kommen." Das war aber gar nicht so einfach, gibt Lehmann zu. Die Gruppenmitglieder hätten sich noch nicht gekannt, dafür waren alle von der Idee überzeugt, einen Gemeinschaftsgarten anzulegen.

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Markus Bloch arbeitet bei der kommunalen Wohnungsgesellschaft in Hoyerswerda. Der 31-Jährige will sich stärker engagieren. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Auch Marko Bloch diskutierte mit. Für den 31-Jährigen war es vor allem eine gute Möglichkeit, mit Engagierten ins Gespräch zu kommen. "Ich habe den Tag als Möglichkeit gesehen, um alle Beteiligten zusammenzuführen und Projekte strukturiert anzugehen." Bloch und Lehmann wollen weiterhin am Projekt arbeiten. "Ich möchte in der Region bleiben, sodass das schon wichtig war, weil es mich für den Rest des Lebens begleiten wird", so Bloch.

Auch die anderen Projektgruppen wollen weiter an ihren Themen arbeiten, fügt Dagmar Steuer erfreut hinzu. Der Anfang sei gemacht, so die Organisatorin stolz. Auf die Frage, was sie glaubt, wie viele von den Projekten später einmal wirklich umgesetzt werden, antwortet Steuer lächelnd mit "alle". "Und sogar einige mehr." Denn viele Ideen seien schon in der Umsetzung. Ein Bürger-Workshop habe aber eine andere Qualität, meint Steuer. So könnten Engagierte direkter angesprochen und für Ideen begeistert werden. Deswegen soll an dem analogen Format festgehalten werden. "Es ist noch ein weiter Weg, aber ich bin frohen Mutes."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 11. Oktober 2021 | 14:30 Uhr

1 Kommentar

Eulenspiegel vor 5 Tagen

Ja ihr Bürger von Hoyerswerda. Hie habt ihr die Möglichkeit eure Zukunft mit zu gestalten. Aber ich wette die ganzen Meckerer werden da sowieso nicht mit machen. Weil über andere Leute zu meckern ist doch viel einfacher als aktiv Zukunft zu gestalten.

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