20.06.2020 | 09:00 Uhr Wiederentdeckte Aquarelle lüften Geheimnisse im Fürst-Pückler-Park

Der Muskauer Park ist seit seiner Entstehung ein beliebtes Motiv bei Malern und Fotografen. Trotzdem bewahrte sich der Park seine Geheimnisse. Einige können jetzt mithilfe von Aquarellen gelüftet werden. Die Bilder des Landschaftsmalers Carl Graeb galten als verschollen und sind vor zwei Jahren wiederentdeckt worden: Eine Sensation! Ab Sonnabend sind die einzigartigen Werke in Bad Muskau im Neuen Schloss zu sehen.

Aufgang zum Schloss
Bildrechte: MDR/Viola Simak

Es ist eine unglaubliche Geschichte, die sich hinten den 74 Aquarellen verbirgt. Jahrzehntelang galten die Bilder des Landschaftsmalers Carl Graeb als verschollen. Mitte des 19. Jahrhundert hatte der Berliner Künstler mehrere Jahre lang immer wieder im Muskauer Park im Auftrag des preußischen Königshofes zum Pinsel gegriffen. Entstanden ist ein Bilderzyklus mit 74 einzigartige Aquarellen.

Geheimnisvolle Mappen bergen Schätze

Die Stiftung "Fürst-Pückler-Park Bad Muskau" hatte vor knapp drei Jahren begonnen, eine neue Sonderaustellung zum Wirken des Prinzen Friedrich der Niederlande vorzubereiten. Für die Schau "Als Muskau königlich war" wurde nach Exponaten gesucht. "Da kam im Frühjahr 2018 der Hinweis auf zwei geheimnisvolle Mappen", erzählt Parkdirektor Cord Panning. Die Mappen waren mit "Muskau" beschriftet. Ihr Inhalt war eine Sensation für die Parkforschung. Sie enthielten 74 Aquarelle signiert von Carl Graeb. Die Beauftragung des preußischen Hofmalers und Mitglieds der Akademie der Künste zu Berlin mit einer Muskauer Bildserie war bis dahin nur durch einen Brief bekannt, den Prinz Friedrich an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. schrieb.

Details beeindrucken bis heute

"Die Aquarelle von Carl Graebs sind ein Schatz", meint Cord Panning gerät ins Schwärmen über den Detailreichtum der Bilder.

Es gibt ein Aquarell, da finden sie vielleicht in Milliometergröße noch einen Heuwagen, der von Ochsen gezogen wird. Und natürlich diese großartig fein ziselierten, gemalten Gehölze, die Bäume mit ihrem Blätterwerk, das man sie auch wirklich identifizieren kann.

Cord Panning Direktor Fürst-Pückler-Park

Ob Schlosswiese, Bergpark oder Herrmannseiche, der Künstler Graeb hat die Szenerie im Muskauer Park auf diese Weise fast schon fotografisch wiedergegeben. Das war damals vor dem Siegeszug der Fotografie durchaus üblich. Doch das Einzigartige an den Aquarellen ist: Sie haben auch die besondere Stimmung des Muskauer Parks eingefangen. Deshalb schwärmt Panning weiter: "Das man sich so reinfallen lassen kann in die Bilder, um in dieser Schönheit zu schwelgen. Das ist schon großartig."

