Tierseuche Erstmals Hausschweine von Schweinepest betroffen

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen ist längst in Brandenburg und Sachsen angekommen. Sperrbezirke sind in der Vergangenheit errichtet und permanent erweitert worden. Die Fälle nahmen dennoch nicht ab. Nun ist das für Menschen ungefährliche Virus von Wildtieren auf Hausschweine übergesprungen. Die Reaktionen.

Ein Schwein in einem Stall schaut nach draußen.
In Südbrandenburg ist in einem Landwirtschaftsbetrieb die Schweinepest aufgetreten. Bildrechte: imago/Jörn Haufe

Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland erstmals bei Hausschweinen festgestellt worden. Betroffen sind Bestände in den brandenburgischen Landkreisen Spree-Neiße an der Grenze zu den Landkreisen Bautzen, Görlitz und Märkisch-Oderland. Das teilte das Verbraucherschutzministerium des Bundeslandes in der Nacht zum Freitag mit. Beide Bestände seien nach den Befunden sofort von den Veterinärämtern gesperrt worden.

Tiere müssen getötet werden

Der betroffene Betrieb im Landkreis Spree-Neiße hat nach Angaben des Ministeriums 200 Schweine. Sie alle würden getötet und beseitigt. Beim betroffenen Bestand in Märkisch Oderland handelt es sich um eine Kleinsthaltung mit nur zwei Tieren. Die Behörden ermitteln nun dazu, wie die Hausschweine sich mit dem Virus anstecken konnten.

Suche nach Übertragungsweg

Das Virus bei den Hausschweinen wurde den Angaben zufolge zunächst vom Landeslabor Berlin-Brandenburg nachgewiesen. Am Donnerstagabend wurde der Befund dann vom nationalen Referenzlabor, dem Friedrich-Löffler-Institut (FLI), bestätigt. Die brandenburgische Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärte, es sei jetzt wichtig, möglichst rasch die Ursache der Übertragung des Virus auf die Hausschweine zu finden.

Wildschwein steht in einem Wildgatter. 3 min
Bildrechte: dpa

Sperrzone in Sachsen erweitert

Bislang war die ASP in Brandenburg bei rund 1.300 Wildschweinen festgestellt worden - in Sachsen bei rund 300 Wildschweinen. Hausschweine waren hingegen bisher nicht betroffen gewesen. Zur Abwehr der sich über Polen verbreitenden ASP hatten die Behörden einen festen Zaun entlang der Oder und Neiße errichten lassen. Sachsen hat außerdem jetzt die festgelegten Sperrzonen erweitert. Grund waren Funde von ASP-infizierten Wildschweinen nahe des bisherigen Zaunverlaufs, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Wir werden neue Kräfte mobilisieren, um der Tierseuche Herr zu werden.

Petra Köpping Gesundheitsministerin. SPD

Das gefährdete Gebiet umfasst nun außer dem gesamten nördlichen Bereich des Landkreises Görlitz auch Teile der Gemeinden Spreetal, Lohsa, Radibor und den größten Teil des Stadtgebietes Bautzen. Im Süden verläuft die Sperrzone über eine Linie südlich der Autobahn 4 von Bautzen über Löbau bis nahe Ostritz an der Landesgrenze zu Polen.

Eine sogenannte Pufferzone verläuft mittig durch den Landkreis Bautzen bis zur Grenze des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und umfasst von dort gen Osten die gesamten Bereiche der Landkreise Bautzen und Görlitz. Im gefährdeten Gebiet sind für die Halter von Hausschweinen Auslauf- und Freilandhaltung sowie der Transport von Schweinen und Schweineprodukten verboten.

Die ASP verläuft für die befallenen Schweine fast immer tödlich. Für den Menschen und andere Tierarten ist das Virus nicht ansteckend oder gefährlich.

Schweinehalter fürchten weiteren Preisverfall

"Die Bauern machen jetzt schon 30 bis 40 Euro Verlust pro Schwein, während andere sich die Taschen vollmachen", sagte der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter, Torsten Staack, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er rief Schlachtunternehmen und Handelskonzerne zur Solidarität mit den Landwirten auf.

Der Deutsche Bauernverband mahnte, die weitere Ausbreitung zeige die "hohe Dringlichkeit einer besseren Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest an der polnischen Grenze". Es müsse "endlich gelingen, die Seuche zurückzudrängen", forderte Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes und Sprecher für die Schweinehaltung im Bauernverband. "Wir müssen feststellen, dass die ergriffenen Maßnahmen ebenso wie deren Koordinierung nicht ausreichen."

Quelle: MDR/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 16. Juli 2021 | 05:30 Uhr

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