Corona-Lage So sieht es auf den Covid-Stationen in der Oberlausitz aus

In Sachsen liegen laut Sozialministerium 961 Covid-19-Patienten auf Normalstationen und laut Divi-Intensivregister 261 Menschen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. MDR SACHSEN hat Ärzte ostsächsischer Kliniken gefragt, wie bei ihnen die Lage im Augenblick ist.

Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Ein schwer erkrankter Patient ist diese Woche von Kamenz auf die Corona-Intensivstation im Dresdner Uniklinikum verlegt worden. Bildrechte: dpa

Situation angespannt, aber beherrschbar

"Die Situation ist momentan angespannt, jedoch beherrschbar", berichtet Stefan Rattey, Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin am Kreiskrankenhaus in Weißwasser. An diesem Sonnabend liegen zehn Patientinnen und Patienten mit einer Corona-Infektion in der Klinik, von ihnen müssen drei invasiv beatmet werden. Nachdem im Februar und in den ersten Märzwochen, deutlich weniger Menschen mit einer Corona-Infektion eingeliefert wurden, steige gerade die Zahl der Neuaufnahmen. Gleiches wird aus den Corona-Stationen in den Kliniken in Bautzen, Görlitz, Kamenz, Radeberg und Hoyerswerda berichtet, wo MDR SACHSEN sich in dieser Woche umgehört hat.

Im Malteser Krankenhaus St. Johannes in Kamenz lag nach dem Abklingen der Infektionen im Februar auch mal eine Woche lang gar kein Covid-19-Patient auf der Intensivstation. Am Mittwoch in dieser Woche waren wieder alle sechs zur Verfügung stehenden ITS-Betten mit Covid-Patientinnen und -Patienten belegt. Chefarzt Franz Eiselt kümmerte sich an diesem Tag mit seinem Team darum, einen besonders schweren Lungenkranken zur Ecmo-Therapie in das Dresdner Uniklinikum zu verlegen.

Was ist die Ecmo? Wird eine Corona-Lungenentzündung lebensbedrohlich, könnten Patienten mit der sogenannten ECMO gerettet werden. Dabei wird ihr Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff versorgt. Das ECMO-Gerät entfernt Kohlendioxid aus dem Blut und reichert es mit Sauerstoff an. Das so aufbereitete Blut wird in den Kreislauf des Patienten zurückgeführt.

Wir hatten vor ungefähr zehn Tagen überhaupt keinen Covid-Patienten auf der Intensivstation. Seit letzten Freitag ging das wieder nach oben.

Jörg-Uwe Bleyl Chefarzt am Städtischen Klinikum Görlitz

In Weißwasser habe man in den vergangenen Tagen einen Covid-Intensivpatienten aus Kapazitätsgründen in ein anderes Krankenhaus verlegen müssen, in Bautzen wurden vergangene Woche zwei Patienten weiterverlegt. Die komplizierten Verlegungsverläufe seien aber inzwischen gut trainiert und zu einem unproblematischen Prozedere geworden, so Rattey. Freie Kapazitäten gibt es im Klinikum Hoyerswerda. Hier lagen am Dienstag fünf Patienten mit einer Covid-Pneumonie auf der Intensivstation, drei von ihnen werden nichtinvasiv beatmet, gibt Chefarzt Heiko Sahre eine Momentaufnahme. Neun Patienten befinden sich zudem auf der normalen Corona-Infektionsstation. Es sei also noch relativ ruhig, so Sahre.

Covid-Betten auf ITS im Klinikum Görlitz verdoppelt

Chefarzt Jörg-Uwe Bleyl Krankenhaus Görlitz
Chefarzt Jörg-Uwe Bleyl vom Städtischen Klinikum Görlitz. Bildrechte: Städtisches Klinikum Görlitz

Im Städtischen Klinikum Görlitz in unmittelbarer Nachbarschaft zum Corona-Hotspot Polen blickt Chefarzt Jörg-Uwe Bleyl angespannter auf die Corona-Lage. Derzeit liegen fünf Leute auf der ITS und ein Patient musste außerdem diese Woche in die Dresdner Uniklinik ausgeflogen werden. Wegen massiver Lungenschäden braucht er die Herz-Lungen-Maschine der Spezialklinik. Im Görlitzer Klinikum wurden auf der ITS die Betten für Covid-Erkrankte von vier auf acht aufgestockt. Bleyl rechnet mit Neuzugängen. "Wenn die Infektionszahlen nach oben gehen, merken wir das zwei, drei Wochen später auf der Intensivstation."

Jüngere Covid-19-Patienten

Die Situation ist nach Einschätzung der Chefärzte lange nicht so angespannt, wie es bei den vielen Erkrankungen im November und Dezember war. Wirkung haben die Massenimpfungen in den Pflegeheimen gezeigt. Während im vergangenen Jahr Corona in Altenheimen grassierte, sind es jetzt Menschen aus dem häuslichen Bereich, die auf Station kommen.

Es werden verhältnismäßig wenige Patienten intensivpflichtig. Die, die es aber werden, zeigen einen schweren und komplizierten Verlauf der Erkrankung.

Stefan Rattey Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin in Weißwasser

Während in Kamenz und Weißwasser überwiegend Seniorinnen und Senioren versorgt werden, beobachten andere Mediziner auf ihren Stationen eine Zunahme jüngerer Patienten. "Der Durchschnitt liegt bei uns bei 63 Jahren. Vorher war der Durchschnitt in den 70ern. Auf Normalstation ist der jüngste Patient 27", berichtet Bleyl aus Görlitz. Ähnliches beobachten die Ärzte in Radeberg und Bautzen. "Das Alter der Covid-Patienten liegt derzeit zwischen 59 und 89 Jahren", berichtet Sahre aus Hoyerswerda.

