Singvogelmonitoring Die Vogelfänger von Radibor

Einmal Afrika und zurück: Singvögel legen bei ihren Wanderungen zwischen Winter und Sommer erstaunliche Distanzen zurück. In der Oberlausitz liegen die Brutgebiete vieler Arten. Vogelkundler der Schutzwarte in Neschwitz beobachten den Bestand, fangen und markieren die Tiere. Und dafür heißt es vor allem im Sommer: Ganz früh aufstehen!

Monitoring im Vogelschutzgebiet Radibor
Die gefangenen Tiere werden vermessen und beringt. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Der frühe Vogel fängt ja bekanntlich den Wurm. Dementsprechend früh muss man raus, wenn man nicht den Wurm, sondern den dazugehörigen Vogel fangen will. Ganz besonders im Sommer. Das gilt auch für die Vogelkundler der Vogelschutzwarte in Neschwitz. Die schauen in den frühen Morgenstunden, welcher Vogel ihnen ins Netz gegangen ist. Das Ganze hat natürlich einen Sinn. Die Vogelkundler zählen und vermessen die Singvögel im Schutzgebiet.

Fangnetze zum Sonnenaufgang

Genau 16 schwarze Fangnetze müssen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Sonnenaufgang spannen, erzählt Winfried Nachtigall vom Förderverein der Vogelschutzwarte Neschwitz. Insgesamt erstrecken die sich über eine Gesamtlänge von fast 200 Metern.

Ganz wichtig ist, so ein Netz braucht auch Spannung, wenn das hängt wie eine Bogenlampe, fängt man da nichts.

Winfried Nachtigall Vogelkundler im Förderverein der Schutzwarte Neschwitz

Sechs Stunden lang sollen die Netze heute hängen bleiben. Stündlich kontrollieren Nachtigall und seine drei Mitarbeitenden die Fänge. Zum ersten Check um sechs Uhr zappelt es bereits im Netz. Ein junges Rotkehlchen. Katrin Hoffmann aus dem Team von Nachtigall befreit das Tier mit Fingerspitzengefühl aus seiner misslichen Lage. Man muss geduldig bleiben, sagt sie. Besonders, wenn die Vögel zappeln und sich sehr verheddern.

Monitoring im Vogelschutzgebiet Radibor
Behutsamkeit ist bei der Befreiung der Vögel aus den Fangnetzen gefragt. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Nach der Rettung aus dem Netz steckt Hoffmann das Tier behutsam in einen kleinen weißen Stoffbeutel und trägt den Fang zu einem Zelt, nur wenige Meter entfernt. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis die Daten erfasst werden können. Es staut sich. Ein Teichrohrsänger hat den Vortritt bekommen.

Vermessen und markieren

Eine weiteres Teammitglied, Sabine Urban, vermisst am Tisch die Flügellänge, bestimmt das Geschlecht und ermittelt das Gewicht. Danach bekommt der Vogel vorsichtig einen ultraleichten Ring um das zarte Beinchen, sollte er noch keinen haben. Kollegin Hoffmann trägt die Daten im Rechner ein. Und kann einen Hauptgewinn vermelden, denn das Tier ist schon einmal im Netz der Vogelkundler gelandet - im letzten Jahr.

Für Nachtigall ist das sehr erfreulich. "Das ist super, der hat überlebt", sagt er. Eine Besonderheit, denn Teichrohrsänger überwintern in Afrika und kehren dann an ihren Brutplatz in die Oberlausitz zurück. Dank des Ringes steht fest, der zierliche Vogel ist ein Überlebenskünstler.

Das ist der Wahnsinn, so ein kleiner Teichrohrsänger. Bei Goldhähnchen ist das ja noch viel verrückter. Die fliegen pro Jahr 4.000 Kilometer eine Tour, dann sind das 8.000 hin und zurück. Mit Nahrungssuche sind das etwa 10.000 pro Jahr und der hier hat das mindestens schon zweimal gemacht.

Winfried Nachtigall Vogelkundler im Förderverein der Schutzwarte Neschwitz

Monitoring von Mai bis August

Seit mittlerweile vier Jahren beteiligen sich Nachtigall und sein kleines Team am Singvogelmonitoring. Das Team ermittelt Daten zu Lebensdauer und Fortpflanzung. Gefangen wird von Anfang Mai bis Ende August an insgesamt zwölf Tagen. Jeder gefangene Vogel wird natürlich wieder in die Freiheit gelassen.

Quelle: MDR/jc/bj

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 29. Juni 2021 | 14:30 Uhr

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