Fürst-Pückler-Park Bad Muskau: Kurstadt mit Welterbe sucht Investoren

Bad Muskau ist widersprüchlich. Auf der einen Seite ist da die 3.600-Einwohner-Stadt mit etlichen unsanierten Häusern, DDR-Wohnblöcken, einer überalterten Bevölkerung und klammer kommunaler Kasse. Auf der anderen Seite gibt es das Unesco-Weltkulturerbe, den wie aus dem Ei gepellten Fürst-Pückler-Landschaftspark, durch den Tausende Touristen spazieren - unterhalten durch eine staatliche Stiftung. Was fehlt, sind die private Unternehmer, die das Potenzial des Ortes sehen und investieren.

Eine Pferdekutsche fährt über die Berliner Straße an der alten Brauerei vorbei.
Eine Pferdekutsche fährt über die Berliner Straße an der alten Brauerei vorbei. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Jahrelange Suche nach Investoren

Eine Pferdekutsche klackert gemütlich die Berliner Straße in Bad Muskau entlang, vorbei an der eingerüsteten alten Brauerei. Über viele Jahre war das mehrstöckige Gebäude mit dem angrenzenden Niederländischen Hof ein Schandfleck der kleinen Stadt. Nachdem es der Freistaat aus der Zwangsversteigerung gelöst hatte, wird es gerade für zweieinhalb Millionen Euro von Kommune und Land saniert. Auch gibt es einen Interessenten, der in dem denkmalgeschützten Ensemble wieder eine Brauerei betreiben möchte.

Das wären gute Aussichten für Dirk Eidtner, Hauptamtsleiter der Stadt und Geschäftsführer der kommunalen Tourismus GmbH. "Bad Muskau hat unheimlich viel Potenzial. Wir würden uns mehr private Aktivitäten wünschen", sagt er. Doch es sei schwer, private Investoren zu finden - im Großen wie im Kleinen. Zum Beispiel nachdem vor fünf Jahren der Betreiber des Wohnmobilstellplatzes starb, gibt es für ihn bis heute keine Nachfolge. Die Wohnmobilreisenden kommen aber trotzdem und notgedrungen betreibt seither die Tourismus GmbH der Stadt den Platz.

Hauptamtsleiter Dirk Eidtner steht vor der Touristinformation von Bad Muskau.
Hauptamtsleiter Dirk Eidtner steht vor der Bad Muskauer Touristinformation. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Bad Muskau hat unheimlich viel Potenzial. Wir würden uns mehr private Aktivitäten wünschen.

Dirk Eidtner Hauptamtsleiter von Bad Muskau

Übernachtungsmöglichkeiten fehlen

Seit 1961 trägt Muskau den Titel "Bad" und ist als Ort mit Moorkurbetrieb zertifiziert. Im Jahr 2004 wurde der malerische Fürst-Pückler-Park ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen, seit 2014 wird Thermalsole gefördert, 2016 kam die Titelverleihung "Unesco Global Geopark" für die Landschaft des Muskauer Faltenbogens hinzu. Also beste Voraussetzungen für eine boomende Tourismuswirtschaft?

Es fehlt laut Eidtner an Übernachtungsmöglichkeiten. Dabei sei die Lage des Ortes optimal. "Sie haben es nicht weit zum anderen Pückler-Park nach Branitz, zum Rhododendron-Park in die Nachbargemeinde Gablenz-Kromlau. Sie können nach Polen fahren, haben es nicht weit ins Riesengebirge. Insofern ist Bad Muskau ein idealer Ort zum Übernachten und die Umgebung kennen zu lernen."

Thermalsole kein Exportschlager

Die Frage nach den Einnahmen aus der Thermalsole entlockt Eidtner ein bitteres Lachen. Man sei froh, dass man nicht draufzahle, erwidert er. Die Muskauer Sole geht per Tankwagen an das Schwimmbad ins benachbarte Krauschwitz, in den Trixipark nach Großschönau und es gibt einen Direktanschluss ins örtliche Kulturhotel - aber sie ist kein Exportschlager.

Solebecken mit zwei Frauen
Die Muskauer Sole im Becken des Krauschwitzer Erlebnisbades soll von besserer Qualität sein als die Sole vom Toten Meer. Bildrechte: Uwe Walter

"Wir hoffen natürlich auf weitere Interessenten für die Thermalsole - dafür haben wir die Aufbereitungsanlage in Betrieb genommen", sagt Sven Mimus von der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH (ENO) des Görlitzer Landkreises. Eine aktive Vermarktung, Badbetreibung oder Produktentwicklung sei aber nicht Aufgabe der ENO. Das überlasse man privaten Akteuren, so Mimus. "Jedermann kann aufbereitete Sole von uns beziehen."

