Regionale Lebensmittel Premiere für Krabatmarkt in Hoyerswerda

Einen Krabat-Tross wollten die Organisatoren durch die Lausitz ziehen lassen – mit Stationen und Märkten in den Orten der Region. Wegen Corona starteten sie nun aber erstmal kleiner - mit einem Regionalmarkt in Hoyerswerdas Altstadt.

Handwerkerinnen präsentierten ihre Kunst
Neben Produkten vom Landwirt aus der Region gab's auf dem Krabatmarkt auch Tipps von Handwerkerinnen von hier. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Auf dem Altmarkt in Hoyerswerda haben mehr als 20 Händler ihre Stände aufgebaut. Karsten Ringpfeil aus Wartha hat fangfrischen Karpfen und Räucherfisch in der Auslage. Sven Helm vom gleichnamigen Bauernhof aus Eutrich verkauft Wurst aus eigener Schlachtung. Christian Kaiser aus Wartenburg preist die Speiseöle aus seiner Manufaktur an. In Hoyerswerda hat der Krabatmarkt Premiere und bei sonnigem Spätsommerwetter schlendern hunderte Gäste von Stand zu Stand.

Dagmar Steuer hat Aroniabeeren und Äpfel auf den Auslagen um sich ausgebreitet. Die hat sie mit den Hoyerswerdaer "Obstrettern" von einer Plantage gepflückt, die der über 80-jährige Inhaber nicht mehr selbst ernten kann. Steuer tat es leid, die Früchte verdorren zu sehen. Jetzt bringt sie diese mit ehrenamtlichen Mitstreitern zum Verkauf – unter anderem über die Onlineplattform "Marktschwärmer". Die hat Steuer vor anderthalb Jahren in Hoyerswerda etabliert. Dabei können regionale Produkte über eine Onlineplattform bestellt und immer freitags Nachmittag in einer Halle am Rande Hoyerswerdas abgeholt werden. "Weil wir dort fast nur Händler haben, die aus der Region kommen, haben wir uns gesagt: Machen wir doch unsere Freitagsverteilung mal nicht da draußen im Industriegelände, sondern wir gehen auf den Markt."

Das ackerbürgerliche Hoyerswerda wieder aufleben lassen

Krabat-Darsteller Wolfgang Kraus übergab Geschenke an die Schulanfänger.
Krabat-Darsteller Wolfgang Kraus übergab Geschenke an die Schulanfänger. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

So organisierte Dagmar Steuer mit Madeleine Matschke-Wetzorke vom Marketingverein "Familienregion HOY" den Krabatmarkt. Die ursprüngliche Idee war ein Krabat-Tross, berichtet Matschke-Wetzorke. Ein Zug mit Pferden und Wägen entlang des 90 Kilometer langen Krabat-Radweges, der in der Oberlausitz zu Stationen führt, die mit der Krabat-Sage in Verbindung stehen. Unterwegs waren Aktionen vorgesehen. Wegen Corona war es schwierig die Akteure dafür zusammenzubekommen. "Wir haben aber gedacht: Wir wollen das trotzdem in irgendeiner Form realisieren. So haben wir einen 'stationären Krabat-Tross' angedacht und daraus ist der Krabat-Markt entstanden."

Wenn die Premiere von den Besuchern gut angenommen wird, soll der Markt langfristig Bestandteil des Krabat-Trosses werden. "Ziel ist, dass wir Krabat und dessen historisches Vorbild Johann von Schadowitz in Hoyerswerda verankern", erklärt Madeleine Matschke-Wetzorke. Dafür wollen die Macher des Marktes das ackerbürgerliche Hoyerswerda in der Altstadt wieder aufleben lassen. "Das wäre jetzt für den Auftakt aber noch ein bisschen hochgegriffen", bekennt Matschke-Wetzorke. Wenngleich Ansätze schon zu erkennen sind. Da laufen Frauen der Volkstanzgruppe Zeißig in sorbischer Tracht über den Markt. Einige Händler haben sich mittelalterlich gekleidet und Kinder probieren sich in Wettspielen, die auch gut in die Zeit um 1800 gepasst hätten.

