Besondere Weihnachten Heiligabend in der Notfallambulanz Bautzen: "Hier geht es wirklich heiß her"

Für den Einsatz im Krankenhaus Bautzen hat sich Soldat Thomas Müllerke aus Bayern freiwillig gemeldet. Am 24. Dezember hatte er Frühdienst in der Notfallambulanz. Seine Eindrücke von diesem besonderen Arbeitstag und aus der Klinik, die in einem Corona-Hotspot liegt, hat er MDR SACHSEN geschildert. Fünf Wochen lang half der Oberstabsgefreite in der Notfallambulanz mit. Dort hat er viel Dankbarkeit erlebt. Er sah, wie Menschen schnell geholfen wurde, aber auch, wie Patienten sterben.

Ein Mann in Pflegerbekleidung steht ine inem Krankenhausflur und blickt in die Kamera. Es ist der Bundeswehrsoldat Thomas Müllerke, der fünf wochen lang in der Notfallambulanz Bautzen im Einsatz war.
Normalerweise ist Thomas Müllerke Soldat eines Versorgungsbataillons in der Oberpfalz. Seit fünf Wochen arbeitet er in der Notfallambulanz in Bautzen. Auch am Heiligen Abend. Bildrechte: Landeskommando Sachsen

"Ich wusste ja, dass ich Heiligabend Dienst in der Notfallambulanz habe. Seit 20. November bin ich im Bautzener Krankenhaus im Einsatz. Um 6 Uhr ging es am Donnerstag los, bis 14 Uhr", schildert Thomas Müllerke seinen Dienst im Krankenhaus Bautzen. Die Stimmung am 24. sei anders als an anderen Tagen gewesen, aber keinesfalls angespannt. Alle Pfleger, Schwestern und Ärzte seien freundlich zueinander gewesen. Die Mittagsversorgung in der Notfallambulanz war wie an jedem Tag: Es gab belegte Brötchen und Kaffee.

"Es war allerhand los", sagt der Oberstabsgefreite. "Manche kamen mit Atemnot, einer mit einer Kopfplatzwunde, ein anderer hatte Schnittverletzungen. Es gab Armverletzungen, ein Kind war auch dabei. Ich meine, wo sollen die dringenden Notfälle auch hin? Weihnachten hin oder her, sie können ja nicht warten, bis irgendwann die Hausärzte wieder öffnen." In der Notfallambulanz gehe es "wirklich heiß her", wenn die Patienten Schlag auf Schlag ankommen.

Ich ziehe meinen Hut vor jeder Schwester, vor jedem Pfleger und jedem Arzt, egal, auf welcher Station. Was sie alles leisten und wie sie sich einbringen!

Thomas Müllerke Oberstabsgefreiter

Zu seine Aufgaben gehöre die Patientenliegen zu desinfizieren, Räume zu reinigen oder Proben ins Labor zu bringen. Müllerke notiere die Vitalwerte der Patienten wie Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur und versuche, den Pflegern und Schwestern zur Hand zu gehen. "Viele Patienten sind beunruhigt, wenn sie ankommen. Dann versuche ich, sie ein bisschen zu beruhigen und ein nettes Wort mit ihnen zu sprechen. Ich sage dann, dass sie in guten Händen sind und sich alle kümmern werden."

Ein Krankenpfleger richtet Paier auf einer desinfizierten Patientenliegen in einer Klinik aus.
Patientenliegen reinigen und vorbereiten, Räume desinfizieren, dem Pflegepersonal helfen, das sind die Aufgaben des Oberstabsgefreiten Müllerke als "Helfende Hand" im Krankenhaus Bautzen. Bildrechte: Landeskommando Sachsen

"Gleich an meinem Arbeitstag im November ist ein Patient trotz Reanimationsversuchen gestorben. Da ist mir bewusst geworden, wie schnell ein Leben beendet sein kann. Das lässt einen nicht kalt." Mit ihm zusammen dienten mehrere Kameraden seiner Einheit auf der Covid-Intensivstation. Auch sie haben Menschen an den Folgen des Corona-Virus sterben sehen. "Das arbeitet in unseren Köpfen. Klar. Wir sind zwar Soldaten, aber wir sind ja auch Menschen", sagt Müllerke.

Ich habe keine Angst mich anzustecken, aber Respekt. Das Virus kann sehr gefährlich werden. Deshalb sind Vorsicht und Eigenschutz ganz wichtig.

