Tarifstreit Verdi ruft zu Warnstreiks bei Kaufland in Ostsachsen auf

Seit Juni verhandelt die Gewerkschaft Verdi mit den Arbeitgebern im Einzelhandel in Mitteldeutschland, nach Gewerkschaftsangaben bislang ohne spürbare Fortschritte. Deswegen hat die Gewerkschaft rund drei Wochen vor der nächsten Verhandlungsrunde zu Warnstreiks im ostsächsischen Einzelhandel aufgerufen.

Ein Mann hat bei einem Warnstreik vor dem roten Verdi-Logo eine Trillerpfeife im Mund.
Die Gewerkschaft Verdi ruft die Beschäftigten in acht ostsächsischen Kaufland-Filialen zum Warnstreik auf. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Im Einzelhandel in der Oberlausitz wird seit Freitagmorgen gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hat nach eigenen Angaben Beschäftigte in mehreren Supermarkt-Filialen von Kaufland aufgerufen, mit Beginn der Frühschicht in den Ausstand zu treten.

Aufgerufen seien die Beschäftigten in Kamenz, Hoyerswerda, Görlitz, Zittau, Bautzen, Ebersbach und Großröhrsdorf. In Löbau sei eine Kundgebung geplant. Am Sonnabend sollen die Warnstreiks fortgesetzt werden. Die Mitarbeiter von Ikea Dresden streiken bereits seit Donnerstag.

Warnstreik Einzelhandel Kaufland Löbau
Vor dem Kaufland in Löbau fand am Freitagmorgen die Streikkundgebung statt. Bildrechte: Danilo Dittrich

Gewerkschaft: Verhandlungen sind festgefahren

"Die Verhandlungen sind festgefahren", sagte Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago. Die Arbeitgeber hätten in der dritten Verhandlungsrunde am 28. Juli kein verbessertes Angebot unterbreitet. "Wenn man den Beschäftigten in diesem Jahr keine ordentliche, spürbare Erhöhung gönnt, wann denn dann?", so Lauenroth-Mago. Die Gewerkschaft kündigte an, dass nach der Ferienzeit die Streiks bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 13. September weitergehen sollen.

Jörg Lauenroth-Mago
Bildrechte: dpa

Die Verkäuferinnen und Verkäufer konnten nicht zwischen Homeoffice und Betrieb wählen und haben unter schwierigsten Bedingungen die Versorgung aufrecht gehalten. Sie haben einfach mehr verdient.

Jörg Lauenroth-Mago Verdi-Verhandlungsführer

4,5 Prozent Lohnerhöhung gefordert

Verdi fordert für die rund 280.000 Beschäftigten in den drei Bundesländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent plus 45 Euro monatlich. Zudem verlangt die Gewerkschaft ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde. Der neue Tarifvertrag soll eine verkürzte Laufzeit von zehn Monaten haben, um eine Angleichung an die anderen Bundesländer zu vollziehen.

Die Arbeitgeber bieten einen Dreijahresabschluss und für das erste Jahr nach zwei Nullmonaten zwei Prozent, für das zweite Jahr 1,4 Prozent und für das dritte Jahr zwei Prozent. Für Unternehmen, die von der Pandemie besonders betroffen waren, sollen die Erhöhungen je zehn Monate beziehungsweise sechs Monate später gezahlt werden. Dies lehnt die Gewerkschaft entschieden ab und sieht dies als größten Konfliktpunkt.

Supermarkt Kaufland, Logo
Kaufland hat laut eigenen Angaben bereits im Juni die Löhne und Gehälter um drei Prozent erhöht. Bildrechte: IMAGO / Michael Gstettenbauer

Kaufland hat Entgelt bereits um drei Prozent erhöht

Andrea Kübler von der Unternehmenskommunikation von Kaufland teilte mit, dass die betroffenen Kaufland-Filialen trotz Streik weiter geöffnet sind. Die Schwarz Gruppe lege nach eigenen Angaben mit ihren Handelssparten großen Wert auf eine faire Vergütung. "Vor dem Hintergrund der erschwerten Bedingungen im Lebensmitteleinzelhandel in den vergangenen Monaten war es Kaufland und Lidl daher ein Anliegen, das Tarifentgelt bereits ab Juni 2021, vor Abschluss der aktuellen Tarifverhandlungen Einzelhandel, um drei Prozent zu erhöhen", sagte sie.

Die Händler seien damit freiwillig in Vorleistung gegangen und würden über Tarif zahlen. "Sollte die ausstehende Entscheidung der Tarifpartner zur Erhöhung der Tariflöhne geringer ausfallen, werden Kaufland und Lidl darüber hinaus freiwillig den entsprechenden Differenzbetrag zu drei Prozent gewähren", so Kübler.

Quelle: MDR/MINA/al/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 20. August 2021 | 08:30 Uhr

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