Chefarzt der Klinik für Innere Medizin im Asklepios Klinikum Radeberg Dr. Josepf Nees
Chefarzt der Klinik für Innere Medizin im Asklepios Klinikum Radeberg, Dr. Joseph Nees. Bildrechte: Asklepios Klinikum Radeberg

Therapeutisch können die Ärzte nach wie vor dem Virus wenig entgegensetzen. Behandelt wird in erster Linie mit einem Kortisonpräparat, das verhindern soll, dass das überschießende Immunsystem den eigenen Körper schädigt. Des Weiteren gibt es Sauerstofftherapien in unterschiedlichen Abstufungen, wie Chefarzt Joseph Nees von den Asklepios-Kliniken Radeberg beschreibt. "Von der Nasenbrille mit wenigen Litern pro Minute über die Highflow-Apparate, mit denen man 50 Liter pro Minute in die Nase blasen kann. Das ist ein richtig kleiner Sturm, der da dann in die Lunge fegt." Letztes Mittel bei Lungenversagen bleibt die Herz-Lungen-Maschine und Ecmo-Therapie der Uniklinik.

Mitarbeiter sind müde vom Lockdown

Die Corona-Einschränkungen der Bundes- und Landespolitik sind für die Mediziner zu Teilen nachvollziehbar. Wir sollten diese die nächsten Wochen noch unbedingt einhalten, meint Chefarzt Frank Weder von den Oberlausitz-Kliniken in Bautzen. "Abgesehen davon haben wir alle von diesem Virus langsam genug, aber nur zusammen werden wir das beherrschen." Kritisch blickt der Radeberger Arzt Nees auf die politischen Entscheidungen, die in den vergangenen Monaten getroffen wurden. "Die Maske halte ich für eine absolute Pflicht. Aber viele Dinge, die jetzt gemacht werden, halte ich zumindest für streitbar", sagt er.

Heiko Sahre, Chefarzt im Seenlandklinikum Hoyerswerda, steht im Aufwachraum.
Heiko Sahre, Chefarzt im Seenlandklinikum Hoyerswerda, hatte selbst im Dezember eine mittelschwere Covid-19-Erkrankung durchgemacht. Bildrechte: Gernot Menzel

"Als Mediziner würde man schon einen harten Lockdown befürworten, aber als Mensch nicht", findet sein Kamenzer Kollege Eiselt. Man sei ja nicht nur Arzt, sondern auch Privatmensch und erlebe die Mitarbeiter, Nachbarn und Bekannten. "Und da sind alle irgendwie schon am Limit." Auch bei Sahres Team in Hoyerswerda haben die vergangenen Lockdownwochen an der Substanz gekratzt: "Die Pflegekräfte und Ärzte leiden derzeit eher an den staatlichen Einschränkungen ihrer Freiheit und dem Recht auf Schulbildung ihrer Kinder und die damit einhergehenden sozialen Isolierungen", beobachtet er.

Impfen, impfen, impfen

Die tagtägliche Nähe zu den schwer Covid-Kranken hat bei Ärzten und Pflegepersonal der Corona-Stationen nur zu einem logischen Schluss geführt: Sie haben sich impfen lassen. Aber es gebe auch in den Krankenhäusern nicht wenige, die mit dem Impfthema hadern. In anderen Bereichen stehe man leider sehr skeptisch der Impfung gegenüber, beobachtet etwa Eiselt im Kamenzer Krankenhaus. Nach anfänglichem Zögern habe sich die Mehrheit des Radeberger Krankenhauspersonals impfen lassen, berichtet Nees. Für ihn ist klar: "Es gibt keine bekannte große Pandemie und virale Erkrankung, die ohne Impfung besiegt werden konnte. Impfungen haben laut Nees in den vergangenen hundert Jahren viele Millionen Menschenleben gerettet. Und man sehe ja im Moment, dass doch sehr viele Leute in kurzer Zeit sterben, auch wenn viele davon älter sind.

Impfung auf jeden Fall. Da gibt es für mich überhaupt keinen vernünftigen Grund, sich nicht impfen zu lassen - außer der Angst, die aber aus meiner Sicht wahnhafte Züge trägt.

Joseph Nees Chefarzt der Klinik für Innere Medizin in Radeberg
Franz Eiselt ist Chefarzt der Anästhesie und Ärztlicher Direktor des Malteser Krankenhauses St. Johannes in Kamenz.
Franz Eiselt ist Chefarzt der Anästhesie und Ärztlicher Direktor des Malteser Krankenhauses St. Johannes in Kamenz. Bildrechte: Malteser Krankenhaus St. Johannes

Auch Bleyl aus Görlitz setzt auf das Impfen. "Ich würde mich auch jederzeit mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen. Da habe ich überhaupt keine Bedenken dabei. Weil alles, was Astrazeneca an Nebenwirkungen nachgesagt wird, ist immer noch besser als auf der Intensivstation zu landen." Hinsichtlich der Risiken einer Impfung müsse eines gesagt sein, so Rattey: "In der Medizin gibt es nun mal keine oder nur sehr wenige Garantien." Und auf einen weiteren nicht unerheblichen Faktor setzen die Ärzte. Nämlich das bevorstehende wärmere Wetter, dass die Verbreitung des Coronavirus bremsen wird. So hofft auch der Kamenzer Chefarzt Eiselt auf den Sommer: "Definitiv. Aber da müssen wir erst mal hin."

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | in den Nachrichten | 26. März 2021 | 17:00 Uhr

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