Wir hoffen auf weitere Interessenten für die Thermalsole.

Sven Mimus ENO

Thermalsole von Bad Muskau - Die Bad Muskauer Sole ist mit 1.586 Metern die tiefste und mit 44 Grad Celsius die heißeste Thermalsoleförderung in Sachsen.
- Mit einem Salzgehalt von ca. 8 Prozent und einem hohen Anteil an Mineralstoffen hat das Wasser eine positive Wirkung auf die Gesundheit.
- 21.000 Liter Thermalsole können täglich aufbereitet werden.
Quelle: ENO

Mit dem ÖPNV schwer erreichbar

Ob Sole-Verarbeitung, Gaststätten- oder Herbergsbetrieb - als Gewerbetreibender würden hier in der Umgebung die Chancen spärlich ergriffen, beobachtet Eidtner. Es kämen verschiedene Probleme zusammen: "Ein Punkt ist, dass gerade nicht die große Unternehmerschaft hier in der Oberlausitz wohnt." Oft fehle das Eigenkapital und bei denen, die den Mut hatten, etwa Ferienwohnungen zu betreiben, habe nun die Corona-Zeit Rückschläge gebracht.

Schloss im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau
Der Fürst-Pückler-Park ist ein beliebtes Ausflugsziel für Tagestouristen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Dann ist die Erreichbarkeit des Städtchens an der polnischen Grenze so ein Thema. "Wenn ich von Dresden komme, muss ich über die A4 fahren, dann habe ich von Bautzen aus noch eine gute Stunde über eine Landstraße, die noch immer nicht ausgebaut ist", beschreibt Eidtner. Mit Bus und Bahn werde es ganz schwierig, wenn man von Leipzig oder Dresden nach Bad Muskau wolle.

Die Sommersaison verläuft dennoch laut Cord Panning von der Stiftung Fürst-Pückler-Park stets ausgesprochen gut. Die Nachfrage im Dienstleistungssektor überwiege das Angebot, überall würden Saisonkräfte gebraucht und gesucht. Problematisch seien die Wintermonate, wenn es um Tourismus geht. "Das macht es so schwierig für unternehmerische Aktivitäten", findet der Stiftungsleiter.

Erfolgsgeschichte Kulturhotel

Eine Erfolgsgeschichte ist das Kulturhotel Fürst-Pückler-Park. Das 180-Betten-Haus liegt unmittelbar am Eingang zum Park und ist fast komplett ausgebucht. Thekla Nichterlein, eine gebürtige Dresdnerin, leitet das einzige große Hotel am Platz. "Den Ort versteht man erst, wenn man da ist. Wir hatten auch eine lange und schwere Anlaufphase", sagt die 35 Jahre alte Hotelbetreiberin.

Das Konzept des Hauses, das sich rund um die Pückler-Zeit dreht, funktioniert. "Wer Bad Muskau als Unesco Weltkulturerbe sehen möchte, landet bei uns - eben der klassische Kulturtourismus", so Nichterlein. Dazu komme noch das Geschäft mit Veranstaltungen wie Tagungen und Hochzeiten.

Kulturhotel in Bad Muskau
Das Kulturhotel verfügt über 180 Betten, die reichen in der Sommersaison nicht aus. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Spagat zwischen Sommersaison und Winterpause

Vereinzelt buchen sich auch Kurgäste in das Hotel, wie Nichterlein berichtet. Diese besuchten dann die Physiotherapie im Haus, wo unter anderem Soleheilbäder in Badewannen angeboten werden. Die Kuren seien für das Hotel nur ein Nebengeschäft zum Erhalt des Kurortstatus. Denn im Ort gibt es keine Therme, Schwimmhalle oder ähnliches.

"Bad Muskau ist und wird aufgrund des fehlenden Wassers keine klassische Wellnessdestination", sagt Nichterlein. "Wir versuchen, das kulinarisch aufzufangen." So nutzt man in der Gastronomie unter anderem historische Kochbücher und dann wird getafelt wie zu Pücklers Zeiten.

Bad Muskau ist und wird aufgrund des fehlenden Wassers keine klassische Wellnessdestination.

Thekla Nichterlein Geschäftsführerin Kulturhotel Fürst-Pückler-Park

Während die Kapazität des Kulturhotels im Sommer nicht ausreicht, kommen im Winter die kargen Zeiten. Hier hofft Nichterlein, dass mit dem vom Freistaat geplanten Ausbau des Kavalierhauses am Muskauer Schloss ein Besucheranreiz für die Wintersaison entsteht. Wenn dort dann Ausstellungsräume zu Kulturerbe und Geopark eingerichtet werden, die auch bei schlechtem Wetter ein Erlebnis sind.

