Förderrichtlinien Wegen Schweinepest: Kleinbetriebe sollen schlachten und Ställe vorerst schließen

Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Sachsen ist für die in den Restriktionszonen tätigen Schweinehalter mit erheblichen Restriktionen und Auflagen verbunden. Es geht darum, dass die Seuche weder verschleppt noch in Hausschweinbestände eingetragen werden kann. Nun wurden Förderrichtlinien beschlossen, die den Mästern helfen sollen. Für Menschen ist das Virus zwar ungefährlich, Schweinebauern kann es aber die wirtschaftliche Existenz kosten.

Schweine im Viehtransporter auf dem Weg zum Schlachthof
Wegen der ASP-Restriktionen müssen sächsische Schweine zur Schlachtung bis nach Schleswig-Holstein gebracht werden. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Angesichts der schwierigen Marktsituation in der Schweinehaltung durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat die sächsische Staatsregierung zwei Förderrichtlinien beschlossen. Beide wurden gemeinsam vom Sozialministerium und vom Landwirtschaftsministerium aufgelegt, teilten die Ministerien mit.

Kleinbetrieb sollen Schweinehaltung vorübergehend aussetzen

Die Förderrichtlinie "Aufgabe Kleinbestände" richtet sich den Angaben zufolge an kleine Schweinehaltungen mit unter 100 Tieren. "Mit einer finanziellen Entschädigung sollen diese Unternehmen dazu bewegt werden, vorübergehend ihren Betrieb einzustellen", so das Landwirtschaftsministerium. Für Tierhalter mit wenigen Tieren sei es oft schwierig, Schutzmaßnahmen vor ASP-Befall umzusetzen.

Die Wahrscheinlichkeit der Gefahr eines ASP- Eintrags in Kleinbeständen ist höher zu bewerten als in landwirtschaftlichen Schweinehaltungen.

Sächsische Staatsregierung

Diese Einschätzung beruhe auf Erfahrungen aus anderen EU-Mitgliedstaaten, hieß es. Die vorgesehene Zuwendung beträgt den Angaben zufolge einmalig 300 Euro je geschlachtetem Hausschwein. Insgesamt stehen 1,3 Millionen Euro bis zum Jahr 2024 zur Verfügung.

Ferkel
Schweinehalter im Nebenerwerb sollen vorerst auf die Mast dieser Tiere verzichten. Bildrechte: imago images/Countrypixel

Finanzhilfen für Großbetriebe zur Minderung der Mehrkosten

Mit der zweiten Förderrichtlinie "Ausgleich der Transportmehrausgaben" übernimmt der Freistaat nach Angaben der beiden Ministerien anteilig die Mehrkosten der Mastbetriebe, die "bei der Vorbereitung des Transports von Schweinen, für Bestandsuntersuchungen, Blutprobenentnahmen, Einbeziehung des Tierarztes, Erstellen von Attesten und Abfertigung des Transportes anfallen".

Der Tiertransport ist bei der möglichen Verbreitung des ASP-Virus ein kritischer Punkt.

Sächsische Staatsregierung

Die Fördermaßnahmen diene "der Entlastung der Schweine haltenden Betriebe für zusätzliche veterinärrechtliche Auflagen, welche die Tierhalter unverschuldet tragen müssen". Das Land Sachsen übernimmt demnach diese Mehrausgaben bis zu einer Höhe von 20.000 Euro in drei Jahren je landwirtschaftlichem Betrieb. Für diese Förderung stehen ab sofort bis Ende 2024 insgesamt 900.000 Euro zur Verfügung.

Mehrere kleine Ferkel in einem Gehege.
Großbetriebe mit getakteter Industriemast sind besonders von ASP-Restriktionen betroffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Durchgetaktete Schweinemast besonders betroffen

Schweinemäster und Lokalpolitiker hatten Alarm geschlagen und eine wirtschaftlich schwierige Lage verwiesen. Insbesondere industrielle Schweinehaltung mit durchgetakteten Mastzeiten und sogenannten Zielgewichten sind betroffen. Sie müsse ihre Schweine bis nach Schleswig-Holstein karren, weil nur dort Schlachthöfe für Tier aus ASP-Gebieten zertifiziert sind. Die Schweinepreise sind im Keller und Export ist kaum noch möglich. Werden Schweine zu schwer, weil sie nicht wie geplant geschlachtet werden können, sinkt deren Marktwert weiter.

Bauernverband sieht Hilfen als nicht ausreichend

Der Sächsische Landesbauernverband teilte auf Nachfrage mit, die Förderung werde der Größe betroffener Betriebe nicht gerecht und nutze allenfalls Nebenerwerbsbauern. Viele große Betriebe ließen "die Ställe leer laufen", sagte eine Verbandssprecherin MDR SACHSEN. Im Klartext: Die Betriebe stellen die Schweinemast ein. Viele hätten noch andere Standbeine in der Landwirtschaft, manche seien aber auch in der Existenz bedroht. Bei letzteren seien auch die Arbeitsstellen von Mitarbeitenden gefährdet.

Bislang betrage der Selbstversorgungsanteil Sachsens mit Schweinefleisch rund 35 Prozent. Dieser Wert sinke. Regionale Wertschöpfung gehe damit verloren. Der Bauernverband fordert, dass die Afrikanische Schweinepest als nationale Seuche anerkannt wird. Dann könne auf EU-Ebene den Bauern geholfen werden, hieß es.

Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest Am 10. September 2020 wurde in Brandenburg ein erster Fall von ASP bei einem Wildschwein in Deutschland bestätigt. Seitdem wurden Ausbrüche in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen festgestellt. Im Freistaat wurde am 31. Oktober 2020 das ASP-Virus erstmals nachgewiesen. Zwischenzeitlich gibt es 1.005 amtliche Nachweise in den Landkreisen Görlitz, Bautzen und Meißen.

MDR (lam)

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