Thomas Müllerke Bundeswehrsoldat aus Pfreimd/Oberpfalz

Nach den Acht-Stunden-Schichten sehe er sich mit seinen Kameraden die Nachrichten an. Gemeinsam checkten sie die Lage in sozialen Medien oder lesen Kommentare. In der Klinik erhielten die Soldaten viel Anerkennung, sagt Müllerke. "Die meisten Patienten und alle Klinikmitarbeiter, Schwestern, Ärzte, Pfleger, begegnen uns Soldaten mit großer Dankbarkeit. Es gibt aber auch Bürger in Bautzen, die alles ganz anders sehen und Corona ins Lächerliche ziehen."

Ich kann nicht verstehen, dass manche ihre eigenen Ansichten verfolgen und einfach nicht sehen wollen, was los ist. Die Statistiken sagen alles. Wir sehen die Infizierten sterben. Wir hören, wie sie keine Luft mehr bekommen. Dann sterben sie. Das ist nicht lächerlich zu machen.

Thomas Müllerke 40 Jahre alter Soldat im Krankenhaus-Einsatz

Am 28. Dezember endet für Müllerke der Einsatz in Sachsen. Danach gehe er in Quarantäne, weil im neuen Jahr ein Lehrgang anstehe. "Ich war 2019 für ein halbes Jahr im Auslandseinsatz in Litauen. Wenn ich das mit den Wochen jetzt in Bautzen vergleiche, muss ich sagen, dass für mich der Klinikeinsatz genauso wichtig war, wie der Nato-Einsatz. Es fühlt sich sinnvoll an, weil ich helfen kann", resümiert der Oberstabsgefreite. "Es kommt ja auch viel Dankbarkeit zurück."

7 Kommentare

seaking vor 30 Wochen

Stimme dir da voll und ganz zu. Aber wahrscheinlich ist die Bundewehr nicht gerade eine Armee des Volkes, wie wir es kannten. Eingesetzt hätte ich sie auf jeden Fall schon eher, wie du es ja auch gesagt hast. Schließlich kostet uns der Verteidigungshaushalt auch ne Menge an Millionen Euro.
An den Winter 78/79 kann sich mein Vater sehr gut erinnern. Der wurde damals zur Reserve eingezogen. den Winter 86/87 hab ich dann am eigenen Leib und als Jugendlicher erlebt. Alle Schiffe in Peenemünde wurden nur "notbesetzt", da wir die Versorgung auf der Insel Usedom und in Wolgast sicherstellen mussten. War ne aufregende, aber auch schöne Zeit. Möchte ich trotz der Kälte und teilweise auch der Härten nicht missen. Es war eine Schule für's Leben, den manchen heute gut tun würden, wenn sie nicht so dumm oder altklug daher reden würden.
Alles Gute dir Zeitgeist und guten Rutsch ins neue Jahr...

seaking vor 30 Wochen

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten...
Ich muss mich vor dir nicht rechtfertigen. Ich weiß, was ich erlebt habe und da muss ich mir von so einem Naseweis mir nicht das Gegenteil unterstellen lassen. Heutzutage kann man alles googlen. Wer also lesen und sich bilden kann ist im Vorteil.
Noch ne Randbemerkung meinerseits. Ich hab die Arbeit des im Artikel angegebenen Oberstabsgefreiten nie geschmälert(bitte meinen Artikel nochmal genauer lesen). Es ging mir eher um die Gemeinsamkeit und den Vergleich zu meiner Zeit. Ich weiß daher die Arbeit eines jeden Soldaten zu schätzen und hebe diese tolle Arbeit hervor und weiß sie auch zu schätzen.
Over and out...

Zeitgeist vor 30 Wochen

Zur Tätigkeit im Artikel habe ich meine Ausführung gemacht. Diese Bundeswehr hätte ich schon ab März flächendeckend das ganze Jahr eingesetzt. So wären diese Leute wenigsten sinnvoll eingesetzt.
Zu Ihren Winter, ich kannte den extremen von 1978 /79 wo Silvester das Licht aus ging. Genosse Oberfeldwebel, eigentlich wurden fast alle bei ohne Vorkommnis als Staabsfeldwebel ( drei Sterne silbern ) in die Reserve versetzt. Die Fähnrich Dienstgrade kamen bei der NVA später.

Mehr aus der Region Bautzen

Mehr aus Sachsen