13 Millionen Euro für den Badepark

Im Moment konzentrieren sich die Bauaktivitäten der Stiftung des Freistaates auf zwei andere Großprojekte: Seit 2014 wurden 6,75 Millionen Euro in den sogenannten Badepark nahe des Pückler-Parks investiert. Dort werden historische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert denkmalgerecht in Schuss gebracht. Im Moment läuft der Aufbau eines Musikpavillons. Insgesamt sind Bauausgaben in Höhe von rund 13 Millionen Euro geplant, wie die Stiftung des Fürst-Pückler-Parks informiert.

Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park steht vor dem Muskauer Schloss.
Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park steht vor dem Muskauer Schloss. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Zweite große Baustelle ist die Sanierung der alten Brauerei und des Niederländischen Hofes. All diese Ensemble sind in der Historie über Fürst Hermann von Pückler bedeutend, wie Stiftungsleiter Panning betont. Die Bauprojekte sind immer mit Eigenmitteln aus der Bad Muskauer Stadtkasse zu untersetzen. In dem Sinne hat der kleine Ort eine finanzielle Bürde mit dem Weltkulturerbe des Fürst-Pückler-Parks zu tragen.

Badepark

Die erste Badesaison eröffnete Hermann Fürst von Pückler-Muskau im Juni 1823 im Badepark.
Dieser liegt unweit des großen Landschaftsparks etwas versteckt an der Görlitzer Straße zwischen Bautzener Straße und Neißedamm.
Drei prägnante Gebäude aus der Zeit des Kurwesens im 19. Jahrhundert hat die Stiftung im Bauprogramm - die 1850 errichtete Villa Bellevue (Sanierung abgeschlossen), das historische Badehaus, erbaut 1857, sowie die Villa Pückler, Baujahr 1823.
Derzeit wird ein kleiner Musikpavillon am originalen Standort wieder errichtet.
Im Badepark befindet sich auch die Haltestelle der Waldeisenbahn Muskau.
Die sanierte Pückler-Villa soll eine Dauerausstellung zu den Orientreisen des Fürsten und zum Schicksal der afrikanischen Sklavin Machbuba erhalten.

Alte Brauerei und Niederländischer Hof

Der im Auftrag von Fürst Pückler errichtete Gebäudekomplex Brauerei mit Restauration an der Berliner Straße in Bad Muskau wurde 1845 als Ziegelsteinbauwerk fertiggestellt.
Im zum Park ausgerichteten Gebäudeteil befand sich das Gasthaus "Niederländischer Hof".
Bis zur Enteignung wurde in der Brauerei alkoholhaltiges Bier, ab den 1960er Jahren bis 1974 noch Malzbier gebraut und alkoholfreie Getränke abgefüllt.
1991 wurde die Produktion eingestellt. Seitdem stehen die Gebäude leer.
Nach der Sanierung will eine Braumanufaktur ins Gebäude ziehen. Die Sicherungsarbeiten am Haus sind bereits abgeschlossen.

Kampagne bewirbt "Großes Erbe"

Dieses Erbe soll jetzt einen Marketingschub erhalten. Unter dem Schlagwort "Großes Erbe" startet die Marketing Gesellschaft Oberlausitz/Niederschlesien (MGO) in diesem Sommer eine neue Kampagne in den sozialen Kanälen. Möglich wurde es durch eine Corona-Sonderförderung vom Freistaat. Das zur Verfügung stehende Budget beläuft sich auf eine halbe Million Euro. Davon kommen 400.000 Euro vom Freistaat und der Rest von den beteiligten Partnern, der Stiftung in Bad Muskau, den Landkreisen Görlitz und Bautzen und der touristischen Gebietsgemeinschaft Neißeland e.V.

Bei der Kampagne gehe es nicht nur um den Welterbestandort Pückler-Park, sondern sie wurde weiter gedacht, erklärt Caroline Schneider von der MGO. "Wir wollen eine Verbindung schaffen mit dem Lausitzer Seenland, der Heide- und Teichlandschaft, der Industriekultur - Das ist alles ein großes Erbe." Die Zielgruppe der Werbeaktion seien in erster Linie kulturaffine Menschen, die nachhaltig reisen möchten, so Schneider. Aber auch den Menschen hier zu Hause soll die Stärke ihrer Region bewusster werden.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 23. Mai 2022 | 09:30 Uhr

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