Tierseuche Afrikanische Schweinepest: "Wir laufen der Seuche hinterher"

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) treibt die Schweinezüchter im Landkreis Görlitz um. Für ihre Schweine bekommen sie zu wenig Geld, nach China können sie gar nichts mehr exportieren. Sie fordern deshalb mehr Tempo bei der Bekämpfung der ASP.

Sperrschild am Tor eines Bertiebsgeländes
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Landwirt Gerhard Gröbner aus Kodersdorf hat schon einige Tierseuchen erlebt, die Maul- und Klauenseuche zum Beispiel. Aber solch einen nachlässigen Umgang wie mit der ASP habe er noch nicht erlebt, sagt der 70-Jährige. Harte Worte, die der Schweinezüchter bei einem Vor-Ort-Termin im Landkreis Görlitz findet. Anlass ist der Besuch von Uwe Feiler vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Der parlamentarische Staatssekretär ist ab sofort so etwas wie der Bundesbeauftragte für die Afrikanische Schweinepest. Er soll als Ansprechpartner für Länder und Kommunen Betroffenen zuhören - so wie Landwirt Gröbner.

800.000 Euro Verlust

In Gröbners Ställen stehen mehr als 2.000 Sauen, dazu kommen jede Woche um die 1.500 Ferkel. Die Preise seien eingebrochen, sagt Gerhard Gröbner, außerdem nehme China wegen der ASP keine Schweineteile aus Deutschland mehr ab. 800.000 Euro habe er dadurch Verlust gemacht. Gröbner und mit ihm viele andere betroffenen Landwirte, die sich in der Interessensgemeinschaft der Schweinezüchter zusammengetan haben, fordern deshalb von der Politik schnelleres Handeln. Der Zaunbau um die gefährdeten Zonen habe viel zu lange gedauert, sodass die Wildschweine die Seuche schon weitergetragen hätten: "Wir laufen der Seuche hinterher", meint Gröbner.

Personengruppe
Bei einem Vor-Ort-Termin mit Staatssekretär Uwe Feiler (l.) berichteten Jäger und Landwirte von ihren Problem mit der Afrikanischen Schweinepest. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Gespräche mit China laufen

Der Bund verspricht Hilfe, beispielsweise beim Thema China. Es gebe bereits ein "Regionalisierungskonzept", sagt Uwe Feiler. Damit sollen die von der Schweinepest betroffenen Regionen durch Zäune und andere Vorkehrungen so abgegrenzt werden, dass die anderen Landesteile als schweinepestfrei eingestuft werden könnten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundeskanzlerin Merkel seien dazu im Kontakt mit der chinesischen Regierung. Diese sei jetzt zumindest bereit, über solch ein Konzept zu sprechen. Damit wäre auch wieder ein Export von Schweinefleisch nach China möglich. Aber noch fehle die Zustimmung Chinas, das alles brauche eben Zeit.

Zu spät reagiert

Das gilt auch für die Bekämpfung der Schweinepest. Man habe viel zu spät reagiert, sagt Landwirt Gröbner. Ein fester Zaun an der polnischen Grenze hätte viel früher stehen müssen. Seine Ställe hat Gerhard Gröbner deshalb schon längst doppelt gesichert: Neben dem festen Zaun um das Betriebsgelände gibt es noch einen zweiten Zaun direkt um die Ställe.

Wir warten immer erst, bis das Problem groß ist und dann sind wir eigentlich zu spät dran.

Gerhard Gröbner Landwirt

Auch die Dezimierung der vielen Wildschweine geht nicht so schnell voran, wie sich das Landwirte und Jäger wünschen. Immerhin sollen jetzt die Jägerinnen und Jäger im Landkreis Görlitz im großen Stil die Wildschweine in der gefährdeten Zone "entnehmen", wie es offiziell heißt - also schießen. Dafür werden sie auch mit entsprechender Technik wie Nachtsichtgeräten ausgestattet, kündigte Dezernent Thomas Rublack vom Landkreis Görlitz an. Auch sogenannte Saufänge sollen eingesetzt werden. Das sind größere Fallen, in denen mehrere Wildschweine gleichzeitig gefangen werden können. "Ziel ist eine deutliche Dezimierung der Wildschweine", so Rublack. Wie nötig das ist, zeigt auch die aktuelle Zahl von infizierten Wildscheinen: Bisher wurde bei 135 Tieren im Landkreis Görlitz das Schweinepestvirus gefunden.

Geöffneter Gitterzaun
Solche Drahtzäune sollen die Wildschweine abhalten, in andere Gebiete zu ziehen. Allerdings gibt es noch einige Lücken, wie beispielsweise Tore, die nach der Benutzung nicht wieder geschlossen wurden. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Bund sichert Unterstützung zu

Staatssekretär Feiler begrüßt diese Bemühungen und sichert gleichzeitig Unterstützung zu. Wenn es Probleme beispielsweise beim Zaunbau, bei Materialien oder bei der Beprobung gebe, könne man einspringen. Auch Bundeswehr oder das THW könnten personell unterstützen. Allerdings müsse das Land diese Hilfe auch anfordern. Wenig Hoffnung machte er aber darauf, dass auch auf der polnischen Seite der Grenze ein fester Zaun gebaut wird. Dazu habe es mehrere Gespräche mit der polnischen Regierung gegeben. Die hätten aber kein Ergebnis gebracht.

Für Gerhard Gröbner keine gute Nachrichten. Er musste wegen der hohen Verluste schon einen Kredit aufnehmen: "Das geht richtig an die Substanz." Er kann nur auf höhere Schweinepreise hoffen und darauf, dass China seinen Markt für deutsche Schweineteile wieder öffnet.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 29. April 2021 | 16:30 Uhr

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