Forschungsprojekt Krabatsage: Weitere Geheimnisse von Schwarzkollm gelüftet

Ein Forschungsprojekt der Krabatmühle überrascht mit neuen Erkenntnissen zum Umfeld der Krabatsage. Das sorbische Dorf Schwarzkollm mit der legendären Schwarzen Mühle scheint älter zu sein als bislang angenommen. Ebenfalls neu geschrieben werden muss die Abfolge der schwarzen Müller.

Mühlentag in der Krabatmühle Schwazkollm
Bildrechte: MDR/Bettina Wobst

Eine der bekanntesten Sagengestalten aus der Lausitz ist Krabat, der einer der Gesellen in der Schwarzen Mühle in Schwarzkollm gewesen sein soll. Die Auseinandersetzungen mit dem Schwarzen Müller, mit reichen Viehhändlern sowie seine Possen und Zauberkünste füllen Bücher, wurden mehrfach verfilmt und stehen seit 2012 im Mittelpunkt der immer ausverkauften Krabat-Festspiele.

Unter elf Mitgesellen wird Tonda (Daniel Brühl, r.) Krabats (David Kross) bester Freund.
Szene aus einer Verfilmung mit Daniel Brühl und David Kross als Krabat. Bildrechte: MDR/20th Century Fox/Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion

Krabat hat einen historischen Hintergund

Der Schwarzkollmer Ole Dobisch spielt den historischen Krabat. (Hier in Uniform.)
Der Schwarzkollmer Ole Dobisch als Johann Schadowitz bei den KRABAT-Festspielen. Bildrechte: MDR/Studio DD

Das Zauberhandwerk soll Krabat vom Müller in der Schwarzen Mühle, im Volksmund auch Teufelmühle genannt, gelernt haben. Die Sagen und Legenden um den guten sorbischen Zauberer haben einen geschichtlichen Hintergrund. Der Vater von August dem Starken, Kurfürst Johann Georg III., war im 17. Jahrhundert bei einem Feldzug gegen die Türken von einem Offizier aus Kroatien gerettet worden. Aus Dankbarkeit vermachte der Kurfürst dem Offizier das Gut Groß Särchen bei Hoyerswerda. Die einheimischen Sorben machten aus dem Fremden einen Zauberer und nannten ihn Krabat.

Mehr als 300 Jahre sind seitdem vergangen, vieles ist in Vergessenheit geraten und noch nie ist die Heimatgeschichte in Zusammenhang mit der Krabatsage beleuchtet worden. Deshalb hat die Krabatmühle in Schwarzkollm ein Forschungsprojekt angeregt, um die Geschichte des echten Krabat, also des Reiterobristen Johann Schadowitz, zu erforschen. "Als Grundlage für unsere Recherchen haben wir das Krabat-Buch von Mercin Nowak-Neumann genommen, um uns durch Archive zu wühlen", sagt Hans-Jürgen Schröter aus dem benachbarten Wittichenau.

Der in Fachkreisen bekannte Genealoge beschäftigt sich seit Jahren mit Heimat- und Familiengeschichte. Unterstützt wird der Wittichenauer von Susann Wuschko aus Schwarzkollm. Zu ihren Spezialgebieten gehören neben der mittelalterlichen und sächsischen Landesgeschichte auch Mythologie, Magie und Sagenbildung. Gemeinsam studierten die beiden alte Kirchenbücher, suchten in Bibliotheken und Archiven, sichteten private Dokumente. Und dabei wurden die beiden Forscher fündig. Auch wenn sie noch nicht alle Geheimnisse preisgeben wollen, soviel ist klar: Die Heimatgeschichte von Schwarzkollm muss neu geschrieben werden.

Ersterwähnung muss korrigiert werden

Bislang ging man davon aus, dass das sorbische Dorf Schwarzkollm 1394 erstmalig erwähnt wurde. Doch Schwarzkollm ist viel älter. Auf einer Urkunde von 1401 zur Teilung von Hoyerswerda entdeckten die beiden Heimatforscher einen Hinweis. Demnach wurde Schwarzkollm schon 1268 erwähnt.

Auch in der Geschichte der Teufelsmühle wurden einige dunkle Kapitel neu ausgeleuchtet. So konnten erstmals die Inhaber der Mühle und deren Müller bis ins Jahr 1559 zurückverfolgt werden.

V.l.n.r.: Krabat (Klaus Brasch), Markus (Wolfgang Penz), Mutter (Irma Münch)
Krabat vor der Schwarzen Mühle in einer Märchenverfilmung. Bildrechte: MDR/DRA/Damm

Statt Krabat-Festspiele Filmnächte

Am Samstagabend tragen Susann Wuschko und Hans-Jürgen Schröter ihre Erkenntnisse auf dem Dorfplatz vor. Zum Auftakt geht es um die Jugendzeit von Johann Schadowitz, dem angeblichen Zauberer. Weitere Vorträge, möglicherweise begleitet von szenischen Darstellungen in Kostümen, sollen folgen. Auch in diesem Jahr wird es, wie im Vorjahr, aufgrund der Pandemie keine Neuauflage der Krabat-Festspiele geben. "Dafür beginnen in diesem Jahr die beliebten Filmnächte in der Krabatmühle bereits am 8. Juli und nicht erst im August", sagt der Geschäftsführer der Mühle Tobias Zschieschick. "Logistisch waren die Festspiele unter den derzeitigen Bedingungen einfach nicht umsetzbar."

Eine unheimliche Stimme in seinen Träumen führt Krabat zu einer Wassermühle bei Schwarzkollm in der Lausitz.
Eine unheimliche Stimme in seinen Träumen führt Krabat zu einer Wassermühle bei Schwarzkollm in der Lausitz. Bildrechte: MDR/20th Century Fox/Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion

Krabatmühle für Besucher offen

Seit Ende Mai ist die Krabatmühle in Schwarzkollm wieder geöffnet. "Alle 17 Mitarbeiter sind uns trotz Kurzarbeit treu geblieben," freut sich Zschieschick. "Allerdings habe es wehgetan, als wir unsere geringfügig Beschäftigten entlassen mussten." Doch nun startet die Krabatmühle wieder optimistisch in die Zukunft. Möglicherweise ergeben sich aus den Forschungsergebnissen neue Geschichten für die künftigen Krabat-Festivals.

Quelle: MDR/uwa

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