Zwischen Trockenheit und Corona Schwere Zeiten für Sachsens Teichwirte

Viele Teichwirte haben harte Zeiten hinter sich und diese scheinen kein Ende zu nehmen: Wassermangel, Fischräuber, Absatzprobleme und nun auch noch Corona. Die traditionellen Fischerfeste fallen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Doch trotz der zahlreichen Probleme gibt es einen Silberstreif am Horizont.

Zu DDR-Zeiten wurde gerne ein Witz erzählt, warum die DDR nicht auf einen grünen Zweig kommen konnte: "Der Sozialismus hat vier Feinde: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter!" Ähnliches trifft derzeit auf einige Teichwirte zu, sagt Gunther Ermisch, Forellenzüchter und Teichwirt aus Langburkersdorf, der auch den Quitzdorfer Stausee bei Niesky betreibt und lacht.

Bei uns könnte man es als die vier Plagen der Binnenfischer bezeichnen: Wassermangel, Fischräuber, Absatzprobleme und nun auch noch Corona!

Gunther Ermisch Teichwirt Langburkersdorf

Quellen versiegen in heißen Sommern

Seit drei Jahren sind die Sommer zu trocken und im Frühjahr waren bei Gunther Ermisch fünf von sieben Quellen am Hochwald versiegt. Von diesen Quellen lebt seine Forellenzuchtanlage. Auch 50 Kilometer weiter östlich drohten Binnenfischer unterhalb der Quitzdorfer Talsperre zu vertrocknen. Deshalb gab die Landestalsperrenverwaltung Wasser in den Schöps ab und sorgte damit für ein weiteres Problem. Der Stausee konnte nach einer Revision im Frühjahr nicht mehr gefüllt werden. Betretungsverbot! Damit war auch für die Angler die Saison gelaufen und für Gunther Ermisch als Pächter des Stausees versiegte mit den Angelscheinen eine weitere wichtige Einnahmequelle.

Himmelsteiche trockneten aus

Nicht nur die Quitzdorfer Talsperre, als größter Stausee in Sachsen, hatte mit Wasserproblemen zu kämpfen. Auch die Talsperre in Bautzen erreichte in diesem Sommer nicht den erhofften Wasserstand. Drei trockene Jahre mit nur wenig Niederschlag hat die Grundwasserströme austrocknen lassen, bilanzierte im Sommer der Bautzener Chef der Landestalsperrenverwaltung Sebastian Fietze. Doch auch in den "Himmelsteichen" - beispielsweise bei Wartha und rund um Niesky - fehlte Wasser, sodass Fische bereits im Sommer abgefischt und in andere Teiche umgesetzt werden mussten.

Die Fischteiche in Kodersdorf
Abfischen im Sommer wegen Trockenheit in Kodersdorf. Bildrechte: MDR/Lutz Günther

Himmelsteiche Himmelsteiche besitzen keinen natürlichen Zufluss und werden nur vom Regen gespeist. Sauerstoffmangel kann im Sommer in aufgeheizten Teichen entstehen und sorgt für weitere Probleme beim Wachstum der Flossentiere.

Erfolgreiche Räuber auf Beutezug

Während die Binnenfischer ihren Gürtel enger schnallen müssen, hatten tierische Fischräuber, wie Komoran, Reiher und Fischotter offenbar fette Jahre. Im Winter fehlt auf den Teichen das Eis, um Flossentiere vor ihren Angriffen zu schützen. Im Sommer konnte nicht einmal das Schilf aufgrund des niedrigen Wasserstandes die Fische schützen.

Ein Fischotter
Streng geschützt und nicht beliebt bei Teichwirten: Der Fischotter! Bildrechte: colourbox

"Totalausfall in dieser Saison", beklagt die Teichwirtschaft Moritzburg an ihrem Nieder- und Großteich. "30 Tonnen Speisefisch waren dort geplant, abgefischt haben wir jetzt gerade mal 500 Kilogramm", sagt Henry Lindner von der Teichwirtschaft Moritzburg. Für Frust sorgen mancherorts auch die zweibeinigen Fischräuber ohne Angelschein, beispielsweise am Quitzdorfer Stausee.