Belege für Besuche Krabats in Hoyerswerda

Dass ein solcher Krabatmarkt gut nach Hoyerswerda passt, kann der Genealoge Hans-Jürgen Schröter belegen. Der Wittichenauer forscht seit über 14 Jahren europaweit zum Mythos Krabat und zum historischen Vorbild für die Sagengestalt – zum Leben des Johann von Schadowitz'. Der gebürtige Kroate Schadowitz diente ab 1660 unter Johann Georg II. am sächsischen Hof. Das lässt sich im Hauptstaatsarchiv in Dresden nachlesen. Johann von Schadowitz ist dort in Reisetagebüchern als kroatischer Rittmeister verewigt. In Hofranglisten taucht er als Kammerjunker der sächsischen Kurfürsten auf. "Schadowitz war Leibgardist der Kurfürsten und mit mehreren Fürsten mehrmals in Hoyerswerda", sagt Schröter.

"Wenn die Kurfürsten auf dem Schloss in Hoyerswerda übernachtet haben, hat Johann von Schadowitz mit den Hoyerswerdaer Bürgern die Schlosswache abzusichern gehabt", erzählt der Forscher. Schadowitz war mit Johann Georg III. in Hoyerswerda zur Wolfs- und Wildschweinjagd. Er war in Schwarzkollm zur Auerhahnbalz zu Gast. "Schadowitz kannte Hoyerswerda. Er kannte die Lausitz", ist sich Schröter sicher.

Krabat-Forscher Hans-Jürgen Schröter
Krabat-Forscher Hans-Jürgen Schröter Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Die Lebensgeschichte von Johann von Schadowitz wird zur Krabatsage

Auch deshalb wird sich Schadowitz nach seiner Pensionierung 1691 auf einem Lehnsgut in Groß Särchen bei Hoyerswerda niedergelassen haben. Wenn er dort im Kretscham zu Gast war oder nach dem Kirchbesuch in Wittichenau mit den Priestern zusammenkam, muss er aus seinem Leben erzählt haben. "Er hat seine Erlebnisse und seine Lebensgeschichte genutzt, um von der hier ansässigen Bevölkerung akzeptiert zu werden", vermutet Schröter.

Schadowitz habe seine Geschichte bewusst gestreut. Denn die Kroaten galten hier als die Bösen. Sie hätten im Dreißigjährigen Krieg in der Region großen Schaden angerichtet, weiß Schröter zu berichten. "Schadowitz wollte sich anders etablieren. Nicht umsonst hat man ihn zu Anfang den bösen Herrn geschimpft und danach den guten Meister." Schadowitz' eigene Erzählungen könnten so zum Grundstock der Krabatsage geworden sein.

Wertschöpfung schaffen mit der Krabat-Marke

Dass diese Sagenfigur zur Marke taugt, unter der sich die Region und Erzeugnisse von hier vermarkten lassen, hat der Krabatverein aus Nebelschütz schon bei seiner Gründung vor über 20 Jahren erkannt. Bald entstanden erste Produkte unter der Marke Krabat – eine Biersorte, ein Kräuterlikör. Welche Erzeugnisse sich mit dem Zertifikat "Krabat-Produkt" schmücken dürfen, entscheidet der Verein. Er hat die Marke schützen lassen.

"Die Absicht war, dass nicht irgendwelche Leute Krabatprodukte herstellen und die dann in Fernost oder sonstwo entstehen", sagt der Vorsitzende des Krabatvereins Reiner Deutschmann. Wenn neue Krabatprodukte entstehen, sollen die mindestens zur Hälfte aus Rohstoffen aus der Region hergestellt werden und die Wertschöpfung soll hier stattfinden. Nicht alles, was bislang unter der Dachmarke Krabat auf den Markt gebracht wurde, traf auch den Geschmack der Kunden. Manches wird nicht mehr verkauft.