Bildergalerie Aquarelle enthüllen unbekannte Details im Muskauer Park

Blick in die Ausstellung
Im Neuen Schloss im Muskauer Park werden die wiederentdeckten Aquarelle gezeigt. Bildrechte: MDR/Viola Simak
Blick in die Ausstellung
Im Neuen Schloss im Muskauer Park werden die wiederentdeckten Aquarelle gezeigt. Bildrechte: MDR/Viola Simak
Aufgang zum Schloss
Aufgang zum Neuen Schloss Bildrechte: MDR/Viola Simak
Schlosswiese
Der Blick auf die Schlosswiese Bildrechte: MDR/Viola Simak
Schloss vor dem Umbau
Das Schloss vor dem großen Umbau Bildrechte: MDR/Viola Simak
Amtshaus vor dem Umbau
Auch das Amtshaus wurde später umgebaut. So sah es vorher aus. Bildrechte: MDR/Viola Simak
Blick über Schlossteich zum Schloss
Bis heute das Motiv für Maler und Fotografen: der Blick über den Schlossteich. Bildrechte: MDR/Viola Simak
Brauerei
Die Brauerei früher. Derzeit laufen die Sanierungsarbeiten. Bildrechte: MDR/Viola Simak
Brücke über Herrmannsschlucht im östlichen Parkteil
Die einstige Brücke über die Herrmannsschlucht im östlichen Parkteil wurde wahrscheinlich unter Prinz Friedrich errichtet. Von ihr wusste man, dass es sie gab, aber man wusste nicht wie sie aussah, weil es bisher kein Bild von ihr gab. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Keulahütte außen
Die Keulahütte präsentiert sich von außen bis heute nahezu unverändert. Auch heute noch wird hier Metall gegossen und verarbeitet. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Keulahütte innen
Der Blick in die Gießerei in der Keulahütte Bildrechte: MDR/Viola Simank
Frauen in sorbischer Tracht im Park
Interessante Details an der sorbischen Tracht: drei Frauen beim Schwatz im Muskauer Park. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Blick von der Blockkellerwiese im Bergpark auf die Gaststätte „Zum Bockkeller“. Im Hintergrund die Jakobskirche und die Brauerei
Auch dieses Bild lüftet einige Geheimnisse: Blick von der Blockkellerwiese im Bergpark auf die Gaststätte "Zum Bockkeller", im Hintergrund die Jakobskirche und die Brauerei. Das Wissen um das Aussehen der Gaststätte ging verloren. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Gegenüberstellung Foto – Aquarell  Oben: Blick über die Schlosswiese auf das Beamtenwohnhaus im Schlossvorwerk  Unten: Plattenwasserfall im Herrengarten
Gegenüberstellung Foto und Aquarell
Oben: Blick über die Schlosswiese auf das Beamtenwohnhaus im Schlossvorwerk
Unten: Plattenwasserfall im Herrengarten
Bildrechte: MDR/Viola Simank
ein aktuelles Foto vom Schloss (Hinterseite)
Der Muskauer Park ist immer einen Ausflug wert. Die wieder entdeckten Aquarelle sind bis Anfang November im Neuen Schloss zu sehen. Bildrechte: MDR/Viola Simank
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Die 74 Aquarelle entstanden im Auftrag des Prinzen Friedrich der Niederlande, der Fürst Pückler als Besitzer des Muskauer Parks folgte.

Ein Schatz für die Wissenschaft

Brücke über Herrmannsschlucht im östlichen Parkteil
Die einstige Brücke über die Herrmannsschlucht im östlichen Parkteil wurde wahrscheinlich unter Prinz Friedrich errichtet. Von ihr wusste man, dass es sie gab, aber man wusste nicht wie sie aussah, weil es bisher kein Bild von ihr gab. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Auf den Bilder entdecken die Forscher zahlreiche bislang unbekannte Details. So war in Vergessenheit geraten, wie beispielsweise die Brücke über Herrmannsschlucht im östlichen Parkteil aussah. Auch von der einstigen Gaststätte im Bergpark "Zum Bockkeller" gab es bislang weder Dokumente noch Bilder. Mit den Aquarellen von Carl Graeb können jetzt manche Geheimnisse im Park gelüftet und damit auch manche Rätsel gelöst werden.

Wir erhalten einen derart präzisen flächenhaften Einblick in eine Zeit um 1860, wie es kein anderer Landschaftsgarten auf dem Kontintent vorweisen kann. Und das Ganze in einer außergewöhnlichen Qualität als belastbares Zeitdokument.

Cord Panning Direktor Fürst-Pückler-Park

Landschaftsgärtner, Historiker und Mitarbeiter der Stiftung sind bereits von den Bildern beeindruckt. Aber auch die Besucher der neuen Sonderausstellung "Die zarte Leichtigkeit der Farben - Wiederentdeckte Muskauer Aquarelle des Landschaftsmalers Carl Graeb" werden sich dem Zauber der Aquarelle nicht entziehen können, die dem Welterbe neue Ein- und Ausblicke gewähren.

Umfangreiches Begleitprogramm für Besucher

Zu der neuen Sonderausstellung gehört ein umfangreiches Begleitprogramm. So werden thematische Spaziergänge und Radtouren zu Motiven Carl Graebs angeboten. Erklärt wird dabei auch, zu welchen neuen Erkenntnissen die Wissenschaftler dank der Bilder gekommen sind und was noch erforscht werden muss. Trotz der Aquarelle und ihrer Leichtigkeit der Farben: Noch nicht alle Geheimnisse hat der Muskauer Park preisgegeben.

Die Sonderausstellung im Neuen Schloss Bad Muskau ist bis 1. November 2020 zu sehen.

Quelle: MDR/vs/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.06.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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