30.04.2020 | 10:07 Uhr | Update Jäger in der Oberlausitz ärgern sich über Auflagen zur Wildschweinjagd

Zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest gelten für die Jagd auf Wildschweine in der Oberlausitz neue Auflagen. Die sorgen für Unmut bei den Jägern. Dabei geht es unter anderem um die Entsorgung der Eingeweide.

Vier erschossene Wildschweine nach einer Treibjagd.
Wildschweine könnten in der Oberlausitz bald weniger bejagt werden. Denn vielen Jägern sind neue Auflagen zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest zu viel. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Seit Mitte April müssen Jäger von erlegten Wildschweinen Blutproben von den Tieren entnehmen und an das Landesveterinäramt senden. Das ordnete die Landesdirektion mit einer Allgemeinverfügung vom 15. April an. Die Eingeweide, den sogenannten Aufbruch, und die Schwarte haben die Jäger über die Tierkörperbeseitigungsanstalt zu entsorgen.

Das Wildbret dürfen die Jäger erst dann verkaufen, wenn die Auswertung der Proben auf die Afrikanische Schweinepest negativ ausfällt. Bis dahin die Jägerinnen und Jäger dieses Ergebnis vorliegen haben, könnten schonmal fünf Tage vergehen, sagt Detlef Eckert. Der Vorsitzende des Jagdverbandes Oberlausitz hält das für "unzumutbar". Denn viele Jäger hätten nicht die Kapazitäten, das Wildbret so lange zu kühlen. Wenn er am Freitagabend ein Wildschwein erlegt, könne er die Proben erst am Montag auf den Weg bringen. Bis zu 72 Stunden müsse er dann auf das Ergebnis warten. "Diese Vorgänge müssen beschleunigt werden", fordert Eckert.

Aufwand für Entsorgung der Tierreste zu hoch?

Detlef Eckert kritisiert außerdem den Aufwand, den Jäger für die Entsorgung von Innereien und Schwarte der erlegten Tiere auf sich nehmen müssten. Drei Kadaversammelstellen gibt es dafür im Landkreis Bautzen, vier im Landkreis Görlitz. Außerdem können die Jäger die Tierreste gegebenenfalls auch zu Hause sammeln und dort abholen lassen. Doch das alles will organisiert sein. Dauert es länger bis zur Abholung, fangen die Kadaver bei dem warmen Wetter schnell an zu stinken. Vielen Jägern sind diese Auflagen deshalb zuviel. "Mir sagen die Leute: Dann jagen wir eben keine Schweine mehr", berichtet Eckert.

Dabei müsste die Jagd aufs Schwarzwild eigentlich weiter intensiviert werden. Denn der Wildschwein-Bestand wachse von Jahr zu Jahr und damit mehren sich die Schäden, die die Rotten verursachen. "Die Schweine leben hier in einem Schlaraffenland auf Erden", sagt Hans-Dietmar Dohrmann vom Jagdverband Niederschlesische Oberlausitz. Denn auf den Feldern der Bauern gibt es Futter im Überfluss und die Winter sind zu mild. Deshalb bejagten die Waidmänner das Schwarzwild in den vergangenen Jahren immer stärker. Im Jagdjahr 2019/20 wurden der Jagdbehörde im Landkreis Görlitz bislang mehr als 5.800 erlegte, tot aufgefundene oder bei Unfällen umgekommene Wildschweine gemeldet.

Mögliche Folge: Wildschweine könnten weniger bejagt werden

Doch diese Zahl könnte nun wieder sinken.

Ich glaube, dass hier eine größere Zurückhaltung bei der Jagd entstehen wird, weil man mit dem Problem nicht fertig wird. All die Dinge müssen innerhalb von eins, zwei Tagen erledigt werden. Nicht alle Jäger sind im Rentenalter, so wie ich. Viele gehen noch zur Arbeit und sind gar nicht in der Lage so viel Zeit aufzubringen, um das jetzt alles organisatorisch auf die Reihe zu bekommen.

Hans-Dietmar Dohrmann

Er hört, dass sich auch in seinem Jagdverband viele Mitglieder nicht imstande sehen, den neuen Verpflichtungen nachzukommen.

Jäger Marko Broda "Die Jäger sollen helfen, die Wildschwein-Population einzuhegen. Aber ihnen wird mit der Anordnung alles viel schwieriger gemacht", sagt Jäger Marko Broda aus Horka. Er fordert eine vernünftige Regelung. "Dann sollten die Jäger auch für den zusätzlichen Aufwand entschädigt werden."

Dazu kommt, dass der Absatz des Wildbrets wegen der Corona-Einschränkungen leidet. Gaststätten haben geschlossen und auch Privatkunden fragten Wildfleisch zuletzt immer weniger nach, berichten die Vorsitzenden beider Jagdverbände. Sie verweisen deshalb auf Bayern, wo seit Anfang dieses Jahres für den Abschuss von Wildschweinen eine Prämie von 100 Euro gezahlt wird. Im Landkreis Görlitz gebe es dagegen eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro für die Beprobung und die Entsorgung von Aufbruch und Schwarte. "Das deckt den Zeit- und Kostenaufwand dafür überhaupt nicht", kritisiert Hans-Dietmar Dohrmann.

Gebotene Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung

Doch der Jäger versteht den Sinn der Auflagen. "Man kommt nicht drumrum. Die Maßnahmen sind zur Seuchenbekämpfung geboten", sagt Dohrmann. Vor wenigen Wochen ist auf polnischer Seite nur zehn Kilometer entfernt von der Grenze ein positiv auf die Schweinepest getesteter Wildschweinkadaver gefunden worden. Die Restriktionszonen der Polen reichen nun fast bis an die deutsch-polnische Grenze heran.

Bislang ist die Seuche noch nicht nach Sachsen eingeschleppt worden. Trotzdem sei das Risiko in ganz Sachsen unverändert hoch, erklärte Gesundheitsministerin Petra Köpping vor wenigen Tagen.

Aus diesem Grunde ist die Beprobung dieser Indikatortiere ein wichtiger Beitrag für die Tierseuchenprophylaxe.

Petra Köpping Gesundheitsministerin

Für eine wirksame Früherkennung der Afrikanischen Schweinepest sei eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Veterinärbehörden und der Jägerschaft deshalb eine wichtige Voraussetzung.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.04.2020 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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