Eindrücke vom Regionalmarkt

Kein Gedränge vor den Ständen, aber dank des guten Wetters trotzdem gut besucht: der erste Krabatmarkt in Hoyerswerda.
Kein Gedränge vor den Ständen, aber dank des guten Wetters trotzdem gut besucht: der erste Krabatmarkt in Hoyerswerda. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Kein Gedränge vor den Ständen, aber dank des guten Wetters trotzdem gut besucht: der erste Krabatmarkt in Hoyerswerda.
Kein Gedränge vor den Ständen, aber dank des guten Wetters trotzdem gut besucht: der erste Krabatmarkt in Hoyerswerda. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Die Hoyerswerdaer Marktschwärmer um Dagmar Steuer verteilten ihre Waren mal nicht in einer Halle auf dem Industriegelände, sondern kamen für den Krabatmarkt in die Altstadt.
Die Hoyerswerdaer Marktschwärmer um Dagmar Steuer verteilten ihre Waren mal nicht in einer Halle auf dem Industriegelände, sondern kamen für den Krabatmarkt in die Altstadt. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Gemüse vom Feld und aus dem Gewächshaus bot der Bauernhof Domanja aus Hoske zum Kauf.
Gemüse vom Feld und aus dem Gewächshaus bot der Bauernhof Domanja aus Hoske zum Kauf. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Birgit Schmidt aus Hohenbocka führte ihre Webkunst vor.
Birgit Schmidt aus Hohenbocka führte ihre Webkunst vor. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Krabatmarkt-Organisatorin Madeleine Matschke-Wetzorke (stehend) mit Frauen der Volkstanzgruppe Zeißig in sorbischer Tracht.
Krabatmarkt-Organisatorin Madeleine Matschke-Wetzorke (stehend) mit Frauen der Volkstanzgruppe Zeißig in sorbischer Tracht. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Kleine Mutprobe für Kinder: drei "sagenhafte Stationen" meistern.
Kleine Mutprobe für Kinder: drei "sagenhafte Stationen" meistern. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Erste Station: Hufeisenwerfen.
Erste Station: Hufeisenwerfen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Eine weitere Station: Gegenstände erfühlen
Eine weitere Station: Gegenstände erfühlen Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Brachte im vergangenen Jahr mit Zutaten aus der Region produzierten Gin auf den Markt: Clemens Lehmann stellt einer Kundin seine Gin-Sorten vor.
Brachte im vergangenen Jahr mit Zutaten aus der Region produzierten Gin auf den Markt: Clemens Lehmann stellt einer Kundin seine Gin-Sorten vor. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
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Krabatmarkt-Organisatorin Madeleine Matschke-Wetzorke (stehend) mit Frauen der Volkstanzgruppe Zeißig in sorbischer Tracht.
Krabatmarkt-Organisatorin Madeleine Matschke-Wetzorke (stehend) mit Frauen der Volkstanzgruppe Zeißig in sorbischer Tracht. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Verein plant Krabatwoche zu etablieren

Doch Deutschmann beobachtet, dass der Name "Krabat" immer bekannter wird. Das liegt auch an der Krabatmühle in Schwarzkollm, die zu einem Touristenmagnet geworden ist und am Spielfilm von 2007, der die Krabatsage in einer zeitgemäßen Aufmachung in die Kinos brachte. "Das Kuriose ist, dass Krabat in den alten Bundesländern zuerst noch bekannter war als hier", erzählt Deutschmann. Denn dort wurde der Jugendroman "Krabat" von Otfried Preußler in der Schule gelesen. Dass die Marke aber noch mehr Potenzial zur Vermarktung der Region bietet, davon ist Deutschmann überzeugt. So plant der Verein eine Krabatwoche zu etablieren und Veranstaltungen und Feste, die es zum Teil sowieso schon gibt, gemeinsam zu bewerben.

Derweil nimmt auch das Interesse an Erzeugnissen aus der Region zu. Das beobachtet Dagmar Steuer von den Marktschwärmern. Regional einzukaufen – diesen Trend habe die Corona-Pandemie noch verstärkt. Die Nachfrage sei kaum noch zu bedienen. Dabei beteiligen sich die größten Erzeuger von Nahrungsmitteln aus der Region schon an der Marktschwärmerei. "Jetzt müssen wir daran arbeiten, Leute nachzuziehen, die sich mit der Produktion von regionalen Sachen selbstständig machen", sagt die Geschäftsfrau. Ihnen eine Bühne zu bieten, auf der sie ihre Erzeugnisse dann bekannter machen können, auch dazu soll der Krabatmarkt künftig dienen.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 02. September 2021 | 12:30 Uhr

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