Pandemie-Kunst Lockdown-Loch: Künstler verarbeiten Corona-Erfahrung in Ausstellung

Künstler und Künstlerinnen hatten unter den vielen Schließungen von Museen und anderen Kultureinrichtungen während der Corona-Pandemie zu leiden. Manche haben diese Zeit auch produktiv genutzt: Für neue Ideen und Kunstwerke. Diese werden ab Sonnabend in einer neuen Ausstellung der früheren Baugewerkeschule in Zittau vorgestellt. Die beteiligten Künstler kommen nicht nur aus Sachsen, sondern aus dem ganzen Dreiländereck.

Ausstellung über Erfahrungen in der Corona-Zeit in Zittau
Kuratorin Sabine Zimmermann-Törne geht es mit der ungewöhnlichen Ausstellung auch um die Kunst des Zuhörens – trotz vieler Streitpunkte beim Thema Corona. Bildrechte: Viola Simank

Gut zehn Jahre stand die einstige Baugewerkeschule in Zittau leer. Seit Sonnabend wird sie vorübergehend wieder zum Leben erweckt: In der dreisprachigen Ausstellung "1000 & Deine Sicht" blicken deutsche, polnische und tschechische Kunstschaffende aus dem Dreiländereck auf die Krisenerfahrungen in der Pandemie zurück und laden die Gäste zum Dialog ein. Sie präsentieren auf drei Etagen ihre Rauminstallationen und Gemälde zu Corona-Erfahrungen.

Besucher dürfen ihre Sichtweisen einbringen

Ein "Zentrum für offene Fragen" gestaltete der Multimedia-Künstler Wolfgang Georgsdorf. Der Österreicher hat Menschen in Zittau zu ihrer Pandemie-Zeit befragt. Auf Stellwänden sind viele Fragen zu dieser Zeit gepinnt. Einige sind provokativ. Es werde etwa die Frage gestellt, ob Corona in einem fiktiven Indizienprozess als Massenmord verurteilt würde, erklärt der Künstler MDR SACHSEN. Gäste der Ausstellung dürfen ihre persönlichen Fragen dazu schreiben und andere Sichtweisen einbringen, betont Georgsdorf.

Ausstellung über Erfahrungen in der Corona-Zeit in Zittau
In der schneckenartigen Naturtauschbörse können die Besucher und Besucherinnen Dinge rausnehmen oder reinlegen. Bildrechte: Viola Simank

Manchmal lohnt es sich, auch dem zuzuhören, der formal vielleicht eine andere Sicht hat, weil er andere Beweggründe hat als man selbst.

Sabine Zimmermann-Törne Kuratorin

Baugewerkeschule außen
Die historische Baugewerkeschule in Zittau durfte mit einer baulichen Ausnahmegenehmigung für die Ausstellung öffnen. Dafür wurde unter anderem ein zweiter Rettungsweg aus Gerüsten angebaut. Nach dem Ende der Schau verschwindet er wieder. Bildrechte: Viola Simank

Urlaub zuhause in der Pandemie als Kunst verarbeitet

Ein anderer Ausstellungsbereich beschäftigt sich mit Rückzugsorten während der Corona-Zeit: Mitten im Raum steht ein begehbares Pflanzen-Gewächshaus: Als Symbol für ein privates Refugium oder den Urlaub zuhause. "Die Frage ist, wieviel kann man schöpfen aus dem, was einem zur Verfügung steht, wenn die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist", beschreibt die Kuratorin im Gespräch mit MDR SACHSEN die Idee dahinter. Auch ein Gedicht-Generator der Künstlergruppe "Kling Klang Klong" dürfte zu einem der Besuchermagneten werden.

Ausstellung über Erfahrungen in der Corona-Zeit in Zittau
Die Rauminstallation „kraft ort natur“ von Sascha Röhricht und Sebastian Hänel thematisiert die Natur als Rückzugs- und Kraftort. Sie zeigt auch ein kleines begehbares Pflanzengewächshaus. Bildrechte: Viola Simank

Ausstellung ist Teil eines großen Corona-Kunstprojektes

Die Ausstellung ist Teil eines übergreifenden, gleichnamigen Kulturprojektes, veranstaltet von den Städtischen Museen Zittau. Der "1000 & Deine Sicht"-Festivalsommer war am 24. Juni 2022 mit einem Festival in Zittau gestartet.

Die Ausstellung in der Baugewerkeschule in Zittau ist an den Wochenenden 14 bis 18 Uhr geöffnet, am Donnerstag und Freitag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro (ermäßigt 3 Euro).

MDR (sim/wim)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 16. September 2022 | 16:30 Uhr

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