Landkreis Bautzen Alle Kliniken voll: Covid-Patientin wird eine Stunde umhergefahren

Die angespannte Versorgungslage in den Krankenhäusern der Oberlausitz wirkt sich auf die Fahrten der Rettungsdienste aus. So war in der vergangenen Nacht ein Wagen mit einer Covid-19-Patientin eine Stunde lang unterwegs, bis eine Klinik mit freien Kapazitäten erreicht wurde. Ein Notfallsanitäter berichtet.

Der Schriftzug -Notarzt Rettungsdienst- auf der Motorhaube eines Rettungswagens
Bildrechte: IMAGO

Im regulären Betrieb fahre der Rettungsdienst Notfälle ins nächstgelegene Krankenhaus - ein Transportweg von maximal einer halben Stunde, erklärt Karl Lehmann. Der 24 Jahre alte Notfallsanitäter, der im Landkreis Bautzen arbeitet, hatte in der Nacht zum Sonnabend seine Einsatzschicht. Dabei wurden er und seine Kollegen zu einer Covid-19-Patientin mit Atemnot gerufen. Auch die Sauerstoffsättigung im Blut der Frau sei nicht optimal gewesen.

"In dieser Nacht war kein Krankenhaus im Landkreis mehr aufnahmefähig. Wir mussten die Patientin mehr als eine Stunde in ein Krankenhaus im Nachbarlandkreis transportieren", berichtet der junge Mann. Das sei kein Einzelfall gewesen: "Kollegen haben auch schon berichtet, dass sie in andere Landkreise fahren mussten."

Fassungslosigkeit über AfD-Forderung

Der Rettungssanitäter kann es nicht fassen, dass in der aktuellen Situation die Aufhebung von Corona-Schutzmaßnahmen gefordert wird. So hatte der AfD-Kreistagsvorsitzende in Bautzen, Henry Nitzsche, am 10. Dezember die Rücknahme der Allgemeinverfügung "in Verbindung mit einer sofortigen Rückkehr zur unbeeinträchtigen Lebensvielfalt und Würde des Menschen" gefordert. Seinem Ärger darüber machte Lehmann auf seinem Twitter-Kanal Luft. Er kommentierte die AfD-Forderung mit den Worten: "Wir mussten diese Nacht einen #Corona Patienten über eine 1h in eine Klinik transportieren, weil im gesamten! Landkreis kein Krankenhaus mehr aufnahmefähig war. Und dann kommst du nach Hause und liest so etwas...!"

"Ich bin der Meinung, dass diese Maßnahmen zu spät gekommen sind, das kann unser Gesundheitssystem nicht mehr lange mitmachen", sagt Lehmann.

Kaum eine Schicht ohne Transport von Covid-Patienten

Karl Lehmann
Karl Lehmann liebt seinen Beruf als Notfallsanitäter trotz der außergewöhnlichen Belastung, außerdem engagiert er sich als Stadtrat für die Linke in Radebeul. Bildrechte: Lehmann

In seinen Schichten sei es inzwischen die Ausnahme geworden, wenn mal kein Corona-Patient transportiert werden muss. Die Rettungsdienste hätten täglich mit der Krankheit zu tun. Zum Beispiel, wenn instabile Covid-19-Fälle zur Weiterbehandlung aus kleinen Krankenhäusern in große Kliniken verlegt werden müssen. Sehr oft müssen alte Menschen mit Covid-19, deren Zustand sich verschlechtert hat, von zu Hause ins Krankenhaus gebracht werden, wie der 24-Jährige berichtet.

Nach jedem Transport eines Covid-19-Patienten sowie von Corona-Verdachtsfällen muss der Rettungswagen besonders sorgfältig desinfiziert werden. Das dauere ein bis zwei Stunden, so Lehmann. Stress und zusätzliche Belastungen machten sich bemerkbar. Der Sanitäter überlegt inzwischen, ob er Weihnachten mit seiner Familie verbringen wird oder ob er es in Anbetracht der Lage besser lässt. Seinen Kollegen ginge es da ähnlich, sagt er.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.12.2020 | 19:00 Uhr

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