Absatzprobleme wegen Corona

Seit knapp 800 Jahren werden in der Oberlausitz Teiche bewirtschaftet und nicht jede Teichwirtschaft wird die derzeitige Krise überleben, meint der sächsische Fischereiverband. Die Corona-Pandemie hat die Absatzprobleme verschärft, denn die traditionellen Fischerfeste fallen als wichtige Einnahmequelle wegen Corona aus. Sie lockten jedes Jahr tausende Besucher an, so wie das Schaufischen in Moritzburg.

Abfischen in Moritzburg
Wegen Corona kein Schaufischen bei der Karpfenernte in Moritzburg. Bildrechte: Tino Plunert

Man muss sich halt immer vorstellen: 30.000 bis 40.000 Leute. Und das ist ja das, wo wir direkt an den Endverbraucher unsere Produkte vermarkten konnten. Also auch die höchste Gewinnspanne haben. Und das schlägt natürlich wirtschaftlich doch schon ganz schön zu Buche.

Henry Lindner Teichwirtschaft Moritzburg

Der Karpfen ist nicht nur in Moritzburg, sondern auch in Weißig, Petershain oder Kreba-Neudorf der "Brotfisch" - aber auch Zander, Aal, Schleie sowie Stör fanden dort ihre Abnehmer. Viele Besucher kamen zu den Fischerfesten auch wegen der märchenhaft großen Schuppenmonster, die in den Netzen zappelten. Einge waren bis zu 1,80 Meter lang. Nun hat vielerorts das Abfischen ohne Zuschauer begonnen und die Teichwirte hoffen trotz der abgesagten Feste ihre Beute loszuwerden. Doch das ist selbst bei Kilopreisen von sechs Euro nicht einfach, denn die Gaststätten als Abnehmer fallen aus.

Karpfen in einem Fischteich
Aufgrund der Corona-Pandemie sind Gaststätten geschlossen und Teichwirte bleiben auf ihren Fischen sitzen, Bildrechte: IMAGO

Teichwirt Gunther Ermisch zeigt auf ein Becken in Langburkertsdorf, in dem Fische nun noch etwas länger leben dürfen. Ihr Gesamtgewicht: zwei Tonnen!

Ideen und neue Märkte sind gefragt

Trotz der zahlreichen Probleme blasen nicht alle Teichwirte und Fischzüchter Trübsal. Sie hoffen auf bessere Zeiten und einige werden auch selber immer aktiver. So ist es einem Züchter aus Kirschau gelungen, bei einem großen Discounter gelistet zu werden, der europaweit vertreten ist. Auch mit neuen Produkten, wie Flammpanga und Pulled Karp wollen Binnenfischer punkten. Im Frühjahr auf der Grünen Woche in Berlin standen sich Besucher die Beine in den Bauch, um Flammpanga oder Pulled Karp zu futtern.


Und ein weiterer Trend kommt den Teichwirten entgegen: Regional-Produkte kaufen, regionale Kreisläufe ankurbeln! Möglicherweise wurden auch deshalb ihre Hofläden von der Kundschaft wieder- oder neu entdeckt. Auch auf Frische- und Bauernmärkten, nicht nur in der Region, sondern auch in Großstädten wie Berlin sind jetzt die Teichwirte mit ihren mobilen Becken unterwegs.
Und ein weiterer Silberstreif am Horizont: Nicht in jedem Fischstäbchen, welches unsere Kinder so lieben, steckt ein Schuppentier aus dem Meer. Immer mehr Fischstäbchen werden aus Karpfen gemacht, die zuvor in Oberlausitzer Teichen schwammen.

Weihnachtskarpfen mit Früchten und Nüssen
Es müssen nicht immer Fischstäbchen sein. Ein Karpfen mit Früchten und Nüssen kann nicht nur zu Weihnachten sehr lecker sein. Bildrechte: imago/imagebroker

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.11.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

1 Kommentar

Rockson da Silva vor 45 Wochen

Das Kilo Fisch für 6 Euro? Ganz schön teuer. Mein Vorschlag. Das Kilo für 2,30 Euro!! Dann kann sich jeder Fisch leisten. Auch unsere ärmsten Mitbürger!!

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