Brauchtum Virtuelle Hexenfeuer in der Oberlausitz

Auch in diesem Jahr müssen die großen Hexenfeuer am Vorabend des 1. Mai coronabedingt ausfallen. Ob trotzdem kleine private Hexenhaufen brennen dürfen, entscheiden die Kommunen. Aber ist das Hexenbrennen überhaupt noch zeitgemäß?

Zur Walpurgisnacht brennen in der Oberlausitz sonst vielerorts große Reisighaufen. Wegen der Corona-Beschränkungen gibt es solche Feuer in diesem Jahr nicht. (Archivbild)
Normalerweise wird in der Oberlausitz am Vorabend des 1. Mai das Hexenbrennen groß gefeiert. Das fällt in diesem Jahr aber wieder aus. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Corona macht dem Hexenbrennen wie im vergangenen Jahr einen Strich durch die Rechnung. Denn das Ereignis am Vorabend des 1. Mai wird offiziell als Volksfest eingestuft und die sind nach der aktuellen Corona-Schutzverordnung verboten. Statt einiger großer Feuer wird es deshalb wieder viele kleine geben, denn private Feuer auf dem eigenen Grundstück sind möglich. Dabei gelten natürlich auch die Kontaktbeschränkungen, die Haushalte sollen unter sich bleiben.

Sehr unterschiedliche Regelungen

Ob und wie die privaten Feuer genehmigt werden, liegt in der Hand der Kommunen. Diese aber sind sehr unterschiedlich mit dem Thema umgegangen. Während die einen Feuer bis zu zwei Metern Durchmesser genehmigt haben, darf in anderen Gemeinden nur die Feuerschale oder eine befestigte Feuerstelle genutzt werden. Manche Kommunen wie Görlitz haben private Feuer komplett an diesem Tag verboten.

Livestream vom Hexenbrennen

Es gibt aber auch kreative Lösungen. So zündet der Förderverein des Freibades in Schmölln auf dem Badgelände ein größeres Walpurgisfeuer an. Wer möchte, kann von zu Hause aus zuschauen, denn das Ereignis wird ab 20 Uhr live im Internet übertragen. Vor Ort am Haufen sind nur die Kameraden der Feuerwehr.

Einen Livestream vom Hexenbrennen gibt es auch in Löbau. Hier entzünden die Narren vom Karnevalsklub Löbau ihr Feuer auch digital und übertragen dies im Internet. Dazu gibt's sogar noch Musik und eine Feuershow.

In Wilthen hat die Gemeinde schon am Vormittag begonnen, ihren großen Hexenhaufen abzubrennen. Das passiert auch in diesem Jahr ohne Zuschauer, sagt Bürgermeister Michael Herfort. Mit dabei ist aber die Hexe Corona, die in Flammen aufgehen soll.

Kein uralter Brauch

Aber sind solche "Hexenverbrennungen" heute noch zeitgemäß? Laut Volkskundler Sönke Friedreich von der TU Dresden haben die Hexen- oder Walpurgisfeuer am Vorabend des 1. Mai nichts mit den mittelalterlichen Hexenverfolgungen und -verbrennungen zu tun. Die Ursprünge dieses Brauches lägen ein bisschen im Dunkeln, sagt Friedreich. Die ersten Belege dazu gebe es im 18. Jahrhundert, wo es als Frühlingsbrauch gefeiert wurde. Dabei ging es nicht um das Hexenverbrennen, sondern eher um ein Reinigungsfeuer zur Vorbereitung auf den Sommer. Damals habe man dies noch mit einzelnen Reisigbündeln getan, die man anzündete und damit um die Felder und Wege ging. Mit dieser magischen Handlung wollte man das Böse austreiben.

Abwehrzauber gegen das Böse

Im Laufe der Zeit seien aus den Reisigbündeln größere Reisighaufen geworden, die man angezündet habe, erklärt Sönke Friedreich. Das Feuer habe bei solchen Bräuchen auch immer eine reinigende Funktion, mit dem man Unheil, Krankheiten und Missernten abhalten wollte. Dass Aufsetzen der Strohpuppen sei dagegen eine relativ späte Entwicklung. In der Oberlausitz kenne man dies seit dem frühen 20. Jahrhundert. Dabei verkörperten die Puppen das Böse.

Da es um einen Abwehrzauber geht, also eine magische Handlung, ist natürlich die Vernichtung einer solchen Symbolfigur naheliegend.

Natürlich könne man darüber streiten, ob das "Hexenbrennen" heutzutage noch politisch korrekt und zeitgemäß sei, meint Friedreich. Aber er wolle dies nicht so hoch hängen, da es dabei ja nicht um die Abwertung von Frauen ginge. Die Symbolik sei ein andere, nämlich die der Reinigung und der Versuch, einen Schritt in eine neue Zeit zu gehen, in diesem Fall in den Frühsommer.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 30. April 2021 | 16:30 Uhr

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